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Achtung Identitätsdiebstahl! Fast jeder Vierte ist betroffen

Sandra Alter
Freiberufliche Journalistin
(Bild: gettyimages)

Datenklau kann schlimme Folgen haben. Mit der Identität anderer gehen Kriminelle im Internet auf Einkaufstour und vieles mehr. Die ahnungslosen Opfer werden kräftig zur Kasse gebeten, Zahlungserinnerungen und Mahnungen flattern dann massenweise ins Haus. Schäden von mehreren Tausend Euro sind keine Seltenheit. Finanztest erklärt, wie die Täter vorgehen und wie Sie sich schützen können.

Facebook-Profil geknackt, Bankdaten abgefischt, E-Mail-Konto gehackt – bereits 23 Prozent der Bevölkerung wurden schon einmal Opfer von Internetkriminalität oder Datenmissbrauch. Neun Prozent davon erlitten dadurch finanziellen Schaden. Das berichtet Stiftung Warentest aktuell im Verbrauchermagazin Finanztest.

Dafür werden geklaute Daten genutzt
Vorrangig benutzen Datendiebe ihre Beute, um sich damit finanzielle Vorteile zu verschaffen. Typisch sei Warenkreditbetrug, so die Experten. Lediglich Name und Geburtsdatum benötigen die Betrüger, um die Kreditwürdigkeit ihrer Opfer zu überprüfen. Ist die einwandfrei, bestellen die Täter auf Rechnung Waren im Internet, die sie an abweichende Lieferadressen schicken lassen. Die Opfer bemerken den Schaden meist erst dann, wenn Rechnungen überfällig werden und Mahnungen oder Post von Inkassofirmen im Briefkasten landen.

In vielen Fällen würden Daten aber auch missbraucht, um den Ruf der Betroffenen zu schädigen. Mit erschwindelten Fotos und Daten werden die Opfer dann im Internet gemobbt und nicht selten damit erpresst. Zudem spielen auch bei Straftaten geklaute Identitäten häufig eine Rolle, etwa wenn die falschen Daten nach einer Verhaftung angegeben würden oder wenn Drogengeschäfte über das Internet abgewickelt würden, so Stiftung Warentest.

Oft haben Täter auch die Absicht, sich medizinische Leistungen zu erschleichen. „Beim medizinischen Identitätsdiebstahl lassen sich die Täter mithilfe gestohlener und gefälschter elektronischer Gesundheitskarten von Ärzten behandeln oder teure Medikamente verschreiben. Seit 2005 haben alle neu ausgestellten Karten das Foto des Karteninhabers aufgedruckt. Das ist eine Maßnahme gegen Missbrauch, aber leider nicht immer ausreichend“, so Ann Marini vom Spitzenverband der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen gegenüber Finanztest.

So gelangen Daten in die Hände von Kriminellen
Oft kommen Diebe ganz klassisch über den Diebstahl der Brieftasche an Daten ihrer Opfer. So können sie Ausweisdokumente oder Gesundheitskarten für ihre Zwecke nutzen. Einige Täter würden auch nicht davor zurückscheuen, Papiermülltonnen nach verwertbaren Daten zu durchwühlen.

Doch vor allem im Internet haben Kriminelle leichtes Spiel. „Beim Surfen im Internet hinterlassen Nutzer etliche persönliche Informationen. Dadurch können Diebe Namen, Geburtstag und häufig auch Adressen und Beruf durch wenige Klicks herausfinden“, warnen die Verbraucherschützer. Gerade soziale Netzwerke wie Facebook seien für Datendiebe wahre Fundgruben. Dort würden viele Nutzer arglos von ihrem Leben berichten und vergessen, dass Kriminelle mitlesen können.

Wollen Täter große Datenmengen abgreifen, nutzen sie illegale Methoden, um Schad-Software auf die Rechner der Betroffenen aufzuspielen. Die liest dann alle Eingaben am Rechner mit und übermittelt die Daten automatisch an die Betrüger. Viele Menschen würden sich auch leicht von gefälschten E-Mails täuschen lassen, so die Verbraucherschützer. In diesen Fällen verschicken die Täter E-Mails, die denen von Banken oder Versandhäusern zum Verwechseln ähnlich sehen und fordern die Ofer auf, Internetseiten zu besuchen, um ihre persönlichen Daten einzugeben.

So schützen Sie sich
Ein Rechner sollte immer ausreichend durch aktuelle Virensoftware und eine Firewall gesichert sein. Passwörter sind dann sicher, wenn Sie aus einer komplexen Kombination aus Zahlen, Sonderzeichen und Groß- und Kleinschreibung bestehen. Auch ist es ratsam, niemals dieselben Zugangsdaten für mehrere Onlinedienste zu verwenden.

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Grundsätzlich sollten persönliche Daten im Internet so sparsam wie möglich preisgegeben werden. Wer bei Facebook mit seinen Freunden kommuniziert, sollte die Privatsphäre-Einstellungen nutzen, damit die Daten nur einem beschränktem Personenkreis zugänglich sind. Tritt der schlimmste Fall ein und die Daten werden missbraucht, ist es wichtig, umgehend zu handeln. „Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei und informieren Sie Unternehmen und Behörden“, so der Rat der Verbraucherschützer.

Den vollständigen Bericht von Stiftung Warentest zum Thema „Identitätsdiebstahl“ finden Sie hier (kostenpflichtig).