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3.000 Euro auf der hohen Kante? Hier sind 3 Edge-Computing-Aktien, die jetzt ein Kauf sein könnten

Nicholas Rossolillo
·Lesedauer: 6 Min.

Nach mehr als einem Jahrzehnt rasanter Expansion der Cloud ist die nächste Welle durchgestartet: das Edge Computing. Vereinfacht ausgedrückt bringt Edge Computing Daten aus einer zentralisierten Cloud in ein lokalisierteres Rechenzentrum. Nur eben sehr viel schneller als bisher. Und zu einer reduzierten Datenmenge, die durch das Internet fließt.

Die weltweiten Ausgaben für Edge Computing sollen im nächsten Jahrzehnt deutlich im zweistelligen Prozentbereich wachsen, was neue Investitionsmöglichkeiten schafft. Drei Aktien, die dafür infrage kommen, sind Verizon Communications (WKN: 868402), Limelight Networks (WKN: A0MSRH) und Akamai Technologies (WKN: 928906).

Drahtlose Netzwerke, die ultimative Investition?

Nicholas Rossolillo (Verizon): Im Laufe der Jahre sind die Grenzen zwischen drahtlosen Telefon- und Internetdiensten verwischt. Neue 5G-Netzwerke werden diesen Trend wohl fortsetzen. Amerikas größter Mobilfunkanbieter, Verizon, hat vor Kurzem ein US-weites 5G-Netz eingeführt. Damit hängt man T-Mobile US und AT&T hinterher. Allerdings ist das 5G-Netz in Teilen von 55 Städten verfügbar.

Was bedeutet „5G to edge computing“? Während ein drahtloses Signal das Endprodukt für den Verbraucher ist, haben Verizon und andere eine Infrastruktur aufgebaut, um ultraschnelle drahtlose Signale verfügbar zu machen. Außer den Mobilfunkmasten selbst müssen neue Glasfaserleitungen betrieben und lokalisierte Datenzentren zur Abwicklung des Webverkehrs aufgebaut werden. Und während das 5G-Rennen noch nicht entschieden ist, gibt Verizon viel Geld aus, um das Edge-Netzwerk richtig groß zu machen. Allein in diesem Jahr geht man von 17,5 bis 18,5 Milliarden USD aus.

Die Ausgaben für Netzwerk-Upgrades sollen mehr als nur rasend schnelle Video-Streams auf dem Smartphone ermöglichen. Bereits mit dem 4G-LTE-Netzwerk schafft Verizon den Betrieb von Flottendiensten, Industrieausrüstung, Smart-Home-Geräten und Diensten wie Ampeln und Kameras. 5G mit Edge Computing könnte bei der Entwicklung von autonomen Fahrzeugen, Robotik und anderen KI-Anwendungen zum Einsatz kommen.

Gut, Verizon ist kein Wachstumswert. Aber da Edge Computing wächst, sehe ich hier echte Chancen. Selbst mit hohen Ausgaben für die Verbesserung, Daten effizient zu bewegen, ist dies ein profitables Unternehmen. Verizon hat im letzten Jahr einen freien Cashflow von über 21 Milliarden USD erwirtschaftet. Die Aktien werden lediglich zum 11-Fachen des freien Cashflows der vergangenen 12 Jahre gehandelt werden und zahlen eine Dividendenrendite von 4,3 %. Dies ist meiner Meinung nach ein guter Ausgangspunkt.

Ein Content-Experte im Rampenlicht

Anders Bylund (Limelight Networks): Dieser Betreiber eines Content-Delivery-Network (CDN) ist vielleicht nicht der erste Name, der einem im Edge-Computing-Bereich in den Sinn kommt.

Erstens spielen die CDN-Dienste von Limelight eine wichtige Rolle bei der schnellen Bereitstellung digitaler Medien und den weltweiten Downloads. Das Unternehmen setzt Hunderte von Edge-Routern ein, um diese Aufgabe zu erfüllen. Aber das ist nicht gerade eine Edge-Computing-Situation. Und es ist auch nicht der Grund, warum ich mich hier für Limelight entschieden habe.

Das Unternehmen investiert nämlich erheblich in die Ausstattung seiner Edge-Router mit lokaler Rechenleistung. Damit will man einen Fuß in die Tür des im Entstehen begriffenen Marktes für Edge Computing zu bekommen. CEO Bob Lento sieht einen adressierbaren Edge-Computing-Markt, der viel größer ist als der CDN-Bereich.

