Werbung
Deutsche Märkte schließen in 1 Stunde 22 Minute
  • DAX

    18.088,52
    -43,45 (-0,24%)
     
  • Euro Stoxx 50

    4.894,64
    -20,83 (-0,42%)
     
  • Dow Jones 30

    38.834,90
    +56,76 (+0,15%)
     
  • Gold

    2.342,70
    -4,20 (-0,18%)
     
  • EUR/USD

    1,0748
    +0,0005 (+0,04%)
     
  • Bitcoin EUR

    60.604,18
    +526,88 (+0,88%)
     
  • CMC Crypto 200

    1.384,42
    +46,66 (+3,49%)
     
  • Öl (Brent)

    81,54
    -0,03 (-0,04%)
     
  • MDAX

    25.480,77
    -109,16 (-0,43%)
     
  • TecDAX

    3.273,30
    -63,90 (-1,91%)
     
  • SDAX

    14.435,35
    -103,42 (-0,71%)
     
  • Nikkei 225

    38.570,76
    +88,65 (+0,23%)
     
  • FTSE 100

    8.209,63
    +18,34 (+0,22%)
     
  • CAC 40

    7.583,52
    -45,28 (-0,59%)
     
  • Nasdaq Compositive

    17.862,23
    +5,21 (+0,03%)
     

Nach 5 Jahren Entwicklung: Dual-Use-Startup Hattec plant Software-Einsatz bei Militär und Polizei

Hattec-Gründer Fabian Schmitt war als freiwilliger Wehrdienstleistender bei den Fallschirmjägern.  - Copyright: Hattec
Hattec-Gründer Fabian Schmitt war als freiwilliger Wehrdienstleistender bei den Fallschirmjägern. - Copyright: Hattec

Das Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine verbessern: Genau das versucht das Startup Hattec aus München. Denn wer als Pilot im Cockpit eines Helikopters sitzt, wird von immer mehr Daten und Informationen überflutet. Technologien im militärischen und zivilen Bereich sind hochkomplex und müssen sich untereinander abstimmen. Da wir Menschen jedoch nur eine endliche Menge an Informationen aufnehmen können, nimmt Software einen Teil des Denkprozesses ab. Bei Hattec arbeiten die Gründer an genau solch einer Lösung. In diesem Sommer gehen die Münchner mit ihrem ersten kommerziellen Produkt an den Start – und unterstützen dabei die Polizei sowie das Militär.

Hattec, das steht für Human Autonomy Teaming Technologies. Klingt kompliziert – ist es auch. Das Unternehmen wurde 2018 von den ehemaligen IFS-Mitarbeitern Yannick Brand und Fabian Schmitt zusammen mit Axel Schulte, Professor für Luft- und Raumfahrttechnik, als Spin-Off der Universität der Bundeswehr gegründet. Brand und Schmitt waren vorher schon bei der Truppe: Brand als Pilot und Schmitt nach seinem Abitur ein Jahr lang als freiwilliger Wehrdienstleistender bei den Fallschirmjägern. Zur Gründung ihres Unternehmens sagt Schmitt: „Wir haben uns der Frage gestellt: Wie können bemannte und unbemannte Systeme zukünftig zusammenarbeiten?“

Interaktion zwischen Mensch und Computer

In Kriegsgebieten wie der Ukraine werden immer wieder Hubschrauber und Jets mit Raketen abgeschossen. In den komplexen Luftfahrzeugen sitzen mitunter mehrere Personen. Jedes Crew-Mitglied erhält bestimmte Informationen. Eine Software ist dafür verantwortlich, die Informationen zum richtigen Zeitpunkt an die richtige Person zu vermitteln, wie Schmitt uns erklärt. Gleichzeitig müsse alles in einem übergeordneten Einsatz eingebaut werden. Sensoren über Sensoren vermitteln Daten. Die Koordination dieser Daten zu verbessern, könne auch die Effizienz militärischer Einsätze erhöhen, so das Startup.

