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7,80 Euro für die Weinschorle, Mittagstisch wegen Kosten gestrichen — so explodieren derzeit die Preise in Restaurants

Das Restaurant Pasternak in Berlin - Copyright: picture-alliance/ dpa | Alina Novopashina
Das Restaurant Pasternak in Berlin - Copyright: picture-alliance/ dpa | Alina Novopashina

"7,80 Euro für eine Weinschorle?!", fragt meine Begleitung verdattert, als wir die Rechnung erhalten. Die Überraschung am Ende unseres Besuchs in der Hamburger Oberhafenkantine – eine einstige Institution, die mittlerweile offenbar eine Touristen-Falle geworden ist – ist groß. So viel habe ich noch nie für dieses Getränk, das ja bekanntlich zur Hälfte aus Wasser besteht, bezahlt. Das große Bier vom Fass kostet 5,40 Euro. Weniger Tage später an der Ostsee erleben wir ähnliche Preise, 7 Euro für die Weinschorle, 6 Euro fürs große Bier. Anfang des Jahres war dies noch nicht so. Ist das jetzt das "new normal" in der Gastronomie?

Die Inflation ist längst auf den Speisekarten der deutschen Gastronomen angekommen, im Juli lag die Teuerungsrate laut Statistischem Bundesamt bei 7,5 Prozent. Viele Restaurantbetreiber beklagen die gestiegenen Kosten für Energie, Großhandelseinkauf und Dienstleistungen. Deshalb erhöhen Gaststättenbetreiber bundesweit bereits seit Monaten die Preise. Thomas Eichloff, Wirt der Herzogstubn in Erding, berichtete etwa dem Münchner Merkur bereits im Juni, dass er seine Speisen mittlerweile etwa ein bis zwei Euro teurer verkauft. Bei den Getränken schlage er 20 bis 40 Cent drauf.

Fachkräfte Flughafen
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Einige Restaurants streichen sogar ganze Mahlzeiten. Das Berliner Pasternak etwa hat sich dazu entschieden, das tägliche Mittagsangebot ab Mitte Juli vorerst einzustellen. "Nicht nur die Energiepreise und die Lieferkosten sind in den letzten Monaten deutlich gestiegen, sondern auch die Lebensmittelpreise", erklärt das Pasternak die Entscheidung auf seiner Website. Durch die steigende Inflation wäre das Unternehmen gezwungen, den Lunch-Preis deutlich zu erhöhen. "Da dies aber nicht mehr unser Grundgedanke von einem täglich wechselnden, frischen, leckeren und für jedermann bezahlbaren Lunch widerspiegelt, haben wir uns gegen eine Preiserhöhung entschieden und bieten ab nächster Woche keinen Lunch mehr an."

Ein anderer Gastronom, der Betreiber des Cedric's in Ratingen, machte sogar bundesweit damit Schlagzeilen, weil er kurzzeitig angekündigt hatte, von seinen Gästen drei Euro Eintritt zu verlangen, statt die Preise für die Gerichte zu erhöhen. Diese Regelung habe er jedoch laut Berichten der "Rheinischen Post" kurz darauf wieder zurückgenommen.

Hauptspeisen in deutschen Restaurants diesen Sommer 8,8 Prozent teurer als im Vorjahr

Laut Daten des Statistischen Bundesamts war der Verzehr einer Hauptspeise in deutschen Gaststätten im Juli 2022 durchschnittlich 26,5 Prozent teurer als noch 2015 und 8,8 Prozent teurer als im Vorjahresmonat. Die Preise für alkoholische Getränke stiegen demnach um 23,6 Prozent gegenüber 2015 und 7,3 Prozent im Vergleich zum Juli 2021. Daher kommen also die 7,80 Euro für meine Weinschorle. Demgegenüber stiegen die Preise für Nahrungsmittel stiegen in diesem Zeitraum um 14 Prozent – die Wirte hatten also allein hier deutlich höhere Kosten.

Eine Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA Bundesverband), an der sich 3.509 Betriebe beteiligten, belegt die enormen Kostensteigerungen in der Branche im Juli: So sind die durchschnittlichen Kosten für Gas im Juli 2022 gegenüber Juli 2021 um 60 Prozent gestiegen, für Strom um 39 Prozent, für Lebensmittel um 25 Prozent, für Personal um 18 Prozent und für Getränke um 15 Prozent. "Diese Kostenexplosionen führen zwangsläufig zu Preisanpassungen", sagt die DEHOGA-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges auf Anfrage von Business Insider. Es sei laut Hartges Aufgabe eines jeden Unternehmers, Angebot und Preise anzupassen. "Wie die Preisanpassungen verantwortlich gestaltet werden, ist eine individuelle unternehmerische Entscheidung", so Hartges, "Dabei muss der Unternehmer aber natürlich seine Gäste und betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten im Blick haben."

Laut dem Vorsitzenden des DEHOGA-Verbandes Mecklenburg-Vorpommern, Lars Schwarz, gebe es in seiner Region jedoch auch immer noch viele Gastronomen, die ihre Preise nicht erhöhen und ihre Kapazitäten angesichts der steigenden Kosten daher zu günstig anbieten. Die Preise unterscheiden sich laut Schwarz stark nach Standort. Nicht überall koste die Weinschorle 7,80 Euro, im Binnenland von Mecklenburg-Vorpommern bekomme man zum Teil immer noch einen Filterkaffee für unter einem Euro und ein Schnitzel für 7,50 Euro.

Er ist jedoch überzeugt, dass sich die hohen Preise nicht langfristig durchsetzen werden. "Wir laufen in eine Rezession, das heißt weniger Nachfrage der Verbraucher und steigender Wettbewerbsdruck, was langfristig wieder zu sinkenden Preisen führen wird", sagt Schwarz.