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Dieser 31-Jährige will ein mittelständisches Unternehmen übernehmen — so will er den Kauf finanzieren

·Lesedauer: 6 Min.
Alexander Keil ist 31 Jahre alt und hat in St. Gallen Betriebswirtschaftslehre studiert
Alexander Keil ist 31 Jahre alt und hat in St. Gallen Betriebswirtschaftslehre studiert

Alexander Keil hat in Startups gearbeitet, Startups gegründet und kennt sich in der Berliner digitalen Unternehmensszene aus. Doch nach acht Jahren als Manager hat ihn eine neue Branche gepackt: der Mittelstand. Unternehmen, die weniger als 250 Mitarbeiter beschäftigen und einen Jahresumsatz von maximal 50 Millionen Euro erwirtschaften – das Fundament der deutschen Wirtschaft.

„Ich identifiziere mich mit dem Mittelstand“, sagt Keil im Gespräch mit Business Insider. „Die Leidenschaft, mit der die Unternehmerinnen und Unternehmer teilweise bis in ein hohes Alter arbeiten und Verantwortung tragen, hat mich sehr fasziniert", sagt Keil. Genau das möchte er auch erreichen.

Sein Plan: Er will eine klassische Nachfolge antreten. Also kein Investor sein, sondern ein mittelständisches Unternehmen finden, bei dem er sich beteiligen und in die Geschäftsführung treten kann.

Deutschland gehen die Unternehmer aus

Insgesamt gibt es rund 3,5 Millionen mittelständische Unternehmen in Deutschland, erklärt der Mittelstandsverband BVMW auf Anfrage. Davon seien 95 Prozent in Familienhand. Viele haben das Problem, dass sie keinen Nachfolger finden. Laut einer KfW-Studie werden 842.000 Inhaber mittelständischer Unternehmen ihre Tätigkeit bis 2025 aufgeben. Etwas über 60 Prozent davon wollen den Betrieb an einen Unternehmensnachfolger übergeben. Rund 300.000 rechnen damit, den Betrieb zu schließen. „Die Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger gestaltet sich zunehmend schwieriger. Deutschland gehen generell die Unternehmer aus“, sagt BVMW-Bundesgeschäftsführer Markus Jerger zu Business Insider. Jerger sagt, dass vor 20 Jahren drei von 100 Personen Unternehmer werden wollten, heute sei es nur noch einer von 100.

Zu dieser Minderheit gehört auch Alexander Keil. Er hat den Kontakt zu ersten Unternehmern aufgenommen, die einen Nachfolger suchen. Die Kontaktaufnahme mit dem Unternehmer oder der Unternehmerin findet über zwei Wege statt. Erst mal überlegt Keil, welche Branche er spannend findet. Anschließend recherchiert er und geht gezielt auf ausgewählte Unternehmen beziehungsweise deren Eigentümer zu. Vermittlungsbörsen helfen dabei weiter. Keil arbeitet mit Carl zusammen, einer Plattform aus Berlin, die deutschen Mittelständlern, die keinen Nachfolger finden, bei der Käufersuche helfen.

Berliner Fintech Carl hilft bei der Nachfolgesuche

„Ich bekomme auf Carl die Möglichkeit, relativ einfach zwanzig bis fünfzig Unternehmen zu begutachten und den zuständigen Transaktionsberater zu kontaktieren“, berichtet Keil.

Nachdem Keil sich auf der Plattform bewirbt, lernt er regelmäßig neue Unternehmerinnen und Unternehmer kennen und ihm werden Gespräche vermittelt. Bis eine Entscheidung erreicht ist, können 3-12 Monate vergehen. „Oftmals hat man eine gute persönliche Beziehung und Interesse den Prozess zu verfolgen, jedoch muss vorab etwa das Interesse von potenziellen Nachfolgern aus der Familie oder der Firma abgeklopft werden.“ Das sei ein langwieriger Prozess, der an vielen Stellen zum Abbruch führen könnte, erklärt er.

Keil selbst interessiere sich für die Dienstleistungs- und Handelsbranche. „Am liebsten möchte ich in einem Unternehmen sein, wo ich auch noch etwas aufbauen kann.“ Keil habe jetzt beispielsweise mit einer Kette im Freizeitbereich gesprochen und da hätte er die Möglichkeit einen neuen Standort in einer anderen Stadt zu eröffnen und digitale Produkte zu lancieren. „Das reizt mich sehr“, sagt er.

