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5 Gründe, warum Warren Buffett den Markt in den letzten zehn Jahren nicht geschlagen hat

Motley Fool Investmentanalyst

Eine der verlässlichsten Regeln amerikanischer Investitionen der letzten 50 Jahre trifft vielleicht nicht mehr zu.

Warren Buffetts Berkshire Hathaway (WKN:854075) (WKN:A0YJQ2) ist nicht mehr die sichere Wette, die sie einmal war. Berkshire, das alles von GEICO über Fruit of the Loom bis hin zu Dairy Queen besitzt und ein Großinvestor in Dutzenden anderer Aktien ist, hat seit Beginn des Handels im Jahr 1965 eine durchschnittliche jährliche Rendite von 20,5 % erzielt.

In den letzten zehn Jahren war Buffetts Erfolgsbilanz jedoch ausgesprochen durchschnittlich. Berkshire hat in den letzten zehn Jahren den S&P 500 bei der Gesamtrendite, die die reinvestierten Dividenden einschließt, nicht ganz erreicht.

Gesamtrendite von Berkshire Hathaway. Daten von YCharts.

Was ist da nur los? Hat Buffett sein Händchen verloren oder haben sich die Umstände in den letzten zehn Jahren nur ungünstig verändert? Die Antwort liegt vielleicht irgendwo dazwischen. Sehen wir uns fünf Gründe an, warum Buffett in den letzten zehn Jahren gegen den Markt verloren hat.

1. Wachstumsaktien haben in den 2010er Jahren Value-Aktien übertroffen

Buffett ist ein klassischer Value-Investor. Er sucht nach den Aktien und Unternehmen, die für weniger als ihren inneren Wert gehandelt werden, was ihm die Möglichkeit gibt, eine Rendite zu erzielen. Bei den Aktien bevorzugt er verlässlich profitable Unternehmen, die zwar langsam wachsen, jedoch nachhaltige Wettbewerbsvorteile haben, die den Erfolg langfristig sichern.

In der Frage Wachstum gegen Wert waren die Wachstumsaktien im letzten Jahrzehnt jedoch der klare Gewinner. Tech-Namen wie die FANG/FAAMNG-Gruppe begeisterten die Investoren und trieben die Hausse im letzten Jahrzehnt an. Buffett hat sich generell geweigert, in Tech-Aktien zu investieren, obwohl er diese Regel bei Apple gebrochen hat. Damit hat er auch die FANG-Rallye verpasst. Wie die untenstehende Grafik zeigt, haben sich die Wachstumsaktien in den letzten zehn Jahren deutlich besser entwickelt als ihre Konkurrenten.

Daten von YCharts.

2. Berkshire ist zum Markt geworden

Es ist schwierig, den Markt zu übertreffen, wenn dein Unternehmen im Wesentlichen den S&P 500 widerspiegelt. Natürlich ist kein Unternehmen eine exakte Darstellung des Aktienmarktes, doch Berkshire Hathaway kommt dem näher als jedes andere. Zu den Tochtergesellschaften des Konglomerats gehören Unternehmen aus den Bereichen Fertigung, Immobilien, Versorgungsunternehmen, Versicherungs-/Bankwesen, Eisenbahnen, Chemie, Restaurants, Autohäuser, verpackte Lebensmittel, Bekleidung und Schuhe, Medien und verschiedene andere Branchen.

Das Unternehmen hält auch bedeutende Beteiligungen in Bereichen wie Gesundheitswesen, Einzelhandel, Flugreisen, Pharmazeutika und anderen, einschließlich vieler der oben genannten Kategorien.

Wenn dein Unternehmen so vielen verschiedenen Wirtschaftssektoren ausgesetzt ist, spiegelt seine Performance viel eher die des breiteren Aktienmarktes wider, unabhängig davon, wie viel Wert du generieren kannst oder wie gut du bei der Schnäppchensuche bist. Das mag erklären, warum die Aktie in den letzten zehn Jahren so eng an den S&P 500 gekoppelt war.

3. Elefanten sind immer schwieriger zu finden

Buffett spricht gerne über die Elefantenjagd als Metapher für die Übernahme großer Unternehmen, doch in den letzten Jahren hat er die Verfügbarkeit von preisgünstigen Übernahmezielen beklagt. Als Folge davon hat sich der Cashbestand vergrößert. Das zeigt, welche Probleme diese Strategie im aktuellen Marktumfeld hat. Im letzten Brief an die Aktionäre vom Februar dieses Jahres sagte Buffett: “Die Preise sind für Unternehmen mit guten langfristigen Aussichten himmelhoch.”

Berkshires letzte große Übernahme war Precision Castparts im Jahr 2016. Das Unternehmen verfügt jetzt über 128 Mrd. US-Dollar in bar und in marktgängigen Wertpapieren, ein Zeichen dafür, dass Buffetts wertorientierte Strategie in den letzten zehn Jahren einfach nicht gut für den Bullenmarkt geeignet war. Im Gegensatz dazu war Berkshire während der Finanzkrise in der Lage, gute Deals mit Banken wie Goldman Sachs und Bank of America zu bekommen. Während sich dieser Cashbestand beim Kauf von Schnäppchen in der nächsten Rezession auszahlen kann, hat er in den letzten Jahren nur dazu gedient, die Frustration des Berkshire-Chefs über den Mangel an preiswerten großen Unternehmen zu zeigen.

