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Aareal Bank will auf Einkaufstour gehen

Der Konzern aus Wiesbaden will seine Softwaretochter Aareon durch eine Reihe von Zukäufen stärken. Bei einigen Investoren kommt das gut an, aber nicht bei allen.

Das Kerngeschäft des Konzerns, die Finanzierung von Gewerbeimmobilien, wird wegen der Niedrigzinsen und härterer regulatorischer Vorgaben immer schwerer. Foto: dpa

Aareal-Bank-Chef Hermann Merkens ist verschnupft. Doch das liegt nicht an unbequemen Aktionären, sondern an einer Erkältung. Er habe eine „normale Grippe“, sagt Merkens. Doch bei der Bilanzpressekonferenz am Mittwoch will er trotz laufender Nase und heiserer Stimme dabei sein.

Für seine Investoren Teleios und Petrus Advisers, die regelmäßig bei Unternehmen einsteigen und dann auf Veränderungen drängen, hat Merkens interessante Neuigkeiten dabei. Das Unternehmen wolle das Wachstum seiner Softwaretochter Aareon durch fünf oder mehr Zukäufe pro Jahr beschleunigen, sagt Merkens.

Das im Nebenwerteindex MDax gelistete Geldhaus könnte dafür einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag in die Hand nehmen. Die Firepower sei „schon signifikant“, betont Merkens.

Mit der Software von Aareon verwalten große Wohnungsvermieter Immobilien und wickeln unter anderem Mietzahlungen ab. Das Dienstleistungsangebot soll in den kommenden Jahren deutlich ausgebaut werden.

Ende vergangenen Jahres hat der Konzern bereits die Münchner Firma CalCon übernommen. Mit deren Software können Vermieter erkennen, wann sie die Fassade von Gebäuden erneuern und Fenstern austauschen müssen.

Aareon hui, Bankgeschäft pfui

Aareon hat seinen Gewinn in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesteigert. Das Kerngeschäft der Aareal Bank, die Finanzierung von Gewerbeimmobilien, wird dagegen wegen der Niedrigzinsen und härterer regulatorischer Vorgaben immer schwieriger.

Diese Entwicklung dürfte sich 2020 fortsetzen. „Es gibt kein Grund, dass dieses Jahr für Banken einfacher wird als 2019“, warnt Aareal-Finanzchef Marc Heß. Neben den niedrigen Zinsen gebe es Herausforderungen wie den Brexit und neue Unsicherheit durch den Coronavirus. „Einzig auf der Aareon-Seite sehen wir weiterhin Rückenwind, da sich der Aufholprozess der europäischen Wohnungswirtschaft beim Thema Digitalisierung und Effizienz fortsetzen sollte.“

Unter dem Strich sank der bereinigte Konzerngewinn der Aareal-Bank-Gruppe im vergangenen Jahr um fünf Prozent auf 145 Millionen Euro. Im laufenden Jahr rechnet Heß mit einem „stabilen Geschäftsergebnis“.

An der Tochter Aareon will der Konzern im Zuge der Anfang 2020 vorgelegten Strategie „Aareal Next Level“ festhalten. Das Unternehmen sei jedoch offen dafür, bei Aareon einen Minderheitsaktionär an Bord zu holen, wenn dieser das Wachstum der Tochter unterstütze, sagt Merkens. Finanzinvestoren seien dagegen nicht willkommen. „Eine reine Finanztransaktion macht für uns nicht richtig viel Sinn – da hätten wir als Bank auch andere Möglichkeiten.“

Langfristig schließt Merkens auch einen Verkauf von Aareon nicht aus, auch wenn er das Wort „Verkauf“ aktuell nicht in den Mund nehmen will. Die Aareal wolle Aareon in den nächsten Jahren weiterentwickeln und somit „für uns als Gruppe neue strategische Optionalitäten erschließen“, betont Merkens. „Welche das dann sein könnten, das ist zum jetzigen Zeitpunkt reine Spekulation.“

An die Börse bringen oder fusionieren

Einflussreiche Aktionäre begrüßen das Vorgehen. „Bei Aareon gibt es ein erhebliches Wertpotenzial. Ich finde es gut, dass die Areal Bank dies in den kommenden Jahren heben will und jetzt noch nicht Kasse macht“, sagte ein großer Investor dem Handelsblatt.

„Aus heutiger Sicht wäre ein Verkauf auch schwierig“, betont der Investor. Die Aareal Bank und Aareon seien noch zu stark verwoben, etwa bei der Abwicklung von Zahlungen. Zudem sei Aareon wichtig für das Rating der Gruppe. Mittelfristig plädiert er jedoch für mehr Unabhängigkeit. „Perspektivisch könnte man Aareon entweder an die Börse bringen oder mit einem anderen Softwareanbieter fusionieren.“

Auch Petrus Advisers ist offenbar der Ansicht, dass sich die Aareal Bank grundsätzlich in die richtige Richtung bewegt. Der Londoner Investor, der gut drei Prozent an dem Institut hält, hat bisher jedenfalls darauf verzichtet, kritische öffentliche Briefe an den Vorstand zu schreiben – im Gegensatz zu seinem vorangegangenen Engagement bei der Onlinebank Comdirect.

Petrus-Partner Klaus Umek betonte kürzlich, er fordere keine sofortige Abspaltung von Aareon oder einen Komplettverkauf. Mittelfristig würde eine Trennung aus seiner Sicht aber schon Sinn machen, „da der Software-Bereich sehr wahrscheinlich bald mehr wert sein wird als die Bank“.

Der Investor Teleios fordert dagegen, einen Komplettverkauf der Tochter zu prüfen. „Das Management der Aareal Bank sollte einen wettbewerbsorientierten, zweigleisigen Prozess sowohl für einen Voll- als auch für einen Minderheitsverkauf der Aareon starten“, sagte Teleios-Mitgründer Adam Epstein Mitte Januar. Weniger später reduzierte der Hedgefonds seine Aareal-Beteiligung auf weniger als fünf Prozent.