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Airbus löst Boeing offenbar als größten Flugzeugbauer ab

Airbus hat im abgelaufenen Jahr offenbar den krisengeschüttelten Erzrivalen Boeing als weltweit größten Flugzeugbauer abgelöst.(Photo by PASCAL PAVANI/AFP via Getty Images)

Der französische Konzern hat laut einem Bericht 2019 mehr Maschinen ausgeliefert als sein Rivale aus den USA. Boeing leidet massiv unter dem Flugverbot der 737 Max.

Airbus hat im abgelaufenen Jahr offenbar den krisengeschüttelten Erzrivalen Boeing als weltweit größten Flugzeugbauer abgelöst. Wie die Nachrichtenagentur Reuters und französische Medien übereinstimmend berichten, lieferte der europäische Konzern 863 Maschinen aus.

Die Zahl liegt fast acht Prozent über dem Wert von 2018 (800 Maschinen) und etwas über dem – im Oktober nach unten revidierten – Ziel des Managements von 860 Flugzeugen. Sollten die Zahlen stimmen, hat Airbus Boeing zum ersten Mal seit 2011 als weltgrößten Flugzeughersteller abgehängt. Airbus will das bislang nicht bestätigen. Auf Anfrage des Handelsblatts sagte ein Konzernsprecher: „Kein Kommentar, wir veröffentlichen die Zahlen in der kommenden Woche.“ Ein genaues Datum nannte das Unternehmen nicht.

Airbus hatte erst im Oktober das Ziel der ausgelieferten Flugzeuge auf 860 nach unten korrigiert, weil es einige Probleme bei der Produktion gab. Der Wert liegt nun etwas darüber. Der krisengeschüttelte Hersteller Boeing lieferte dagegen im Zeitraum von Januar bis November 2019 nur 345 Maschinen aus, hauptsächlich Langstreckenjets.

Grund dafür ist, dass die Amerikaner unter dem Flugverbot für die Unglücksmaschine 737 Max leiden. Diese darf seit März nicht mehr fliegen, weil bei zwei Abstürzen in Indonesien und Äthiopien in fünf Monaten 346 Menschen starben. Danach brach der Absatz des Flugzeugs massiv ein. Im Jahr 2018 hatte Boeing noch mit dem Modell 737 Max triumphiert und insgesamt 806 Flugzeuge ausgeliefert.

Während Boeing massive Probleme hat, kann sich Airbus vor Bestellungen kaum retten. Ende 2019 standen 6000 Flugzeuge bei Airbus zur Lieferung in den Auftragsbüchern, die meisten davon waren vom Typ A320 Neo, es ist quasi das Gegenstück zu Boeings 737 Max. Fluggesellschaften, die sich von Boeing abwenden, müssten sich aber einige Jahre gedulden.

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Airbus kommt mit der Produktion nur schwer hinterher. Um möglichst viele Flugzeuge auszuliefern, wurde bei Airbus 2019 bis zur letzten Minute gearbeitet, sogar Ferien annulliert, berichten französische Medien.

Boeing dagegen kündigte Mitte Dezember einen Produktionsstopp des Modells 737 Max an, ein schwerer Rückschlag für die Amerikaner. Die Ungewissheit ist groß, wann und ob eine Produktion wieder anlaufen kann.

Erst hatte Boeing gehofft, noch vor Ende 2019 wieder grünes Licht für die Zulassung von der US-Luftfahrtaufsicht FAA zu bekommen. Doch die Hoffnung zerschlug sich. Boeing wurde verdächtigt, die 737 Max zu schnell auf den Markt gebracht zu haben und die Sicherheit vernachlässigt zu haben. Der Hersteller wies das zurück. Im Mittelpunkt der Krise steht das Steuerungsprogramm MCAS, das eine Rolle bei den Abstürzen gespielt haben soll.

Bis zur Wiederzulassung kann Boeing keine Maschinen ausliefern, was hohe Kosten ohne Einnahmen verursacht, da es sich bislang um das bestverkaufte Modell des Herstellers handelt. Die fertigen Flugzeuge werden derzeit zwischengelagert und stehen auf allen freien Plätzen.

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