4. Berkshire ist zu groß geworden

Buffett hat oft beobachtet, dass die Kleinanleger einen Vorteil gegenüber ihm haben. Als Chef eines Unternehmens, das jetzt 549 Mrd. US-Dollar wert ist, kann Buffett nur durch Investitionen in andere große Unternehmen einen wirklichen Unterschied machen. Das erklärt, warum er kürzlich Aktien von Apple gekauft hat und warum Coca-Cola und Wells Fargo zwei seiner größten Beteiligungen sind.

Für Buffetts Verhältnisse sind eigentlich nur ein paar hundert amerikanische Unternehmen groß genug, was seine Möglichkeiten stark einschränkt. In den früheren Tagen von Berkshire war das Unternehmen viel kleiner und wuchs schneller, zum Teil, weil es eine breitere Palette von Investitionsmöglichkeiten hatte.

Seit Jahren warnt Buffett davor, dass die Erträge von Berkshire mit zunehmender Größe sinken würden. Das ist eine Folge des Gesetzes der großen Zahlen, und diese Vorhersage des Orakels von Omaha hat sich erfüllt.

5. Ein schrecklicher Deal… und einige andere Fehlschläge

Einer von Buffetts größten Käufen in diesem Jahrzehnt war die Übernahme von Heinz und dann seine Entscheidung, das Unternehmen mithilfe von 3G Capital mit Kraft zu fusionieren und Kraft Heinz (WKN:A14TU4) zu gründen. Der neue Lebensmittelgigant hatte allerdings Schwierigkeiten. Die Aktie ist seit 2015 um 57 % gefallen und Anfang des Jahres abgestürzt, als das Unternehmen aufgrund der Herausforderungen, denen sich Marken wie Oscar Mayer und Philadelphia gegenübersehen, eine Abschreibung von 15,4 Mrd. US-Dollar vorgenommen hat. Außerdem wurde die Dividende gekürzt und eine Untersuchung der SEC über die Buchhaltung eingeleitet. Buffett, dessen Unternehmen 27 % von Kraft Heinz besitzt, gab zu, dass er zu viel für das Unternehmen bezahlt hat.

Berkshire hat auch beim Kauf von IBM (WKN:851399) gelitten und verlor Milliarden bei einer Tech-Aktie, die er zu Beginn des Jahrzehnts für eine sichere Sache gehalten hatte. Das Orakel von Omaha begann 2011 in IBM zu investieren, doch der Technologieriese geriet bald in Schwierigkeiten und war gezwungen, seine langfristige Gewinnprognose zu kürzen, da der Übergang zu einem Software- und Dienstleistungsmodell nicht die Ergebnisse brachte, die sich das Unternehmen erhofft hatte.

Diese Fehler schaden Berkshire nicht nur, weil das Unternehmen damit Geld verliert. Sie schaden auch dem Ruf von Buffett und damit der Prämie, die die Aktien einbringen.

Was kommt als Nächstes für Berkshire?

Buffett ist jetzt 89 Jahre alt, und es ist unwahrscheinlich, dass er den Konzern in 10 Jahren noch leitet. Das bedeutet mit ziemlicher Sicherheit, dass Berkshires Tage der epischen Renditen vorbei sind. Das Unternehmen würde höchstwahrscheinlich von einer Rezession oder einem anderen Schock des Marktes profitieren, der Buffett die Chance auf eine Übernahme geben würde. Doch auf längere Sicht scheint einer der beiden stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden von Berkshire, Greg Abel oder Ajit Jain, bereit zu sein, das Unternehmen zu übernehmen, wenn Buffett in den Ruhestand geht oder stirbt.

Die Abwesenheit von Buffett könnte dazu führen, dass sich die Investoren von der Aktie abwenden, da seine Kompetenz eng mit dem Schicksal von Berkshire verbunden ist. Seine Methoden stehen aber auch auf dem Prüfstand, wenn sein Nachfolger seinem Modell folgt. Das Unternehmen könnte sich aufspalten oder eine neue Führung könnte dem Unternehmen eine wachstumsorientiertere Perspektive geben. Was auch immer passiert, die nächsten zehn Jahre werden wahrscheinlich eine ganz neue Reihe von Herausforderungen für eine der größten Erfolgsgeschichten der amerikanischen Wirtschaft mit sich bringen.

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Dieser Artikel wurde von Jeremy Bowman auf Englisch verfasst und am 22.12.2019 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Apple und Berkshire Hathaway. The Motley Fool hat eine Shortposition auf IBM und empfiehlt die folgenden Optionen: Long Januar 2021 $200 Calls auf Berkshire Hathaway (B-Aktien), Short Januar 2021 $200 Puts auf Berkshire Hathaway (B-Aktien), Long Januar 2020 $200 Calls auf IBM, Short Januar 2020 $200 Puts auf IBM, Short Januar 2020 $155 Calls auf IBM und Short Januar 2020 $220 Calls auf Berkshire Hathaway (B-Aktien).

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