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Kannst du auf 99,9 % aller ETFs wirklich verzichten?

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 4 Min.

ETF-Investoren haben es manchmal auch nicht leicht: Der Markt der börsengehandelten, passiven Fonds wird konsequent größer und damit auch die Auswahl derjenigen Vertreter, die sich für einen Vermögensaufbau eignen. Oder eben auch nicht.

Es gibt für fast alles inzwischen einen passenden ETF. Für jede Region, beispielsweise. Aber auch für jedes Thema. Aber mal Hand auf’s Herz: Könnte es möglicherweise sein, dass man im Markt der ETFs auf 99,9 % aller Fondsvertreter verzichten kann?

So falsch scheint diese Sichtweise gar nicht zu sein. Lass uns daher im Folgenden einen Blick darauf riskieren, warum ein Fokus auf das Wesentliche zu dieser Erkenntnis führen kann. Beziehungsweise, was das Wesentliche eigentlich ist.

Grundsatz: 1 ETF = marktübliche Rendite

Was wollen die meisten ETF-Investoren erreichen? Richtig, in der Regel eine marktübliche Rendite. Und hier gilt der Grundsatz, dass bereits ein gut strukturierter, breit diversifizierter ETF dir bei diesem Ziel helfen kann. Wer daher als passiver Investor langfristig eine marktbreite Rendite generieren möchte, braucht nur einen Passivfonds. Punkt.

Aber natürlich kommt hierfür nicht jeder Index infrage. Passenderweise können wir für den Moment jedoch festhalten, dass wir mit dem MSCI World und dem S&P 500 zwei spannende Indizes haben, die für dieses Ziel geeignet sind. Punkt. Ende. Aus. Eine wertvolle Erkenntnis, die wir für den Moment sacken lassen wollen.

Fertig? Alles klar. Aber was passiert eigentlich, wenn wir es mit der Diversifikation übertreiben? Bestenfalls nichts. Schlechtestenfalls könntest du deine Rendite sogar verschlechtern. Wenn wir beispielsweise einfach mal davon ausgehen, dass du in einen Index investierst, der es langfristig auf eine Rendite von 7 % pro Jahr bringen wird, und in einen weiteren, der ebenfalls auf einen solchen Wert kommt, dann ist das Ergebnis im Endeffekt ähnlich. Oder, anders ausgedrückt: Zweimal eine marktübliche Rendite ergibt im Regelfall ebenfalls eine marktübliche Rendite.

Wer historisch auf den S&P 500 und den MSCI World gesetzt hätte, der hätte sogar die stärkere Performance des S&P 500 abgemildert. Der US-amerikanische Querschnitt kam in den letzten Jahrzehnten auf eine ETF-Rendite von ca. 9 % pro Jahr, der MSCI World hingegen bloß auf 7 % pro Jahr. Hier zeigt sich, dass mehr nicht unbedingt mehr ist. Nein, sondern manchmal sogar weniger.

Eigenes Welt-Portfolio mit ETFs?

Es könnte sich jedoch eine andere Ausgangslage ergeben, wenn man selbst als passiver Investor ein Welt-Portfolio kreieren möchte. Unter dieser Prämisse kann es notwendig sein, dass man in mehrere ETFs investieren muss, um ein globales, weltweit diversifiziertes Portfolio zu erreichen. Trotzdem sollte man dabei ein paar Sachen bedenken: Zum einen: Übertreib es nicht mit dem passiven Ansatz und der vermeintlichen Diversifikation. ETFs sind hier immer bloß ein Kompromiss, wobei ein solider Querschnitt und Vergleichswert eben stets der MSCI World ist.

Zum anderen: Hinterfrage, ob der Aufwand es wirklich wert ist. Wie gesagt: Die breiten Märkte werden stets zu einer marktbreiten Performance neigen. Der MSCI World im historischen Vergleich mit dem S&P 500 ist außerdem ein Indikator dafür, dass mehr Globalität manchmal kein Renditetreiber ist. Und im Endeffekt wird es immer die Gesamtrendite sein, die entscheidend ist.

Zu guter Letzt: Erneut der Hinweis, dass das Sammeln von marktbreiten Querschnitten und einer ähnlichen Rendite zu einer ähnlichen Gesamtrendite führen wird. Mehr Aufwand im Bereich der ETFs kann daher ein zeitintensives, jedoch wenig lukratives Unterfangen sein, wenn man das Ziel einer marktüblichen Rendite besitzt.

99,9 % aller Passivfonds sinnlos?

Ob daher 99,9 % aller ETFs sinnlos sind, das sollte jeder passive Investor letztlich für sich selbst beantworten. Fest steht für mich jedenfalls: Wer eine marktübliche Rendite generieren will, der ist mit einem marktbreiten Index gut aufgestellt. Mehr Aktionismus führt häufig nicht zu besseren Ergebnissen, sondern manchmal nur zu gleichen. Oder aber sogar zu schlechteren.

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