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Das 9-Euro-Ticket reicht nicht: Auf diese Strategie muss der ÖPNV setzen

Der Verkauf von Tickets ist weiterhin zu kompliziert.
Der Verkauf von Tickets ist weiterhin zu kompliziert.

Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) ist das Rückgrat der Mobilitätswende. Ohne einen solide aufgestellten ÖPNV werden sich Städte nicht verändern. Die Verkehrswende wird nicht stattfinden. Wer allerdings weniger Autoverkehr in den Städten haben will, muss auch Alternativen anbieten. Mit dem zeitlich befristeten 9-Euro-Ticket ist ab Juni zumindest ein erster Anfang gemacht. Gleichzeitig ist das Ticket ist auch eine interessante Feldstudie, wie viele Menschen den ÖPNV tatsächlich nutzen. Und es ist ein Test, wie Verkehrsbetriebe das Mehraufkommen bei den Passagieren bewältigen.

Aber wie üblich ist der Weg von der Idee zur Realität kompliziert. Nicht wenige Verkehrsbetriebe beklagten, die Kosten der Umsetzung würden eine zusätzliche Belastung für ihr ohnehin beschränktes Budget darstellen. Einige Betriebe behaupten sogar, es sei günstiger, den ÖPNV einfach für eine gewisse Zeit kostenlos zu machen, anstatt noch neun Euro zu verlangen. Das Argument ist nicht ganz falsch. So würde der Nahverkehr allen offen stehen. Das war der Bundesregierung aber wohl zu teuer.

Kostenlos ist nicht immer gut

Dabei wäre es interessant gewesen zu sehen, wie sich ein flächendeckend kostenloser ÖPNV auf das Verkehrsverhalten der Bürgerinnen und Bürger auswirkt. Bislang gibt es nur kleinere Experimente aus kleineren Städten mit gemischten Ergebnissen. In der estnischen Hauptstadt Tallinn (426.000 Einwohner) etwa zeigte sich, dass die Auslastung von Bus und Bahn zwar sprunghaft anstieg. Es stiegen aber deutlich weniger Menschen vom Auto auf den ÖPNV um als zunächst erhofft.

Fahrtickets bloß günstiger machen, bewegt die meisten Menschen also nicht zum Umstieg. Vielmehr wünschen sie sich ein dichteres Netz und eine höhere Taktung der Fahrzeuge. Das gilt primär für die Außenbezirke der Städte, wo der ÖPNV meistens schlecht ausgebaut ist. Aber genau von dort pendeln die meisten Menschen in die Innenstädte. Ein Ausbau erwiese sich hier also als sinnvoll.

Ein anderes Problem ist die Zugänglichkeit zu den Tickets. Zwar bieten viele Nahverkehrsbetriebe mittlerweile den Kauf von Online-Tickets an. Aber vor allem seltene Nutzer des ÖPNV greifen darauf kaum zurück. Ein einfaches, bundesweit verfügbares E-Ticketsystem ist trotz jahrzehntelanger Bemühungen weiter nicht in Sicht. Es scheitert einfach an überaus komplexen Tarifsystemen und am mangelnden Ausbau der digitalen Dienstleistungen etlicher ÖPNV-Anbieter.

Ein Startup löst Probleme

Startups arbeiten hier aber an Lösungen. Das Startup Vesputi, das gerade einen Pitch auf der internationalen Bus2Bus-Konferenz in Berlin gewonnen hat, verfolgt die interessante Idee, Tickets dort zu den Menschen zu bringen, wo sie gebraucht werden. Die von ihnen entwickelte Mobilitybox ist eine Backend-Lösung, die den Ticketverkauf in anderen Apps integriert. Kauft man ein Konzertticket, kann man in der App des Veranstalters auch gleich das passende Ticket für den Tag kaufen.

Die Idee lässt sich leicht skalieren. Restaurants könnten zur Tischreservierung ebenso ein Ticket anbieten wie Fluggesellschaften für ihre Flüge. Trotzdem wird sich das Konzept so schnell nicht durchsetzen. Die Technik hinter den Ticketsystemen vieler Nahverkehrsbetriebe ist veraltet, eine schnelle Anbindung an Apps anderer Unternehmen nicht ohne hohe Kosten möglich.

Dass der Stand der Digitalisierung etlicher Verkehrsbetriebe mindestens zehn Jahre hinter hängt, ist schon schlimm genug. Dass Politik und Verwaltungen die Verkehrsbetriebe seit Jahrzehnten an der finanziell kurzen Leine gehalten haben, rächt sich nun. Deshalb wäre es jetzt notwendig, dass Verwaltungen die Nähe von Startups suchen, um schnell Lösungen zu finden.

Die Beispiele des kostenlosen ÖPNV zeigen, dass günstige Tickets die Verkehrsprobleme allein nicht lösen werden. Nutzerfreundlichere und zugänglichere Verkaufskanäle würden jedoch helfen. Hier können die Nahverkehrsanbieter vom Digital-Know-how der Startups profitieren. Die haben schnell gelernt, dass die Bequemlichkeit der Konsumenten für Umsätze sorgen kann. Statt den Käufer auf verschlungenen Wegen zum Ticket zu zwingen, muss der Verkauf so einfach wie möglich sein.

Don Dahlmann ist seit über 25 Jahren Journalist und seit über zehn Jahren in der Automobilbranche unterwegs. Jeden Montag lest Ihr hier seine Kolumne „Drehmoment“, die einen kritischen Blick auf die Mobility-Branche wirft.

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