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5 Gründe, warum es so riskant ist, in Bitcoin zu investieren

·Wirtschaftsjournalist und Techblogger
·Lesedauer: 8 Min.

Bitcoin-Besitzer haben den Blues: Die hochgehypte Kryptowährung ist im vergangenen Monat schwer eingebrochen und hat mehr als die Hälfte der Zugewinne in diesem Jahr wieder abgegeben. Das volatile Wechselbad beweist einmal mehr: Krypto ist nicht für jeden. Was ein Investment in Bitcoin, Ethereum & Co. so schwierig und nervenraubend macht.

Representation of cryptocurrency Bitcoin is seen in this illustration taken November 29, 2021. REUTERS/Dado Ruvic/Illustration
Bitcoin: Ungebrochene Faszination bei hohen Risiken (Foto: REUTERS/Dado Ruvic/Illustration)

Fußballfans kennen das Gefühl: Da sieht die eigene Mannschaft wie der sichere Sieger aus, doch dann fällt das späte Gegentor. Oder zwei sogar, wie im Fall der historischen Champions League-Niederlage des FC Bayern 1999 gegen Manchester United, als das Team von Ottmar Hitzfeld bis zur 89. Minute 1:0 führt, um dann in 91 Sekunden auseinanderzubrechen und einen Sieg in eine Niederlage zu verwandeln.

So weit ist es beim Bitcoin noch nicht gekommen, doch die Stimmungslage bei Besitzern der wertvollsten Kryptowährung der Welt gleicht der Niedergeschlagenheit nach einer verschenkten Saison, wenn die sozialen Medien der richtige Maßstab sind. 2021 war keine Ausnahme: Seit Bitcoin 2009 erfunden wurde und für weniger als ein Cent den Handel aufnahm, rankt sich um die Cyberdevise großes Drama. Klar ist: Bitcoin, Ethereum sind einfach nichts für jeden Anleger – und zwar aus diesen Gründen:

1. Volatilität

Bei Kursen von 29.000 Dollar startete die Webvaluta ins Jahr und kannte zunächst nur eine Richtung: steil nach oben. Bereits nach zehn Handelstagen wurde die Marke von 40.000 Dollar geknackt, Mitte Februar war gar der Meilenstein bei 50.000 Dollar fällig. Zwei Monate später folgte das vorläufige Hoch bei knapp 65.000 Dollar.

Der Himmel schien die Grenze zu sein – doch die Benotung lag einmal auf dem Konjunktiv. Zwei Monate später – Mitte Juli nämlich – leuchteten in den Wallets von Bitcoin-Besitzern Kurse von weniger als 30.000 Dollar auf. War es das mit dem Bullenmarkt?

Verzagten Bitcoinern, die an dieser Stelle das Handtuch geworfen hätten, wäre wiederum in der Spitze mehr als eine Wertverdopplung entgangen. Vier Monate später knackte der Bitcoin nämlich nicht nur das alte Allzeithoch, sondern verbesserte es Anfang November gar auf 69.000 Dollar. Mitten in der vermeintlich ertragreichsten Phase des Bullenzyklus’ schienen nun Kurse jenseits der 100.000 Dollar ausgemacht. „To the moon!“, frohlockten Bitcoiner.

Doch wo steht die Cyberdevise heute? Wieder bei bei Notierungen um die 50.000 Dollar – ziemlich genau zwischen Jahreshoch und -tief. Binnen vier Wochen betrug das Minus nach einem Flashcrash auf 42.000 Dollar gar knapp 40 Prozent. Das hoch volatile Auf und Ab, das Besitzer von Qualitätsaktien wie den GAFAMs vielleicht ein, zwei Mal in einem Jahrzehnt wie zuletzt in der Weltkrise sowie der Corona-Pandemie oder nach einem schwachen iPhone-Zyklus durchstehen müssen, ist für Bitcoiner Alltag.

