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35 Millionen Euro für Münchner Immobilienbranchen-Tool Alasco

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Digitalisieren da, wo Bedarf ist: Alasco-Gründer Anselm Bauer, Sebastian Schuon and Benjamin Guenther (v.l.n.r.)
Digitalisieren da, wo Bedarf ist: Alasco-Gründer Anselm Bauer, Sebastian Schuon and Benjamin Guenther (v.l.n.r.)

Als der Verband der Bauindustrie merkte, dass da drei Gründer waren, die Ahnung von Digitalisierung hatten, haben sie die regelrecht "rangezerrt". So erzählt es Sebastian Schuon. „Die waren so froh, dass es egal war, dass wir bis dato in der Modebranche unterwegs waren.“ So dringend habe die Bau- und Immobilienbranche Neuerung nötig.

Mit Alasco wollen Benjamin Günther, Sebastian Schuon und Anselm Bauer die Branche digital up-to-date bringen, mit Cloud-basiertem Real-Time-Controlling. Will sagen: Bauunternehmen, die nicht nur wörtlich, sondern auch im übertragenen Sinne, stets viele Baustellen haben, sollen mit der Software des Münchner Startups den Überblick behalten. Rechnungen sämtlicher Gewerke laufen hier zusammen, werden online freigegeben. Das Gesamtbudget ist hier verwaltet, Übersicht über Genehmigungen und ESG-Zertifikate (Environment/Social/Governance) finden in der Cloud statt. Digitalen Workflows und viel mehr Transparenz als bisher, wo viel mit Excel-Tabellen gewurstelt wurde, sollen sowohl die finanzielle Performance als auch die Nachhaltigkeit von Immobilienprojekten verbessern, verspricht Alasco.

Frische Geld von Shopify- und Lilium-Investoren

Damit überzeugte das Unternehmen nun zwei internationale Investoren: Den New Yorker Software- und Technologie-Fonds Insight Partners, unter anderem investiert in Twitter, Shopify, Delivery Hero, Hellofresh, und die globale Private Equity-Plattform Lightrock, die auch Infarm und Lilium finanziert. Insgesamt kamen gut 35 Millionen Euro (40 Millionen Dollar) im Rahmen des Series-B-Fundings zusammen. Auf der Liste der bereits bestehenden Investoren stehen viele bekannte Namen: Picus Capital, HV Capital, der Personio-Gründer Hanno Renner und die Gründer von Flixbus. Bis heute haben Alasco-Kunden wie das norddeutsche Immobilienunternehmen Garbe oder Soravia aus Österreich Projektvolumen von etwa 23 Milliarden Euro mit Hilfe der neuen Software verwaltet.

2022 will Alasco nach Aussagen der Gründer wachsen – vor allem personell von rund 100 Mitarbeitern auf 220 Ende des Jahres. Zudem wollen die Münchner ins Ausland expandieren, bald einen Standort in London aufmachen. „Mit Stylight waren wir mal in 18 Ländern“, sagt Sebastian Schuon und erzählt, dass er und seine Mitgründer in vielen Bereichen von ihren Erfahrungen mit dem ersten Startup profitieren.

Kleiner Markt, groß genug

2016 hatten sie die E-Commerce-Plattform zu einer Bewertung von 80 Millionen Euro an Prosiebensat1 verkauft. Nach zweijähriger Auszeit, in der sie vor allem gereist seien und damit nachgeholt hätten, was sie als Vollzeit-Gründer in jungen Jahren verpasst hatten, beschlossen sie wieder zusammen zu gründen.

Dieses mal sollte es B2B sein, gern mittelstandsgeprägt – so wie die Baubranche. „Der Markt ist nicht riesig, aber groß genug, um gut zu wachsen", sagt Schuon. Er beziffert den potenziellen Kundenkreis für Alasco in Deutschland auf mehrere 10.000 Unternehmen, Bauträger, Projektentwickler, Immobilienfirmen. „Hätten wir etwas entwickelt, das nur für die fünf deutschen Autohersteller relevant ist, hätte ich noch mehr Respekt."

Insgesamt ist auf dem europäischen Proptech-Markt noch viel Platz, ein Unicorn etwa gibt es noch nicht. Alasco verkündete mit der Finanzierungsrunde eine Post-Money-Bewertung von über 100 Millionen Dollar. Die USA hingegen sind auf diesem Gebiet meilenweit voraus. Schoun sieht eine Hürde in der Fragmentierung des europäischen Marktes. „Natürlich sprechen die auf der Baustelle alle die Lokalsprache." Auch landesspezifische Regulierungen mögen eine Rolle spielen. Dennoch sieht Schuon Alasco bald in vielen Ländern Europas am Start.

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