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Adyen verdient mehr – auch dank einer Bilanzkorrektur

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Der Trend zu mehr Onlineshopping treibt das Ergebnis des niederländischen Zahlungsdienstleisters. Dabei stellt Adyen fest, seit Langem zu wenig Gewinn ausgewiesen zu haben.

Die Folgen der Coronakrise perlen am niederländischen Zahlungsdienstleister Adyen weiter ab. Vom Trend zum Onlineshopping profitiert er sogar: Da immer mehr Menschen per Internet einkaufen, laufen über das Unternehmen auch immer mehr Onlinezahlungen. Im dritten Quartal wickelte Adyen insgesamt Transaktionen im Volumen von 77 Milliarden Euro ab, 26 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, teilte die Firma Mittwochabend mit.

Einen kleinen Teil des Transaktionsvolumens erhält Adyen als Gebühr für die Abwicklung. Dieser Nettoumsatz legte ebenfalls um etwa ein Viertel auf 169 Millionen Euro zu, auch der Vorsteuergewinn kletterte um ein Viertel auf gut 100 Millionen Euro. Schon im ersten Halbjahr hatte die Firma aus Amsterdam mit ähnlich guten Zahlen aufgewartet.

Die Branche profitiert vom Boom im E-Commerce, spürt aber auch die Coronakrise. Adyen-Chef Pieter van der Does sagte kürzlich im Handelsblatt-Interview: „Generell lässt sich sagen: Unsere Umsätze mit Kunden aus dem stationären Einzelhandel wurden stark getroffen, aber das wurde durch mehr Zahlungen beim Onlineshopping ausgeglichen.“

Im dritten Quartal erreichte das Adyen-Geschäft mit dem stationären Einzelhandel sogar nahezu wieder das Niveau von vor der Coronakrise, Onlinetransaktionen nahmen weiter deutlich zu. Wichtig dabei: Zwischenzeitlich erholten sich auch Umsätze mit der Reisebranche etwas. Diese dürften aber angesichts der neuen Einschränkungen in vielen Ländern wieder abrutschen. Adyen gehört zu den Zahlungsfirmen, die ihre Dienstleistungen weltweit anbieten.

Der deutsche Rivale Wirecard war im Juni nach einem milliardenschweren Bilanzskandal in die Pleite gestürzt. Wirecard hatte über Jahre hinweg eine viermal so hohe Profitabilität wie Adyen ausgewiesen – die Zahlen dürften jedoch laut Ermittlern der Staatsanwaltschaft München seit mehreren Jahren gefälscht worden sein.

Den Wirecard-Untergang bezeichnete van der Does als „Desaster für die Branche“, schließlich basiere das Geschäft auf Vertrauen. „Niemand in der Branche hat gedacht, dass bei Wirecard Betrug im Spiel war – erst recht nicht in dem Ausmaß, wie es nun bekannt wird.“

Kosten für Kreditkarten doppelt verbucht

Adyen war im Sommer 2018 an die Börse gegangen. Seitdem hat sich der Börsenwert mehr als verfünffacht. Auch seit Ausbruch der Coronakrise ist die Aktie immer weiter gestiegen, sie markierte Mitte Oktober erneut ein Rekordhoch.

Dabei steht Adyen eigentlich noch besser da als bisher gedacht. Der Zahlungsdienstleister hat wesentliche Kennzahlen seit zwei Jahren zu niedrig ausgewiesen. Die Firma teilte nun mit, dass sie Umsatz und Gewinn erheblich nach oben korrigieren muss. Für das Ergebnis im ersten Halbjahr 2020 bedeutet das zum Beispiel: Der Nettogewinn betrug nicht rund 78 Millionen Euro, sondern fast 20 Millionen Euro mehr.

Der Grund dafür ist, dass das Unternehmen versehentlich Kosten bei Kreditkartenzahlungen doppelt verbucht hatte. Dabei geht es um Zahlungen, die entweder zurückgezogen oder abgewiesen wurden – bei Zahlungen per Kreditkarte nichts Ungewöhnliches.

Die Doppelbuchungen hätten nur einen Effekt auf die Bilanzierung, aber keinen Einfluss auf die Liquidität des Unternehmens sowie auf Zahlungen von anderen Firmen oder Auszahlungen an Händler, erklärte Adyen. Sie würden sich auch nicht auf die Grundlagen des Geschäfts auswirken.