WERBUNG

Bei dem Startup arbeiten sie daher an Systemen, die unbemannte Luft- und Bodenfahrzeuge autonom Aufgaben ausführen lassen und die „Mensch-Computer-Interaktion“ verbessern sollen. Im konkreten Fall des Hubschrauberpiloten in der Ukraine könnte dies bedeuten, dass der Pilot aus dem Cockpit heraus autonom fliegende Drohnen koordinieren und steuern könnte – um unbekannte Gegenden im Voraus auf ebendiese Gefahren abzusuchen.

Das Startup glaubt an seine Vision und den Nutzen der Technologie. „Wir sind der festen Überzeugung, dass Human Autonomy Teaming ein absolut zentraler Bestandteil in zukünftigen Waffensystemen ist“, sagt Schmitt. Ihm ist jedoch klar, dass die Technologie kein Allheilmittel ist: „Wir glauben nicht, dass man durch Automation alleine alles perfekt lösen kann. Automation ist ein Enabler.“

Warum das Startup auf Dual-Use setzt

Nach fast sechs Jahren Entwicklung, Pilotprojekten und Zusammenarbeit mit Großunternehmen wie Airbus soll in diesem Sommer die erste kommerzielle Software des Startups an den Start gehen. Im Fokus stehen bemannte Missionen. Beispiele, wie das Zusammenspiel zwischen Pilot und Drohne in der Ukraine, seien jedoch in Zukunft denkbar, so CEO Schmitt.

Hattec hat sowohl militärische als auch zivile Kunden. Der Gründer meint: „Wir verfolgen einen Dual-Use-Ansatz.“ Im Bereich Defense-Tech machen es Startups häufig so. Wer militärische Systeme als junges Unternehmen entwickelt, muss sich auf einem schwierigen Markt gegen Platzhirsche und Milliarden-Konzerne durchsetzen. Auch deshalb gibt es in Deutschland nur wenige Startups, die das sogenannte „Valley of Death“ überstanden haben – deren Technologie bisher nicht aufgekauft wurde und die noch wettbewerbsfähig sind.

Durch den Dual-Use-Ansatz erweitert Hattec seinen möglichen Kundenstamm. Einen Abnehmer kann Schmitt schon nennen: Hattec wird mit der Software eine Polizeihubschrauberstaffel unterstützen. Erst im April hat das Startup an einer Übung der Bayerischen Bergwacht und der Alpinen Einsatzgruppe der Polizei teilgenommen. Einen zweiten militärischen Kunden darf der CEO bislang nicht verraten. Eine Auflösung könnte in den nächsten Wochen erfolgen.

Software-Lego für Kampfhubschrauber

Hattec ist zudem Teil eines deutsch-französisch-spanischen Programms zur Entwicklung eines neuen Luftkampfsystems. Das Programm läuft unter dem Namen FCAS, kurz für Future Combat Air System. Es gehört zu den größten und teuersten Rüstungsprojekten Europas – mit einem Budget von knapp 100 Milliarden Euro. Schmitt sieht sich dabei gut aufgestellt. Erste Ergebnisse werden nicht vor 2040 erwartet. Zeitspannen, die für Startups ungewöhnlich lang sind. Selbst entwickeln werde man die Software in dem Projekt daher nicht.

Das Startup könnte jedoch von Synergie-Effekten profitieren. Hattec war schon immer auf Partner angewiesen. Das Unternehmen ist gebootstrappt. Alle Gewinne fließen zurück in die Firma, wie Schmitt uns sagt: „Wir sind eine reine Softwarefirma. Daher benötigen wir auch Plattform und Hardware-Firmen als Partner, bei denen dann unsere Software zum Einsatz kommt.“

Und was wäre eine Software im Jahr 2024 ohne Künstliche Intelligenz? Die Algorithmen werden demnach intern sowie mit anderen Partnern gemeinsam entwickelt und nur dort eingesetzt, wo es auch Sinn ergeben würde, so der Gründer. Je nach Kunde und Einsatzbereich könne Hattec seine Software anpassen. Schmitt fasst zusammen: „Hattec schafft einen Fähigkeitsbaukasten – je nachdem, was der Nutzer haben möchte, konfigurieren wir die Bausteine.“ Quasi Software-Lego für Kampfhubschrauber.