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533 Millionen Euro für deutsches Versicherungs-Startup Wefox – Gründer Julian Teicke: „Hätten noch mehr einsammeln können."

·Lesedauer: 4 Min.
Wefox-CEO Julian Teicke (stehend) und CFO Fabian Wesemann.
Wefox-CEO Julian Teicke (stehend) und CFO Fabian Wesemann.

Die Stimmung im Video-Call ist gelöst. Julian Teicke, Gründer und Geschäftsführer des Versicherungs-Startups Wefox, ist die Anspannung der letzten Wochen nicht anzumerken, sie scheint schon von ihm abgefallen.

650 Millionen US-Dollar, umgerechnet 533 Millionen Euro, hat seine Firma in den letzten Wochen von Investoren eingesammelt, darunter Kapitalgeber wie Target Global, die die Runde anführen, Omers, Horizon Ventures, Salesforce Ventures und Speedinvest. Die Bewertung von Wefox, das zuvor bereits durch zwei weitere Finanzierungsrunden in 2017 und 2019 sogenannten "Unicorn-Status", also eine Unternehmensbewertung von über einer Milliarde, erreicht hatte, schoss damit noch einmal in die Höhe und liegt derzeit bei 3 Milliarden US-Dollar (2,5 Milliarden Euro).

Im Vorfeld hatte es Gerüchte über die Runde gegeben, allerdings war immer von niedrigerem Kapital und Bewertung ausgegangen worden. Wefox-Chef Julian Teicke: "Wir hatten es nicht geplant, aber es ist die größte Runde für ein Insurtech weltweit geworden." Man hätte auch noch mehr Geld einsammeln können, aber man habe nach den richtigen Partnern gesucht - und gefunden.

Auch der Prozess von Investorengesprächen bis zum Abschluss der Runde sei sehr schnell gewesen, "4 Wochen für die Zusagen der Investoren, 4 Wochen für die Due Dilligence und 4 Wochen Abschluss", erzählt Mit-Gründer und Chief Financial Officer Fabian Wesemann. Die Runde sei überzeichnet gewesen. Nun sei man "finanziell selbstversorgend" und brauche in der Zukunft keine Finanzierung von außerhalb mehr - wobei man allerdings nichts komplett ausschließen wolle. Teicke fasst das etwas kürzer zusammen: "Es gibt gerade kaum eine andere Firma mit tieferen Taschen. Unsere Investorenbasis hat mehr als eine Billion US-Dollar in der Hinterhand."

Insurtech als ein Sektor, der von Corona profitierte

Das passt gut ins Bild, das Analysten derzeit zeichnen. Laut dem Report "State of Insurtech" der Beratungsfirma BCG ist der digitale Versicherungs-Sektor einer derjenigen, die es sehr gut durch die Corona-Krise geschaffte haben - mehr noch, denen Corona aufgrund der Notwendigkeit zur Digitalisierung sogar einen Vorteil verschaffte. "2020 war ein rekordverdächtiges Jahr für die Insurtech-Branche: Die weltweiten Finanzierungen beliefen sich auf 7,5 Milliarden US-Dollar - ein Plus von 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Es war die höchste Jahresmarke für die Branche, trotz des Ausbruchs von COVID-19.", so der BCG-Report. Ein Trend, der sich auch in diesem Jahr fortzusetzen scheint, in Deutschland unter anderem mit einem Funding von 69 Millionen Euro für den digitalen Versicherungsmakler Clark aus Frankfurt im Januar.

Julian Teicke sieht das Geheimnis für den Erfolg der Insurtechs auch in den Fehlern der Konkurrenz. "Die Versicherungsbranche ist sehr traditionell, das Kundenerlebnis hat sich seit Jahren nicht verändert - dabei ist es ein riesiger Markt, von rund 5,2 Billionen US-Dollar." Der immer noch zum Großteil nicht von der digitalen Konkurrenz, sondern von der traditionellen Industrie beherrscht wird. Diese will Teicke nun angreifen.

"Versicherung ist heutzutage immer noch ein komplizierter Prozess, aber wir haben ihn vereinfacht. Wir sind acht Mal schneller, wenn es um Auszahlung von Schadensfällen geht, wir haben 80 Prozent unserer Prozesse automatisiert. Das bedeutet für unsere Kunden Echtzeit-Services und für uns, weniger Zeitverlust - und damit auch mehr Profit", so Teicke.

Wefox: Drei Bereiche unter einer Marke

Im letzten Jahr habe Wefox rund 143 Millionen US-Dollar, also 117 Millionen Euro, Umsatz gemacht und sei damit profitabel. Unter dem Wefox-Dach versammeln sich drei Bereiche: Die Mutter, die eine Versicherungslizenz innehat und dadurch Versicherungsprodukte auf den Markt bringt, die sie über Vermittler verkauft, eine API-Plattform und die eigene Versicherungsmarke, vormals "One", die derzeit Wefox-Versicherungen im Bereich Haftpflicht, Haushalt, KfZ und Tierversicherungen vertreibt. Künftig will Wefox auch Produkte aus dem Bereich Leben und Gesundheit auf den Markt bringen.

Dabei spielt der Standort Europa eine zentrale Rolle. Wefox ist bereits in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Polen aktiv, "wir planen dieses Jahr noch den Markteintritt im nächsten europäischen Land", so Wesemann zu Business Insider. Es könnte Frankreich sein - da Wefox dort vor kurzem ein Tech-Team übernommen hat. Aber auch die Expansion in die USA und nach Asien steht auf der Agenda.

Mehr Geld für Kundenakquise bedeutet nicht mehr Wachstum

"Wenn man sich die größten Versicherungsfirmen anschaut, kommen sie alle aus Europa, es ist das globale Epizentrum", so Teicke. Aber die großen Konzerne hätten es verpasst, sich ans digitale Zeitalter anzupassen - deshalb werde man in Zukunft auch einige scheitern sehen. Dennoch profitiere auch Wefox von dem Ökosystem der Branche in Deutschland, etwa wenn es um Fachkräfte gehe, die die Seiten wechseln.

Generell könne man in der Versicherungsbranche, anders als in anderen Bereichen, nur durch Geld keine neuen Kunden gewinnen. Teicke: "In der Versicherungsbranche kann man mit Geld allein nicht wachsen. Wenn man viel für Direktakquise ausgibt, um Kunden zu gewinnen, bekommt man die unprofitabelsten Kunden - diejenigen, die Schäden verursachen und die Firma am Ende mehr kosten." Sein Fokus liege deshalb auf profitablem Wachstum, bei dem auch die Art der Kunden eine zentrale Rolle spiele. "Wir wollen Kunden, die sehr schnell profitabel für uns werden."

"Umso größer wir werden, umso schneller wachsen wir, mit einem klaren Fokus auf Profitabilität", ergänzt Wesemann. Dafür arbeite Wefox mit Echtzeit-Daten, um bestimmen zu können, welche Versicherungs-Bereiche profitabel und nicht profitabel seien. Die Versicherungs-Tochter habe 2020 auch schon Gewinn gemacht.

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