Deutsche Märkte geschlossen

Die Agenturgruppe Publicis wagt den Neustart in Deutschland

Die französische Gruppe ordnet sich neu: Die Publicis-Agenturen werden in Deutschland künftig unter einem Dach arbeiten. Saatchi & Saatchi gewinnt an Einfluss.

Feierlaune bei der französischen Werbeagentur Publicis: Die Werber haben mit der Beiersdorf-Marke Nivea eine der teuersten deutschen Konsumgütermarken als Kunden gewonnen. Die Networkagentur wird für die Pflegemarke eine eigene Agentureinheit mit dem Namen „One Touch“ mit einigen Hundert Mitarbeitern in Hamburg aufbauen. „Dieser Erfolg zeigt, wo es künftig bei uns hingehen wird“, sagt Frank-Peter Lortz, CEO der verantwortlichen Publicis Group Germany, dem Handelsblatt.

Es stehen große Veränderungen an. Künftig werden die Publicis-Agenturen an allen Standorten in Deutschland unter einem Dach arbeiten – dazu gehören Agenturen wie Saatchi & Saatchi, Publicis und Leo Burnett, aber auch die PR-Agentur MSL, die Beratungsfirma Meta-Design und auch die Mediaagenturen Zenith und Starcom. Am Donnerstag will das Werbeunternehmen die Umstrukturierung offiziell verkünden.

CEO Lortz trägt ab sofort die Verantwortung für rund 2300 Mitarbeitern. Agilität ist das Motto. Er will Teams quer durch alle Agenturen zusammenstellen. „Unser Ziel ist es, für unsere Kunden Komplexität zu reduzieren, indem die jeweils Besten aus dem gesamten Netzwerk zusammenarbeiten. Auf diese Weise können wir kundenindividuelle, modulare und skalierbare Services anbieten, die leicht und flexibel nutzbar sind“, erläutert Lortz, der früher die Mediaagentur Zenith geführt hatte.

Die neue Nivea-Agentur ist nur eine von fünf exklusiven Einheiten, die Publicis anbietet. Für Mercedes gibt es beispielsweise die Agentur Emil, und für L’Oreal wurde iBeauty geschaffen. „Kollaboration ist essenziell, denn nur so können wir schnell und flexibel die für den Kunden beste Lösung erarbeiten“, sagt Lortz.

„The Power of One“ ist der Leitspruch der französischen Agenturgruppe. Vorangetrieben von dem weltweiten CEO Arthur Sadoun sollen in jedem Land die Agenturmarken stärker zusammenrücken. Die Werbekunden achten immer stärker auf ihre Budgets, das merken auch große Holdings wie Publicis.
In den ersten sechs Monaten des Jahres ist der Nettoumsatz um 0,7 Prozent auf 4,35 Milliarden Euro gesunken. Als Grund dafür nannte Sadoun Budgetkürzungen vor allem in der klassischen Werbung. Doch er weiß ein Rezept gegen diesen Trend: Zentralisierung.

Märkte wie Großbritannien und Frankreich, in denen die Holding bereits eine starke zentrale Führung etabliert habe, entwickelten sich gut, erklärte er bei der Vorlage der Halbjahresbilanz. In Deutschland waren die Umsätze im ersten Halbjahr um neun Prozent eingebrochen – nun kommt auch hierzulande „The Power of One“.

In Deutschland bringt die Zentralisierung eine weitere Neuerung: Als kreative Agenturmarke wird Saatchi & Saatchi dominieren. Deren CEO Christian Rätsch verantwortet künftig auch die Agentur Leo Burnett sowie einen großen Teil der früheren Publicis Pixelpark.

450 Werber werden unter seiner Ägide arbeiten. Branchenkenner wie Oliver Klein, Chef der Beratung Cherrypicker, die Werbekunden bei der Agentursuche unterstützt, loben den Managementstil von Rätsch: „Er macht seinen Job ausgesprochen gut.“
Mit der Integration der Zusammenführung soll eine Redundanz zwischen den Kreativagenturen aus dem Publicis-Reich behoben werden. „Saatchi & Saatchi ist die Kreativmarke mit dem schärfsten Profil in unserem Portfolio und auch international sehr stark“, meint Lortz.

Die Agentur habe in Deutschland in den vergangenen Jahren eine enorm erfolgreiche Entwicklung gemacht und sowohl im Neugeschäft als auch im kreativen Bereich Maßstäbe gesetzt.

„Der Schwerpunkt von Leo Burnett hat schon in den vergangenen Jahren auf der Betreuung globaler Networkkunden gelegen. Diesen Fokus wird Leo Burnett künftig behalten“, erklärt Lortz. Leo Burnett hat Blessuren durch den einstigen Großkunden Philip Morris erlitten, der Tabakreklame kräftig zusammenstrich.
Saatchi ist künftig die starke Marke für den deutschen Markt. Ein besonderer Coup gelang der Agentur, als sie 2017 der Schwesteragentur Publicis den Autokunden Renault abluchste. Einen „Husarenstreich“ nannten es damals führende Manager.