Qualität der Mitarbeiter und des Umsatzes sind bei der Wahl entscheidend

Doch auf was achtet Keil bei der Auswahl eines Unternehmens? Für ihn sei die Qualität der Mitarbeiter und die Qualität des Umsatzes wesentliche Faktoren. Die Qualität der Mitarbeiter wird unter anderem durch die Zufriedenheit und die Qualifikation gemessen, erklärt er. Qualifikation heißt: Erfüllt das Unternehmen mindestens den jeweiligen Standard in der Branche und haben die Mitarbeiter Lust den nächsten Schritt mitzugehen. „Die Zufriedenheit ist ebenso wesentlich", sagt er. „Diese spürt man jedoch schnell bei den Besuchen vor Ort. Wichtig ist, dass die Mitarbeiter ihrem Chef vertrauen, dass sie oder er die richtige Person auswählen wird.“

Qualität des Umsatzes heißt, dass er sich vor allem die Stabilität der letzten Jahre anschaue, was Umsatz und Ertrag angeht. „Ich schaue mir die Kunden an, aus welchen Industrien sie kommen und schaue, ob Klumpenrisiken vorhanden sind.“ Denn nicht von einem großen Kunden abhängig zu sein, sei „sehr vorteilhaft.“

Andersrum empfiehlt er Personen, die eine Nachfolge antreten möchten, sich tief mit den Branchen und Unternehmen auseinanderzusetzen. Einfach nur hoffen, dass jemand verkaufen würde, klappe nicht. Zudem würde er raten, schnell viel Kontakt mit Leuten aufzunehmen, die das schon mal gemacht haben. „Ein solides Netzwerk ist entscheidend.“

„Es ist wichtig, dass du anpacken kannst“

Fragt man Kurosch Daniel Habibi, den Gründer und Co-CEO von Carl, auf was die Nachfolgesuchenden Wert legen, sei es wichtig, dass der Nachfolger die Geschichte des Unternehmens ernst nimmt und es weiterentwickeln will. „Zudem ist es noch wichtig, dass du anpacken kannst“, sagt Habibi im Gespräch zu Business Insider. „Am Whiteboard die Probleme abstrakt strukturieren reicht nicht. Man muss sich die Hände schmutzig machen wollen, im unternehmerischen Sinn.“

Für die Unternehmer sei es meistens sehr wichtig, dass der Standort, die Marke und die Arbeitsplätze erhalten bleiben. „Im Prinzip geht es darum ein Lebenswerk weiterzuführen“, erklärt der Carl-Gründer.

Doch bevor die Hände geschüttelt werden und ein Deal zustande kommt, muss noch eine Frage beantwortet werden: Wie wird so ein Unternehmenskauf finanziert? Der Preis der Firma wird marktüblich nach dem Ertragswert-Verfahren ermittelt, erklärt Keil. Einfach gesagt: Man nimmt das Betriebsergebnis und multipliziert das mit einem gewissen Faktor. Dieser Faktor hängt davon ab, wie groß, wie stabil, wie abhängig das Geschäftsmodell vom Geschäftsführer ist und wie stark das Unternehmen wächst. Je besser diese Fragen beantwortet werden, desto höher ist der Faktor und damit der Firmenwert. Dieser Faktor geht von 3-5. Beispiel: Das Unternehmen erwirtschaftet eine Millionen Euro Umsatz, das Betriebsergebnis beträgt 200.000 Euro. So ist das Unternehmen in etwa 600.000 - 1.000.000 Euro wert.

„Mir ist kein Fall bekannt, bei dem es an der Finanzierung gescheitert ist“

Investoren für solche Beträge zu finden sei nicht schwer, sagt Keil. „So doof es auch klingt, wenn das Unternehmen und der Geschäftsführer gut passen, dann bin ich davon überzeugt, dass man auch einen Investor finden wird.“ Denn Mittelstandsbeteiligungen sind als Anlageklasse gefragt, erklärt der 31-Jährige. Den Investoren werde nicht nur eine Beteiligung, sondern gleichzeitig ein neuer Geschäftsführer mit einem Plan angeboten. „Wenn ich an die Gespräche mit denjenigen denke, die bereits erfolgreich eine Nachfolge angetreten sind oder antreten möchten, dann ist mir kein Fall bekannt, bei dem es an der Finanzierung gescheitert ist“, sagt Keil.

Laut Habibi gebe es zahlreiche Fördermöglichkeiten für Unternehmensnachfolgerinnen und Nachfolger – unter anderem von der KfW, hunderte EU-Programme und die Investitions- und Strukturbanken der Länder. Häufig sei es auch mit wenig Eigenkapital möglich eine Nachfolge anzutreten – im Extremfall sogar ganz ohne, wenn man es schafft die passenden Investoren zu finden. „Viele Menschen denken, dass sie etwas gründen müssen, wenn sie Unternehmer sein wollen," sagt Carl-CEO Habibi. „Mit der Option, in eine Firma einzusteigen, rechnen immer noch die wenigsten. Aber das ist möglich und gar nicht so schwer, wie man denkt.“

Keil geht davon aus, dass es bei ihm noch 6 bis 24 Monate dauern kann, bis er ein mittelständisches Unternehmen übernimmt. „Die Zeit muss man sich nehmen, um auch das Unternehmen zu finden, bei dem möglichst viel und vor allem das Bauchgefühl passt", sagt er. Sein Traum ist es mit Mitte dreißig Geschäftsführer und Miteigentümer eines Mittelständlers zu sein, bei dem er geholfen habe, „nicht nur das Unternehmen zu erhalten, sondern auch den nächsten Schritt gegangen zu sein.“

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