Gleich sechsmal hat Bitcoin alleine in diesem Jahr – wohl gemerkt: einem Bullenmarkt – Korrekturen von 20 Prozent und mehr hinnehmen müssen, dreimal davon mehr als 30 Prozent. 2017 korrigierte Bitcoin gar fünfmal um mehr als 30 Prozent. Während sich manche Bitcoin-Besitzer in den sozialen Medien als hartgesottene „Hodler“ gerieren, denen die beständigen Kursausschläge nichts anhaben können, dürfte das Wechselbad der Volatilität Bitcoin & Co. für die meisten Anleger disqualifizieren. Der Durchschnittsanleger hält andauernde Kursstürze, zumal im 24-Stunden-Handel, 7 Tage die Woche, 365 Tage im Jahr, schlicht nicht aus und läuft Gefahr, in einem Downtrend irgendwann entnervt aus dem Markt gespült zu werden.

2. "FUD" – die ständige Sorge vor dem großen Aus

Maßgeblichen Anteil hat daran das mediale Standing der noch jungen Kryptowährungen, die fast täglich Opfer von „FUD“ sind. „FUD“ ist die Abkürzung für „Fear, Uncertainty and Doubt“, auf Deutsch: „Angst, Unsicherheit und Zweifel“. Das ist die Lebenswirklichkeit von Kryptobesitzern, die gefühlt in der ständigen Sorge vor dem bösen Ende leben.

Das nämlich predigen Investment- und Wirtschaftsgranden von Warren Buffett bis Christine Lagarde seit Jahren. Am vergangenen Wochenende erst verglich Buffetts langjähriger Investmentpartner Charlie Munger die Euphorie für Kryptowährungen mit der Millenniumshausse bei Internetaktien, die bekanntlich höchst brutal endete. Im schlimmsten Fall droht bei einer staatlichen Verbannung das ganz große Aus – der Totalverlust. Auch hier gilt: Wer hält das aus?

3. (K)Eine Frage der Bewertung

Immer wieder wird der Hype um Kryptos mit früheren Börsenblasen wie etwa der Tulpenmanie verglichen. Gleiches Muster in allen Fällen: Faire Bewertungen waren nicht existent. Tatsächlich spielen Bewertungen in Sinne der Fundamentalanalyse bei Bitcoin & Co. keine Rolle. Während bei der Apple-Aktie das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 30 einen Anhaltspunkt liefert (nämlich historisch teuer erscheint), tappen Krypto-Besitzer vollkommen im Dunkeln. Den Preis regelt der Markt.

Wer kann schon abschätzen, ob der faire Wert der aktuell zweitwertvollsten Kryptowährung Ethereum bei aktuell 500 Milliarden Dollar liegt oder eher die Bewertung von 50 Milliarden Dollar vor einem Jahr angemessen ist – oder irgendwas dazwischen? Auch und gerade bei Kryptowährungen gilt das bekannte Waren Buffett-Bonmot “Price is what you pay. Value is what you get.”

Als Hilfestellung gibt es zumindest Vergleichsmaßstäbe – etwa die Marktkapitalisierung von anderen Sachwerten wie Gold, das aktuell zehnmal so hoch bewertet wird wie Bitcoin. Entsprechend argumentieren Bitcoin-Bullen, dass die wertvollste Kryptowährung der Welt, die von manchen auch als „digitales Gold“ eingestuft wird, in den kommenden Jahren um den Faktor zehn auf Kurse um die 500.000 Dollar steigen könne. Gern vergessen wird dabei, dass das edle Metall nach der Entkopplung vom Dollar knapp ein halbes Jahrhundert benötigte, um in die heutige Marktkapitalisierung hineinzuwachsen.

4. Das Muster der Zyklentheorie

Auf den kometenhaften Aufstieg folgt oft genug der tiefe Fall: Nicht nur in der Gravitätstheorie, sondern auch in der Wirtschaftswelt und oft genug an der Börse. Ganz ähnlich verläuft das Auf und Ab bislang an den Kryptomärkten – nämlich in klar vorgezeichneten Zyklen.

