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9.000 Mio. Euro Staatsrettung gesichert! Wie geht es nun mit der Lufthansa-Aktie weiter?

Christof Welzel, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
Deutsche Lufthansa Aktie
  • Heinz Hermann Thiele ließ sich überzeugen.
  • Ausgerechnet Ryanair möchte Klage einreichen.
  • Harte Sparmaßnahmen werden folgen.

Am heutigen Tag (25.06.2020) können erst einmal alle Lufthansa (WKN: 823212)-Aktionäre und -Mitarbeiter durchatmen. Trotz aller Widerstände stimmten 98,04 % der registrierten Aktionäre dem staatlichen Rettungspaket zu. Allerdings vertraten sie nur 39,3 % aller stimmberechtigten Anteilseigner.

Heinz Hermann Thiele ließ sich überzeugen

Aufgrund der niedrigen Beteiligung war Knorr-Bremses (WKN: KBX100) Milliardär Heinz Hermann Thiele, der sich ab März 2020 15,5 % der Lufthansa-Anteile gesichert hat, am Ende das Zünglein an der Waage. Doch in einem zuvor anberaumten Treffen zwischen dem Finanzminister, dem Wirtschaftsminister, der Lufthansa und H. H. Thiele, konnte der Unternehmer überzeugt werden, doch zuzustimmen. Er fürchtet eine zu große Einflussnahme des Staates und deshalb eine schwer durchzuführende aber notwendige Restrukturierung. Lufthansa könnte (nach eigenen Aussagen) so zu schwach aus der Krise herauskommen.

Die Minister haben jedoch versichert, sich nur vorübergehend zu beteiligen und später, möglichst mit Gewinn, wieder verkaufen zu wollen. Lufthansa erhält nun 9 Mrd. Euro Steuergelder, die hoffentlich nicht verloren gehen. Konkret übernimmt der Staat mithilfe des Wirtschaftsstabilisierungsfonds 20 % der Lufthansa-Aktien und leistet für 5,7 Mrd. Euro eine stille Einlage. Weitere bis zu 3 Mrd. Euro sollen als Kredit zur Verfügung gestellt werden.

Während der Staatsbeteiligungsphase wird es für die Aktionäre jedoch keine Dividenden geben und dem Unternehmen sind keine Aktienrückkäufe und Übernahmen gestattet. Die Politik ist einigermaßen über die Rettung erleichtert, denn sonst wäre in dieser Woche neben Wirecard (WKN: 747206) gleich ein zweiter DAX-Konzern in die Insolvenz gerutscht.

Sie hat neben dem Erhalt der kritischen Infrastruktur auch ein Interesse daran, dass die Lufthansa nicht von anderen Großkonzernen übernommen wird. Dies kann nun über die Stimmrechte des Staates nicht mehr eintreten.

Ausgerechnet Ryanair möchte Klage einreichen

Die EU hatte dem Rettungspaket unter Auflagen zugestimmt. So muss die Lufthansa in Frankfurt und München 24 Lande- und Startrechte an die Konkurrenz abgeben. Die sehr umstrittene Ryanair (WKN: A1401Z) hätte die Lufthansa hingegen lieber in der Insolvenz gesehen, um sich dann ihre Marktanteile zu sichern.

Sie arbeitet seit Gründung mit sehr zweifelhaften Methoden. So müssen die Piloten eine eigene Firma gründen, um für Ryanair fliegen zu dürfen, und sind dadurch nicht sozial abgesichert. Dies ist nur eins von vielen Beispielen. Und nun sieht ausgerechnet Ryanair einen Rechtsbruch durch die Staatsrettung der Lufthansa.

Die Gesellschaft möchte deshalb vor dem Gericht der Europäischen Union Klage einreichen. Sie sieht einen Bruch der Wettbewerbsregeln, der sicherlich bei einer Staatsbeteiligung immer eintritt, aber da derzeit fast jede Fluggesellschaft der Welt staatlich gestützt wird, ist der Wettbewerb nur für eine Übergangszeit „eingefroren“ und somit nicht behindert.

Harte Sparmaßnahmen werden folgen

Leicht wird die kommende Zeit für die Lufthansa aber nicht. So stehen 22.000 Arbeitsplätze zur Disposition. Statt eines Personalabbaus diskutiert der Vorstand derzeit aber auch eine Kürzung der entsprechenden Gehälter um etwa 20 %. Die Gewerkschaft UFO hat zudem einem Sparpaket zugestimmt, das die Kosten um 500 Mio. Euro senken wird.

Darüber hinaus muss die Lufthansa nun Passagieren, die ihre gebuchten Flüge nicht antreten konnten, Tickts im Wert von etwa 1 Mrd. Euro zurückerstatten. Der deutsche Teil des SunExpress-Joint-Ventures zwischen Turkish Airlines (WKN: 908558) und Lufthansa wird hingegen seinen Betrieb einstellen. Zu ihr gehörten 65 Maschinen und 1.200 Mitarbeiter.

Fazit

Für die Lufthansa-Aktie ist die Rettung positiv. Sie wird aber dennoch wohl erst bei einer Rückkehr des Unternehmens in die Gewinnzone wieder stärker zulegen können, was nur über eine tief greifende Restrukturierung möglich ist.

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Christof Welzel besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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