„Geht man nach den Zahlen, die die Analysten liefern, so ist er um ein Vielfaches größer als der Markt für CDN. Wie viel davon mit unserem Kundenstamm adressierbar ist, bleibt abzuwarten“, sagte Lento im Juli. „Ganz gleich, wie wir es aufschlüsseln: Immer stellt sich heraus, dass der Markt für Edge-Services größer ist als der Markt für CDN.“

Edge Computing ist eine neue Ergänzung des Produktportfolios von Limelight und leistet noch keinen nennenswerten Beitrag zum Umsatz oder Gewinn des Unternehmens. Wir betrachten hier den langfristigen Wachstumsmotor von Limelight. Der Aktienkurs hat sich im letzten Jahr verdoppelt, da das Unternehmen in der Pandemie mehreren Streaming-Diensten geholfen hat. Das war natürlich ideal und hat Limelight mehr Assets und Freiheit verschafft. Und eben auch die Möglichkeit, noch mehr in Edge-Computing-Projekte zu investieren.

Der Branchenführer im Bereich Edge Computing

Billy Duberstein (Akamai Technologies): Um in Edge Computing zu investieren, schlage ich mit Akamai Technologies das weltweit größte Content-Delivery-Netzwerk vor. Während der Rivale Fastly stark gehypt wird, erzielt Akamai in diesem Jahr dreimal so hohe Gewinne. Akamai ist zudem ein aufstrebender Marktführer bei Cloud-Sicherheitslösungen. Das ist ein schnell wachsendes Segment, das immer wichtiger wird.

Im letzten Quartal vertrauten die Kunden in 135 Ländern Akamai bei der Bereitstellung von mehr als 100 Terabit pro Sekunde. Die wurden von über 300.000 Servern an über 4.000 Standorten mit fast 1.500 Netzwerkpartnern auf der ganzen Welt betrieben. Damit ist man der Konkurrenz um Längen voraus. Damit konnte Akamai 220 der weltweit führenden OTT-Sendeanstalten sowie 24 der 25 beliebtesten Videospielverlage als Kunden gewinnen.

Trotzdem verzeichnet Akamai nach wie vor solides Wachstum und stärkere Margen. Im letzten Quartal stieg der Umsatz von Akamai um 12,7 % auf 795 Millionen USD, während das operative Ergebnis um noch beeindruckendere 40,2 % auf 190 Millionen USD stieg. Akamai profitierte insbesondere von einem Anstieg des Medien- und Carrier-Kundenverkehrs. Der nahm um 19 % zu, da die Pandemie im zweiten Quartal zu stärkerer Nutzung von Social Media und Streaming führte. Ein noch wachstumsstärkeres Segment für Akamai waren die Cloud-Sicherheitslösungen, die um 27 % auf 259 Millionen USD anstiegen. Das Management sagte, dass Akamai eine große Bank und einen großen Internetdienstanbieter vor „zwei der größten Angriffe, die es je gegeben hat“, geschützt habe.

Die Umstellung auf 5G und schnelle, sichere Kommunikation während der Pandemie sollte für genügend Rückenwind für die gesamte CDN- und Cybersicherheitsbranche sorgen. Darüber hinaus sagte das Management im zweiten Quartal, dass es im Laufe des Quartals tatsächlich an Traffic gewonnen habe. Der CDN-Markt ist immer noch ziemlich fragmentiert. Somit kann selbst der größte Player seinen Marktanteil vergrößern.

Derweil wird Akamai zum 20-Fachen der geschätzten Einnahmen von 2021 gehandelt. Das ist verhältnismäßig fair. Und damit ist die Aktie auch ein viel besserer Wert als Fastly und andere Möchtegern-Aufsteiger.

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The Motley Fool empfiehlt Aktien von empfiehlt Aktien von T-Mobile US und Verizon. Anders Bylund besitzt Aktien von Fastly und T-Mobile US. Billy Duberstein besitzt Aktien von AT&T und T-Mobile US. Nicholas Rossolillo besitzt Aktien von Limelight Networks and Verizon Communications. Dieser Artikel erschien am 17.10.2020 auf Fool.com und wurde für unsere deutschen Leser übersetzt.

Motley Fool Deutschland 2020