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Adler muss wegen Zinswende Wohnungsbestand um 2,3% abwerten

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Die Adler Group SA musste ihr Wohnungsportfolio wegen des steigenden Zinsumfelds im dritten Quartal abwerten. Das unterstreicht die Dringlichkeit für den angeschlagenen Vermieter, mit seinen Gläubigern ein neues Finanzierungspaket für die nächsten Jahre abzuschließen.

Der Zeitwert des Bestandsportfolios sank in den drei Monaten bis Ende September auf vergleichbarer Basis um 2,3% auf 5,3 Milliarden Euro, bereinigt um die zum Verkauf gestellte Beteiligung an Brack Capital Properties NV, teilte Adler am Dienstag mit. Dadurch stieg die Beleihungsquote auf in die Nähe von 60%, einer Marke, die sie laut den Anleihebedingungen nicht übersteigen darf.

Adler kämpft derzeit darum, bis zum ersten Quartal eine Einigung mit seinen Anleihegläubigern herbeizuführen, die ihm mehr Zeit zum Schuldenabbau verschaffen würde. Da das Immobilienunternehmen derzeit kaum Zugang zum Kapitalmarkt hat, ist es gezwungen, sich auf Veräußerungen zu konzentrieren - und das gerade zu einem Zeitpunkt, an dem der jahrzehntelange Boom auf dem deutschen Immobilienmarkt wegen der steigenden Zinsen zu einem Ende kommt.

Adler hat bereits Tausende von Wohnungen verkauft und plant nun eine Fokussierung seiner Strategie auf Berlin und eine Reduzierung seiner Entwicklungsaktivität, wie es in der Mitteilung heißt.

“Im Einklang mit der Anleihegläubiger-Vereinbarung hat die Adler Group ihre Strategie angepasst, die einen Übergang zu einem ausschließlich in Berlin verankerten Portfolio mit einem selektiven Entwicklungsengagement und einer Begrenzung der Investitionsausgaben vorsieht”, heißt es.

Die am Montag verkündete Vereinbarung mit Gläubigern wie BlackRock und Pimco würde Adler frisches, aber teures Geld und eine Atempause bis 2025 verschaffen. Teil der Vereinbarung sei auch die Ernennung eines Chief Restructuring Officer und eines neuen Verwaltungsrats “mit umfassender Finanzerfahrung”, hieß es heute.

Durch die Abwertungen des Portfolios im dritten Quartal stieg Die Beleihungsquote von Adler bis Ende September auf 59,9%, bzw. auf 55%, wenn man den zum Verkauf stehenden Brack-Anteil herausrechnet. Gemäß den Anleihebedingungen darf die Quote 60% nicht überschreiten.

Adler fielen in Frankfurt um bis zu 17%, nachdem sie am Montag nach der Verkündung der Einigung mit der Gläubigergruppe um 42% gestiegen waren. Seit Jahresbeginn hat die Aktie fast 80% ihres Wertes verloren.

Adler hat die Suche nach einem neuen Wirtschaftsprüfer aufgegeben und wird stattdessen ein Gericht mit der Bestellung beauftragen, sagte Verwaltungsratspräsident Stefan Kirsten in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Das Gericht kann allerdings nur einen Prüfer für das deutsche Geschäft ernennen, und der Prüfer kann den Auftrag auch ablehnen. Daher ist das Ergebnis noch offen, sagte Kirsten.

Die von Adler angestrebte Schuldenregelung würde die Frist, bis zu der Adler testierte Ergebnisse vorlegen muss, von April auf Dezember nächsten Jahres verlängern. KPMG war im Mai als Wirtschaftsprüfer zurückgetreten, und Kirsten sagte, dass man mit der Suche nach einem neuen Prüfer trotz Gesprächen mit mehreren Kanzleien letztlich gescheitert sei.

Adlers Zukunft hängt nun davon ab, dass die das 937,5 Millionen Euro schwere Rettungspaket genehmigt wird, das am Freitag vorgelegt worden war. Für die Umsetzung des Plans ist eine Zustimmung von 75% der Eigentümer jeder von Adlers Anleihen erforderlich. Der Gruppe, mit der man sich schon einig ist, gehören etwa 45%.

Kirsten werde voraussichtlich nächste Woche darüber informieren, wie viele Gläubiger die Umstrukturierung akzeptiert haben. Mitte Dezember soll eine Versammlung der Anleihegläubiger stattfinden.

Überschrift des Artikels im Original:Adler Marks Down Assets as Interest Rates Weigh on Holdings

(Neu: Kursreaktion, Suche nach Wirtschaftsprüfer)

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