Seit der Einführung 2009 hat sich auch der Bitcoin bekanntermaßen auffällig in 4-Jahreszyklen entwickelt, die vom sogenannten "Halving" bestimmt werden, der Halbierung der Mining-Vergütung. Historisch performte Bitcoin in den ersten eineinhalb Jahren nach dem Halving in jedem Zyklus stark, bevor sich der Bullen– in einen Bärenzyklus verwandelte: den sogenannten "Kryptowinter".

Da das letzte Halving im Mai 2020 vollzogen wurde, könnte der jüngste Bullenzyklus sein Ende im November bereits erreicht haben. Wenn sich die Geschichte wiederholt, könnte 2022 nun ein Kryptowinter anbrechen – ein neuer Bärenmarkt, in dem nach den Vorbildern der Zyklen von 2013 und 2017 Verluste von bis zu 90 Prozent drohen. Merke: Wer sich ohne Vorwissen im falschen Zyklus befindet, mag sich schnell vorkommen wie im falschen Film.

5. Die Macht der Charttechnik

Eine wichtige Hilfestellung und oft genug ein klares Signal liefert die Charttechnik. Immer wieder pendeln Bitcoin & Co. in klar definierten Marken der technischen Analyse – nämlich zwischen Unterstützungen und Widerständen. Mit diesen Begrifflichkeiten, wiederkehrenden Kursmustern und gleitenden (Tages-)Durchschnitten sollten Kryptobesitzer vertraut sein, um sich nicht über die plötzlichen Kursausschläge zu wundern.

Aktuell etwa ist Bitcoin unter die wichtige Unterstützung bei 53.000 Dollar gefallen und pendelt scheinbar orientierungslos um die 50.000 Dollarmarke. Doch es könnte nach dem Absturz von 69.000 Dollar noch schlimmer kommen, weil enormer charttechnischer Schaden entstanden ist. Auch ein Retest der so wichtigen Unterstützung bei 42.000 Dollar, die in diesem Jahr so oft angesteuert wurde, erscheint im Bereich des Möglichen. Hält selbst diese Marke nicht, droht es für Bitcoiner ganz ungemütlich zu werden – der Absturz ins Niemandsland der 30.000er Dollarmarke droht.

Hier könnte die Kryptowährung dann zum x-ten Mal auf die Unterstützung bei 29.000 Dollar treffen. Wird sie gerissen, befindet sich Bitcoin sicher im Bärenmarkt-Zyklus - dem Kryptowinter. Erst ab Kursen jenseits der Marke von 56.000 Dollar hellt sich das Chartbild dagegen wieder entscheidend auf – und neue Höchstkurse könnten wieder ins Visier genommen werden.

Mit der Charttechnik ist es also wie sooft im Leben: Alles ist möglich – auch das Gegenteil davon. Eine Bestätigung gibt es immer erst hinterher.

Fazit: Um Bitcoin zu besitzen und auch zu halten – und zwar über Jahre –, braucht es starke, teilweise sehr starke Nerven. Allein diese emotionale Last der ständigen Ungewissheit und in jeder Sekunde möglichen Kursstürze dürfte einem Großteil der Anleger ein Investment in Bitcoin verleiden – und damit möglicherweise aber auch prächtige Renditen.

Langfristig betrachtet hat sich der Bitcoin nämlich bislang von jedem Tief erholt, selbst nach Rückschlägen von 90 Prozent. Wer stoisch darauf vertraut, kann „den Dip kaufen“, wie Bitcoiner zu sagen pflegen – also in den nächsten Kursabschwung investieren. Er oder sie muss es nur mit dem eigenen Nervenkostüm in Einklang bringen und darauf vertrauen, dass sich die Geschichte wiederholt. Oft genug reimt sie sich jedoch nur – und das Ergebnis ist stets ein anderes….

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