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5 Dinge, die uns 2021 überrascht haben

·Lesedauer: 4 Min.

1. Die Kapitalschwemme in der Startup-Finanzierung – und das erste deutsche Decacorn

Deutsche Firmen sammelten in den letzten zwölf Monaten 12,4 Milliarden US-Dollar ein, 128 Prozent mehr im Vergleich zum Vorjahr. Das geht aus dem Anfang Dezember veröffentlichten „State of European Tech“-Report hervor, den die VC-Firma Atomico jedes Jahr herausgibt. An der Spitze aller Statistiken: Celonis hat im Rahmen einer Milliardenrunde abgeschlossen und Deutschland gibt es damit erstmals ein Decacorn, ein privat finanziertes Unternehmen mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde Dollar.

Dass die Corona-Pandemie nicht – wie zu Beginn befürchtet – dazu führen würde, dass die Geldgeber aus Angst auf ihrem Geld sitzen bleiben würde, zeigte sich spätestens Mitte 2020. Was auch nachvollziehbar ist, die Geldgeber benötigen schließlich Rückflüsse in ihre Fonds. Und die kann es nur geben, wenn vorher investiert wird.

Wie viel frisches Kapital aber in diesem Jahr in Startups fließen würde, und vor allem: wie viel mehr als im Vorjahr, hätten wir so nicht gedacht. 2021 war derart viel Geld im Markt, das investiert werden musste, dass einige Startups regelrecht mit Geld überschwemmt wurden – und was die Bewertungen vielleicht auch übertrieben hoch werden ließ. Vor allem die mit rein digitalen Geschäftsmodellen und solche, die von der Pandemie nicht betroffen oder sogar profitieren, standen im Fokus – was wiederum nicht überrascht.

2. Die Achterbahnfahrt von Gorillas

Dass es über Gorillas (und Wettbewerber wie Flink) auch 2021 einiges zu berichten geben würden, hatte sich abgezeichnet, wir hatten den Schnelllieferdienst nicht ohne Grund zu unseren Hoffnungsträgern des Jahres gewählt. Aber sind wir ehrlich: Wie sehr das rot-weiße Logo die Schlagzeilen bestimmen würde, hatten wir nicht vorhergesehen. Gleich im Frühjahr ging es richtig los, neun Monate nach dem Start: Der Berliner Schnellieferdienst war den Investoren eine Milliarde wert. Nur ein paar Monate später soll Firmenchef Kagan Sümer bei möglichen Geldgebern sogar eine Bewertung von rund fünf Milliarden Dollar abgerufen haben – blitze damit allerdings ab. Stattdessen war die Rede von einer Bewertung um die Zwei-Milliarden-Marke – hier von „nur“ zu sprechen, wäre falsch, gut ein Jahr nach dem Launch. Immer wieder streikten die Rider im vergangenen Jahr wegen schlechter Arbeitsbedingungen, monatelang gab es Aufsehen um die Gründung eines Betriebsrats und die Versuche des Unternehmens, das zu verhindern. Zwischendrin Gerüchte um den Einstieg des US-Konkurrenten Doordash, dann der tatsächliche Einstieg von Delivery Hero und die abgeblasene US-Expansion – der Nachrichtenstrom riss einfach nicht ab.

3. Es im Jahr 2021 im Wirtschaftsministerium so weit kommen kann, dass Szene-Köpfe die Startup-Presse regulieren wollen

Sie forderten nicht weniger als die „Disziplinierung der Presse“. Eine Gruppe um German-Startups-Group-Macher Christoph Gerlinger reichte beim Wirtschaftsministerium Vorschläge ein, wie man IPOs fördern könne. Weil ihnen die öffentliche Berichterstattung nicht positiv genug war, sollten die Medienvertreter durch politischen Druck dazu gebracht werden, positiver zu berichten. Um die Geschichte nicht unnötig in die Länge zu treiben: Mehrere vermeintliche Unterzeichner distanzierten sich, Gerlinger trat als Beiratsvorsitzender zurück, das Papier wurde begraben. Trotzdem, wenn uns zum Jahresbeginn jemand gefragt hätte – wir hätten nicht geglaubt, dass es in der aufgeschlossenen Startup-Szene eines demokratischen Landes überhaupt zu einem solchen Vorstoß kommen könnte.

Übrigens haben wir uns das Startup-Börsenjahr gerade noch einmal genauer angeschaut. Und mussten zu einem leider sehr ernüchternden Ergebnis kommen:

4. Dass die große Insolvenzenwelle ausblieb

Keine Frage, 2021 war ein schweres Jahr für viele Unternehmen. Nicht alle hatten das finanzielle Polster, die Schwierigkeiten der Pandemie zu bewältigen. Lieferengpässe sorgten für Ausfälle, und wo die Geschäftsmodelle nicht rein digital waren, blieb einiges Geschäft aufgrund der Corona-Beschränkungen auf der Strecke. Was aber ebenfalls ausblieb, war die von vielen befürchtete Flut an Firmeninsolvenzen. Weil zuvor die Meldepflicht ausgesetzt worden war, erwarteten viele eine starke Aufhäufung von Firmenpleiten im Laufe des Jahres. Eine Logik, die uns auch einleuchtete – zum Glück lagen wir dabei falsch. In der Startup-Szene blieb die bislang aus, im Vergleich zu 2019 waren die Insolvenzen sogar merklich rückläufig. Was für die oft beworbene Resilienz der jungen Unternehmen spricht.

5. ESOPs oder viel Lärm um – leider – nichts

Endlich hatte sie kommen sollen, die große Reform der Mitarbeiterbeteiligung in Deutschland. Damit wir endlich international wettbewerbsfähig werden im Wettbewerb um Talente. Lange abzusehen war die Neuregelung im Rahmen des Fondsstandort-Gesetzes und ganz ehrlich, irgendwie hatten wir schon einen Haken dran gemacht. Die Möglichkeiten, insbesondere frühe Mitarbeiter am späteren Erfolg eines Unternehmens zu beteiligen, waren für Startups derart unattraktiv – hauptsächlich aus steuerlichen Gründen –, dass die Politik doch sicherlich verstanden haben musste, wie wichtig eine sinnvolle Neuregelung ist, oder? Fehlanzeige. Was am Ende herauskam, war leider nicht besonders hilfreich. Zum Glück will die neue Regierung den Faden bald wieder aufnehmen. Diesmal machen wir aber nicht leichtfertig einen Haken dran, so viel haben wir gelernt.

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