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250 Prozent Wachstum: Wie Planradar die europäische Baubranche aufmischt

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Bis vor kurzem war die Digitalisierung in der Baubranche noch nicht angekommen: Absprachen werden immer noch gerne mündlich gemacht und per Handschlag besiegelt, Details per Hand auf ein Stück Papier geschrieben. Auf vielen Baustellen führt das zu Missverständnissen, fehlender Verantwortung, Ineffizienz und – im schlimmsten Fall – zu Chaos.

Der Bedarf an intelligenter Planungssoftware, die Arbeitsabläufe digitalisiert und dokumentiert, ist also groß. Deshalb war die Resonanz enorm hoch, als Planradar 2015 sein Produkt launchte. Die Wiener Proptech-Firma von Ibrahim Imam, Sander van de Rijdt, Domagoj Dolinsek, Clemens Hammerl und Constantin Köck vereint alle Details eines Bauprojekts auf einer Software-as-a-Service-Plattform.

So kann beispielsweise der Fundamentleger mit dem Baugrubenausheber kommunizieren oder der Architekt mit dem Maurer. „Wir machen die Verständigung zwischen allen am Bau Beteiligten so einfach wie möglich“, sagt Ibrahim Imam, der gemeinsam mit seinem ehemaligen Studienkollegen Sander van de Rijdt das Unternehmen als Co-CEO leitet.

„Wer auf seinem Handy Facebook checken kann, der soll auch Planradar nutzen können“, sagt Imam. Ziel ist es, für alle Involvierten, Zeit und Geld zu sparen. Unternehmenseigenen Umfragen zufolge sparen Kunden durch die Plattform bis zu sieben Arbeitsstunden pro Woche. Zudem wird mangelnde Dokumentation verhindert, da Absprachen jederzeit nachvollziehbar sind. Ein vergleichsweise kleiner Schritt aus technologischer Sicht, aber ein ziemlicher Sprung in der analogen Branche. „80 Prozent unserer Kunden nutzten vor uns einfach nur Zettel und Stift“, sagt Imam.

Rekordsummen für das Wiener Proptech

Dafür kassiert das Bauplanungs-Scaleup jetzt mehr als 60 Millionen Euro in einer Series B-Runde. Die Kapitalrunde stellt die höchste jemals erhaltene Series B-Finanzierung eines B2B-Software-Startups in Österreich dar.

Auch wenn diese Runde das Jungunternehmen noch nicht zum erwarteten nächsten Unicorn Österreichs macht, wird es nach Meinung Van de Rijdts nicht mehr lange dauern: „Wir wurden ja schon als Soonicorn bezeichnet, jetzt sind wir ein Sooner-Corn geworden.“

Lead-Investoren bei der Runde sind der New Yorker VC Insight Partners und der französische Wagniskapitalgeber Quadrille Capital. Der bekannte Berliner VC Cavalry Ventures gehört zu den Bestandsinvestoren, der in einem laut eigenen Angaben „erheblichen Umfang“ erneut mitzieht.

Ebenfalls wiederholt dabei sind Headline (ehemalig E.ventures), die Berliner Volksbank Ventures und die österreichische Förderbank des Bundes mit ihrem aws Gründerfonds. Neu eingestiegen sind Proptech1 aus Berlin, die österreichische Russmedia, sowie GR Capital mit Sitz in London.

Wachstum von 250 Prozent

Bei der vorherigen Finanzierung im März 2020 erhielt Planradar 30 Millionen Euro in einer Series A-Runde – zu der Zeit eine der größten Startup-Kapitalerhöhungen Österreichs. Damals erklärte das Unternehmen, es wolle mit dem frischen Kapital den Kundenstamm von 8.000 auf 15.000 wachsen lassen und die internationale Expansion vorantreiben.

Mit Erfolg: Seither verzeichnet das Proptech laut eigenen Angaben ein Wachstum von über 250 Prozent, zählt heute rund 14.500 Kunden und verfügt über zehn neue Standorte in Europa und Russland.

Kunden sind Siemens und Rewe

Inzwischen werden jede Woche über 30.000 Immobilienprojekte in mehr als 60 Ländern über Planradar abgewickelt und 100.000 Anwender nutzen die Software täglich. Zu den namhaften Kunden im deutschsprachigen Raum gehören neben Größen der Baubranche, wie Porr, Strabag oder Signa auch Unternehmen wie Siemens, CBRE, Cushman & Wakefield oder die Rewe Gruppe. „Und der Hafen von Hamburg zählt auch zu unserer Kundschaft“, sagt Van de Rijdt.

In vielen Ländern gebe es zwar lokale Konkurrenten – in Deutschland beispielsweise Capmo – aber vom Umsatz her liege Planrader den nationalen Wettbewerbern jeweils weit voraus, sagt Sander van de Rijdt: „Wir generieren derzeit weit über zehn Millionen Euro Umsatz.“

Die wirklich größte Konkurrenz, so ergänzt Imam, sind allerdings lange eingeschliffene Gewohnheiten bei Bauleitung, Polier, Dachdecker und Co: „Gegen das ‚Team Zettel und Stift‘ müssen wir uns immer wieder durchsetzen“, sagt er.

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