Deutsche Märkte geschlossen

Letzte Filiale geschlossen: In diesem Land ist McDonald’s gescheitert

Hannah Klaiber
Freie Journalistin

In mehr als 100 Ländern der Welt gehören Filialen der Burgerkette McDonald’s zum gewohnten Bild. In einem Land aber konnte sich das globale Unternehmen nicht etablieren: Island. Und es gibt auch keine konkreten Pläne, es dort noch einmal zu versuchen. Woran liegt das?

Düstere Zeiten erlebte McDonald’s zuletzt in Island – nun wurden alle Filialen geschlossen. (Bild: Getty Images)

Als 1993 die erste McDonald’s-Filiale Islands eröffnete und der damalige Premierminister David Oddsson medienwirksam in einen Burger biss, war der Andrang enorm. Tagelang standen die Menschen bis weit vor die Tür hinaus Schlange, um an Pommes, Nuggets und Burger zu kommen. Ein Riesenerfolg, der exemplarisch dafür stand, dass die kleine Insel mit einem Mal Teil einer modernen, globalisierten Welt war.

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Jahrelang ging die Sache tatsächlich gut, doch dann trat ein Ereignis ein, dass das Leben in dem nordischen Inselstaat komplett auf den Kopf stellte. Natürlich war Island nicht das einzige Land, das 2008 unter der Finanzkrise zu leiden hatte. Und doch gehörte es zu jenen Staaten, für die die Folgen besonders gravierend waren.

Die steigenden Importkosten fraßen den Gewinn

Bei McDonald’s äußerste sich das so: Weil der isländische Markt zu klein war, um die isländischen Filialen mit heimischen Produkten beliefern zu können, mussten alle Zutaten samt den Verpackungen aus Deutschland importiert werden. Infolge der Finanzkrise und dem damit verbundenen Absturz der isländischen Krone vervielfachten sich die Preise für die Importe.

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Bald kostete ein Kilo Zwiebeln aus Deutschland genauso viel wie eine gute Flasche Whiskey. Um weiterhin Gewinn zu machen, hätten zum Beispiel Big Macs 20 Prozent teurer werden müssen. Dann aber wären die Burger in Island die teuersten auf der ganzen Welt gewesen, die Relation hätte einfach nicht mehr gepasst.

Mangelnde Kundschaft war nie das Problem

Und so entschied sich der damalige Chef Jon Gardar Ogmundsson 2010 dazu, den Laden in Form der letzten drei Filialen komplett dicht zu machen. Schweren Herzens sagte er, McDonald’s sei „noch nie so gut besucht gewesen“ wie zuletzt. „Aber die Gewinne waren zugleich nie so klein.“

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Burger King und Pizza Hut ereilte übrigens dasselbe Schicksal, nur eine große Fastfood-Kette überstand die Finanzkrise: Kentucky Fried Chicken, die die meisten Produkte für ihre Waren tatsächlich aus Island bezog. Quasi als Nachfolger von McDonald’s entstand in Island die Burgerkette Metro, die ebenfalls nur mit lokal produziertem Essen arbeitet und es so geschafft hat, die Kosten niedrig zu halten.

Die boomende Wirtschaft könnte die Burger irgendwann zurückbringen

Obwohl es bislang keine offiziellen Pläne gibt, das goldene M wieder nach Island zu bringen, haben manche Fastfood-Fans die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Nach schweren Jahren hat sich die Wirtschaft in Island wieder erholt, die Isländer essen wieder mehr auswärts und der Tourismus boomt wie nie zuvor. Nicht ausgeschlossen, dass sich ein mutiger Franchiser vielleicht doch noch einmal an einen zweiten Versuch wagt.

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