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3 Gründe, warum die Deutsche-Bank-Aktie und die Commerzbank-Aktie gerade besonders stark verlieren

Christof Welzel, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Trotz ihrer schon vor der aktuellen Krise tiefen Kurse sind die Commerzbank (WKN: CBK100)-Aktie und die Deutsche-Bank (WKN: 514000)-Aktie seit Februar 2020 noch einmal um über 49 beziehungsweise über 47 % gefallen (13.03.2020). Der breite Markt hat hingegen deutlich weniger verloren.

Da hilft es auch nichts, dass die Deutsche Bank trotz starker Konjunktursorgen an ihrem Jahresziel festhält. Sie geht von einer schnellen Kurserholung aus, rechnet also mit einer kurzen Krise. Allerdings gibt die Bank zu verstehen, dass die Auswirkungen der aktuellen Entwicklungen nicht abschätzbar sind. Ähnlich verhält es sich bei der Commerzbank.

Doch warum fallen gerade Bankaktien in Krisen und speziell in dieser überproportional stark?

1. EZB-Maßnahmen senken die Profitabilität

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat zuletzt beschlossen, die Wirtschaft bis zum Jahresende 2020 durch Anleihekäufe in Höhe von 120 Mrd. Euro zu stützen. Über günstige Geldvergaben sollen Banken dazu veranlasst werden, mehr Kredite an notleidende kleine Firmen zu vergeben. Die Leitzinsen bleiben hingegen unverändert.

Diese Maßnahmen führen zu weiter sinkenden Anleiherenditen, die noch mehr Druck auf die Erträge der Banken ausüben. Aus diesem Grund konnten sie schon seit der letzten Finanzkrise keine hohen Gewinne mehr erzielen. Zudem sinkt in der Krise der Kreditbedarf, sodass Banken gleich doppelt getroffen werden.

Europäische Banken fordern mittlerweile sogar hinsichtlich Liquidität und ausfallgefährdeter Kredite eine Lockerung der vorher durch die Regulierung festgelegten Sicherheiten, was auf Probleme hindeutet.

2. Angst vor einer Kettenreaktion

Diese Krise ist besonders, denn aufgrund des Flugverkehrs ist das Virus nun überall gleichzeitig. In vorherigen Abschwüngen traf es dagegen verschiedene Regionen meist unterschiedlich stark. Durch die aufkommende Schockstarre wächst bei den Banken nun die Angst vor Kreditausfällen.

Aktuell trifft es vor allem die Touristik- und Luftfahrtbranche, die ihren Betrieb stark einschränken muss. Dies kann entsprechende Unternehmen, die sowieso meist schon hohe Schulden aufweisen, in die Insolvenz drücken. Auch bei vielen Ölfirmen ist aufgrund des eingebrochenen Preises mit Schwierigkeiten zu rechnen. Dies kann schnell zu einer Vertrauenskrise führen, denn wenn wie in Italien plötzlich viele Unternehmen geschlossen sind, tun sich auch die Banken mit weiteren Krediten schwer.

Hier sind jetzt Regierungen und Zentralbanken gefragt, diesen Zustand mit Direkthilfen zu überwinden. Aber auch alle Bürger sollten mit einem vorsichtigen Verhalten ihren Beitrag zu einem schnellen Ende der Virusausbreitung leisten.

3. Offenes Ende der Coronaviruskrise

Verunsicherung schafft sicherlich auch der Punkt, dass niemand genau weiß, wie lange noch das Virus sein Unwesen treiben wird. Gelingt eine schnelle Eindämmung, was allerdings schwierig sein dürfte, könnten die Wirtschaft und damit die Banken wieder aufatmen. Bei einer schnellen Ansteckungswelle würde die Wirtschaft zwar kurzfristig stark leiden, danach aber auch rasch wieder Normalität eintreten. Denkbar ist darüber hinaus ein längerer Prozess, bei denen das Virus in Wellen zurückkehrt, bis schließlich Immunität eintritt. Dieses offene Ende verunsichert die Wirtschaft und die Banken gleichermaßen.

Hoffnung macht jedoch, dass viele Finanzinstitute heute finanziell besser aufgestellt sind als noch vor der 2008er-Krise und somit selbst mehr Kreditausfälle abfangen können.

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Christof Welzel besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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