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3 Elektroauto-News der VW-Aktie, die ihren Rückstand zur Tesla-Aktie verdeutlichen

Christof Welzel, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Für VW (WKN: 766403) läuft schon seit 2015 vieles nicht mehr rund. Das Jahr könnte als Zeitenwende für die deutsche Automobilindustrie bezeichnet werden. Zwar kamen mit Tesla (WKN: A1CX3T) auch schon lange vorher Elektroautos auf den Markt, aber viele Großkonzerne gingen davon aus, dass Tesla in die Insolvenz gehen würde und im Grunde alles so bleiben wird wie in den vergangenen Jahrzehnten.

Ähnlich wie in der Versorgerbranche nach 2011 wissen sie nun, dass dies nicht der Fall sein wird. Die Entwicklung in Richtung umweltfreundlicher Antrieb wurde noch einmal durch das jüngste Konjunkturpaket unterstrichen, das keine Kaufprämien mehr für Benziner und Diesel vorsieht.

Nun versuchen die deutschen Autokonzerne schnell das aufzuholen, was sie in den vergangenen Jahren versäumt haben. Für VW bestätigen die folgenden drei Meldungen diese Entwicklung.

1. Milliarden Euro für eine eigene E-Auto-Software

Tesla setzt für seine Autos auf eine selbst entwickelte Software, was Vorteile wie eine Individualisierung und eine schnelle Umsetzung von Neuerungen mit sich bringt. VW hat dies erkannt, möchte deshalb Tesla nacheifern und nun bis 2025 seine Softwareabteilung um 5.000 auf 10.000 Mitarbeiter erweitern. Ebenfalls bis 2025 sollen dann alle neuen Modellgenerationen mit der eigenen Software ausgestattet werden.

VW investiert 7 Mrd. Euro, um in Deutschland, China, Indien, Nordamerika und Israel das Softwarepersonal zu erweitern. Das Auto der Zukunft wird zunehmend autonom fahren können, weshalb die Software immer wichtiger wird. VW gibt offen zu, dass es sich in diesem Punkt Tesla als Vorbild genommen hat. Dies bestätigt wiederum, dass der Konzern zu lange auf alte Techniken gesetzt hat und nun dem E-Auto-Pionier nacheifern muss.

2. VW und Ford erweitern Kooperation

Im Gegensatz zu Tesla trägt VW weiterhin viele Altlasten mit sich, deren Abbau sehr viel Geld kosten wird. Zudem müssen Milliarden Euro in den Konzernumbau und in neue Technologien investiert werden. Der Konzern muss gleichzeitig sparen und schließt deshalb Allianzen, um so seine Ausgaben zu senken.

Ford (WKN: 502391) hat ähnlich wie VW sehr viel aufzuholen und steckt derzeit in einer Krise. Deshalb arbeiten beide Konzerne nun bei der Entwicklung von Elektro- und autonom fahrenden Autos, aber auch bei leichten Nutzfahrzeugen zusammen, um so die Kosten zu senken. Die Kooperation besteht schon seit 2019 und wird nun erweitert.

So wird VW E-Auto-Teile an Ford liefern und hat sich an Fords Tochter Argo AI beteiligt, die Technologien für selbstfahrende Autos produziert. Ford darf hingegen zukünftig VWs Baukastensystem (MEB) nutzen, um ab 2023 in Europa zunächst ein Elektroautomodell in Großserie fertigen zu können.

3. Verschiebung der ID.3-Auslieferung

Das bei VWs Elektrofahrzeugen vieles noch nicht rundläuft, zeigen die Auslieferungsverschiebungen der ersten ID.3 auf September 2020. Grund sind Probleme mit der Software, die nach dem Kauf wahrscheinlich weitere Aktualisierungen benötigen wird. Die Connect-Infotainmentsystem-App und das Heads-up-Display werden bei den ersten Wagen im nicht aktivierten Zustand ausgeliefert.

Erst gegen Ende des Jahres 2020 rechnet VW damit, voll funktionsfähige ID.3 ausliefern zu können. Die Preise werden je nach Variante bei knapp 40.000 bis zu 50.000 Euro liegen. Diese Probleme sind ein Grund, warum VWs Vorstandsvorsitzende Herbert Diess in den letzten Tagen nach Streitigkeiten mit dem Aufsichtsrat seinen Vorsitz für die Marke Volkswagen abgeben musste.

Es werden also sehr wahrscheinlich noch einige Jahre vergehen, bis VW seinen Umbau abgeschlossen hat und der Konzern wieder zu alter Stärke zurückfinden könnte.

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Christof Welzel besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Tesla.

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