Deutsche Märkte geschlossen

Herkunft, Verbreitung, Symptome: Was wir zu Omikron wissen: Q&A

·Lesedauer: 5 Min.

(Bloomberg) -- Eine neue Variante des Coronavirus wurde in Südafrika und Botswana identifiziert und hat dort für einen steilen Anstieg der Inzidenzen gesorgt. Die Variante B.1.1.529 erhielt den Namen Omikron und wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als besorgniserregend (“variant of concern”) eingestuft. Nach und nach taucht die Variante auf der ganzen Welt auf, zuletzt auch in den USA. Vielerorts werden Reisende aus dem südlichen Afrika mit Einreiseverboten oder Quarantäne belegt. Die Hauptsorge ist, dass Omikron den Impfschutz unterlaufen und zu einer neuen Welle von Erkrankungen führen und damit die Öffnung der Wirtschaft untergraben könnte.

Most Read from Bloomberg

1. Was ist das Besondere an dieser Variante?

Die Omikron-Variante von SARS-CoV-2 zeichnet sich durch etwa 30 Veränderungen im Spike-Protein aus. Die Hälfte dieser Veränderungen befindet sich in dem Bereich, der sich an das Enzym bindet, auf das das Coronavirus abzielt, um in Zellen einzudringen und eine Infektion zu verursachen. Mutationen in diesem Bereich können dazu führen, dass der Erreger weniger gut erkannt wird von den Antikörpern, die als Reaktion auf eine Impfung oder eine natürliche Infektion gebildet werden. Mindestens drei Mutationen tragen dazu bei, dass das Virus von Antikörpern nicht so gut erkannt wird und eine weitere scheint seine Fähigkeit zu erhöhen, in menschliche Zellen einzudringen, wodurch es leichter übertragbar wird. Die in Südafrika auftretenden Krankheitsmuster deuten darauf hin, dass Omikron die Delta-Variante verdrängen wird, obwohl mehr epidemiologische Daten erforderlich sind, um dies zu bestätigen und zu quantifizieren.

  • Mehr zum Thema: Alpha, Delta et al.: Warum Virusvarianten Alarm auslösen

2. Woher kommt die Variante?

Wissenschaftler sehen Afrika als möglichen Ursprung, aber es ist noch nicht sicher, wie und wo die Mutation entstand. Nach Angaben nigerianischer Behörden wurde die Variante erstmals am 9. November in Botswana bei Reisenden aus Westafrika nachgewiesen. Der WHO wurde sie erstmals am 24. November aus Südafrika gemeldet. Wissenschaftler in den Niederlanden entdeckten die Variante in Proben, die vom 19. bis 23. November gesammelt wurden, aber es ist unklar, ob die Personen das südliche Afrika besucht hatten. Ein Wissenschaftler des UCL Genetics Institute in London sagt, dass es sich wahrscheinlich während einer chronischen Infektion einer immungeschwächten Person entwickelt hat, möglicherweise einem unbehandelten HIV/Aids-Patienten. In Südafrika leben mit 8,2 Millionen Menschen die meisten HIV-Infizierten der Welt. Die Beta-Variante, eine im vergangenen Jahr in Südafrika entdeckte Mutation, könnte ebenfalls von einer HIV-infizierten Person stammen.

  • Mehr zum Thema: Besonderes Covid-Varianten-Risiko in Südafrika wegen HIV-Epidemie

3. Wie verbreitet ist die Variante?

Auf der ganzen Welt wurden inzwischen Fälle gemeldet, vor allem bei Reisenden aus Südafrika, wo Omikron die vierte Covid-Welle treibt. Gauteng, die Provinz um Johannesburg, verzeichnete als erste einen raschen Anstieg der Fälle, doch man geht davon aus, dass sich Omikron auf alle Provinzen ausbreitet. Landesweit stiegen die täglichen Neuinfektionen Anfang Dezember auf mehr als 11.500 - Anfang November waren es noch weniger als 300. Der Anteil der positiven Tests stieg von weniger als 5% auf über 22%. Die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Ausbreitung auf globaler Ebene ist hoch, schrieb die WHO am 29. November in einem technischen Briefing. In Deutschland waren laut Wochenbericht des Robert-Koch-Instituts vom 2. Dez. vier Fälle bestätigt und acht unter Verdacht; Schätzungen gehen bereits bis zu einige Hundert unentdeckte Fälle.

4. Wie besorgniserregend ist das?

Das ist noch nicht klar. Einige Ärzte in Südafrika haben die entsprechenden Fälle als eher mild beschrieben. Allerdings geben Gesundheitsexperten zu bedenken, dass die ersten Fälle bei jungen Menschen ohne nennenswerte Risikofaktoren auftraten und möglicherweise nicht widerspiegeln, was in der breiten Bevölkerung passieren könnte. Komplikationen von Covid treten in der Regel zwei bis drei Wochen nach einem positiven Test auf, so dass Hospitalisierungen erst später folgen, so Michelle Groome, Abteilungsleiterin am Institut für übertragbare Krankheiten in Südafrika. Die Zahl der Krankenhauseinweisungen wegen Covid stieg Ende November in Gauteng von durchschnittlich 18 pro Tag zu Beginn des Monats auf durchschnittlich 61 pro Tag. Die WHO wies darauf hin, dass das Ausmaß eines künftigen Covid-Anstiegs von einer Reihe von Faktoren abhängt, unter anderem davon, wo die Infektionen auftreten.

5. Wie wirken Impfungen und Medikamente?

Dazu laufen Studien. Die Forschung hat gezeigt, dass hohe Werte von neutralisierenden Antikörpern gegen den ursprünglichen Sars-CoV-2-Stamm auch gegen Covid wirken, das von anderen “variants of concern” verursacht wird - wenn auch nicht immer im gleichen Ausmaß. Laut Deborah Cromer, Leiterin der Gruppe für Infektionsepidemiologie am Kirby Institute der University of New South Wales in Sydney, ist es wahrscheinlich, dass die Erhöhung der Antikörperwerte durch die vorhandenen Impfstoffe einen ausreichenden Schutz gegen Omikron bietet. Auch die Chefwissenschaftlerin der WHO, Soumya Swaminathan, sagte am 1. Dezember, dass die vorhandenen Impfungen wahrscheinlich vor schweren Covid-19-Fällen durch Omikron schützen werden. Nach scheinbar widersprüchlichen Aussagen von Impfstoffherstellern verbreiteten diese Erkenntnisse eine gewisse Zuversicht. Steroide und Medikamente, die als IL6-Rezeptorblocker bekannt sind, werden nach Angaben der WHO weiterhin gegen schwere Covid-Fälle wirken. Andere Behandlungen, wie die antiviralen Pillen von Merck & Co. und Pfizer Inc., werden geprüft. Die US Centers for Disease Control and Prevention erklärten, dass einige Medikamente mit monoklonalen Antikörpern womöglich nicht so wirksam gegen eine Infektion mit Omikron sind.

6. Was passiert als nächstes?

Die WHO erklärte, sie arbeite mit Forschungsteams in aller Welt zusammen, um Omikron besser zu verstehen. Zu den laufenden oder in Kürze beginnenden Studien gehören Bewertungen der Übertragbarkeit, der Schwere der Infektion (einschließlich der Symptome), der Leistungsfähigkeit von Impfstoffen und diagnostischen Tests sowie der Wirksamkeit von Behandlungen. Um den Schweregrad der Omikron-Variante zu verstehen, wird es “einige Tage bis Wochen dauern”, so die in Genf ansässige Agentur. BioNTech erwartet die ersten Daten aus Labortests über die Wechselwirkungen mit seinem Impfstoff innerhalb von zwei Wochen.

Die Handbibliothek

  • Die Erklärung der WHO zur Omikron-Variante, ein technisches Briefing mit ersten Empfehlungen.

  • Übersicht des Robert-Koch-Instituts zu besorgniserregenden Varianten.

  • David Ficklings Bloomberg-Kolumne zu Covid-Varianten.

  • Bloomberg Intelligence: wir sollten uns über die neue Variante Sorgen machen.

Überschrift des Artikels im Original:

What We Know About Omicron, the New Virus Variant: QuickTake

Most Read from Bloomberg Businessweek

©2021 Bloomberg L.P.

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.