Deutsche Märkte schließen in 7 Stunden 57 Minuten

Dieser 23-Jährige bekam Millionen von bekannten Gründern und Szeneköpfen – wie schaffte er das?

Bastian Meyer (23) von Handly baut ein Tool für Handwerker. Dabei wollte er aber eigentlich nie etwas handwerkliches tun - Copyright: Handly
Bastian Meyer (23) von Handly baut ein Tool für Handwerker. Dabei wollte er aber eigentlich nie etwas handwerkliches tun - Copyright: Handly

Der Vater war Dachdecker, der Opa Elektriker. Und auch die restliche Familie von Bastian Meyer übt handwerkliche Berufe aus, als Schlosser, Maler oder Kfz-Mechatroniker. Da schien der Weg für ihn vorgezeichnet zu sein. Doch Meyer hatte darauf gar keine Lust: "Ich kam mit zwei linken Händen auf die Welt und hatte kein handwerkliches Interesse." Handwerker ist er nicht geworden, sondern Gründer. Mit dem Fintech-Startup Handly sammelte der heute 23-Jährige gerade 1,5 Millionen Euro von bekannten Szeneköpfen ein. Unter anderem von Wefox-Gründer Julian Teicke, der selbst bereits Milliarden von Investoren bekam.

"Andere Kinder in der Schule wollten Polizist oder Feuerwehrmann werden. Ich wollte etwas mit Computern machen", sagt Meyer im Gespräch mit Gründerszene. Während der Schulzeit beschäftigte er sich in der Freizeit viel mit dem PC, baute etwa Webseiten für die lokalen Betriebe in seinem Dorf Werne bei Hamm. Im Abitur auf dem Wirtschaftsgymnasium waren seine Hauptfächer Mathematik und Informatik. Und anschließend, 2019, ging er auf die Code University in Berlin, eine Fachhochschule insbesondere für Gründer.

Erster in der Familie, der studiert

"Meine Eltern sind sehr konservativ. Ich bin die erste Person in meiner Familie, die studieren gegangen ist", sagt Meyer. "Und als ich meinen Eltern sagte, dass ich an einer Privatuni studieren will, fanden sie das merkwürdig." Finanziell musste er sich zu Anfang mit Bafög über Wasser halten. Die Studiengebühren der Code University von mehreren tausend Euro pro Semester werden in solchen Fällen über ein Pay-Later-Modell beglichen. Das heißt, dass erfolgreiche Alumni den Nachwuchs finanzieren. Sollte Meyer in Zukunft ebenfalls finanziell erfolgreich werden, finanziert dann er die Studiengebühren für einen Code-Studierenden.

Einen Bachelor-Abschluss hat Meyer bisher aber nicht gemacht, denn seit vergangenem Jahr arbeitet er in Vollzeit an dem Startup. "Ich bin sehr weit davon entfernt, mein Studium zu beenden", so Meyer. "Es war auch nicht mein Ziel, den Bachelor zu machen. Ich wollte das Wissen und die Kontakte bekommen, um Gründen zu können."

Und das hat funktioniert. Die Idee zu Handly sei ihm im zweiten Semester an der Code gekommen: Sein Tool hilft Handwerkern bei Buchungs-Anfragen, indem Kunden detaillierte Angaben zu ihren Wünschen und zeitlichen Vorstellungen angeben. Wer ein Zimmer gestrichen haben möchte, teilt dem Maler etwa noch mit, wie hoch die Wände sind oder welche Farbe gewünscht ist. Zudem soll Handly langfristig zu einem CRM-Tool werden, etwa automatisiert Rechnungen erstellen und über Factoring-Dienste bei der Liquidität der Betriebe helfen, die teure Waren vorfinanzieren müssen. Dafür will das Startup künftig eine Transaktionsgebühr nehmen.

Wefox-Gründer nach 15 Minuten von Investment überzeugt

Die Vision dürfte auch Julian Teicke von Wefox überzeugt haben, der als Gründungsinvestor bereits im November 2021 bei Handly einstieg. Der Kontakt sei über die Code University zustande gekommen, da Teicke bei dem Event Launchpad im Sommer 2021 digital als Gastredner zugeschaltet wurde. Bei diesem Event schauen sich Gründer ausgewählte Ideen der Studierenden an und bauen daraus gemeinsam Produkte, die für Investoren interessant sein könnten.

Nach dem Talk habe Meyer den Wefox-Gründer per E-Mail um ein Gespräch gebeten, das am nächsten Tag stattgefunden habe. "Nach 15 Minuten im Gespräch unterbrach er mich und sagte, dass er investieren möchte", so Meyer. Anschließend habe man sich schnell auf den Deal einigen können.

"Es hat keinen Investor interessiert, ob ich einen Bachelor habe"

Auch die weiteren Investoren habe Bastian Meyer dann schnell überzeugen können. Nach nur einem Monat hätten er und sein Mitgründer Klaas Krüger (55), den er fünf Jahre zuvor über eine Gründerplattform kennengelernt hatte, genügend namhafte Business Angels für die Pre-Seed-Finanzierungsrunde gewinnen können. Zu den Geldgeber von Handly zählen neben Julian Teicke von Wefox der Hometogo-Gründer Patrick Andrä, der Shutterstock-Gründer John Oringer, Onefootball-Gründer Lucas Cranach, Factory-Berlin-Gründer Udo Schlömer und die Luca-Gründer Patrick Henni und Sascha Gartenbach. Auch die Family Offices von Hilti und Müller Media sind dabei.

Nach einem Studienabschluss habe übrigens kein Geldgeber gefragt: "Es hat keinen Investor interessiert. Nur meine Eltern würden sich wünschen, dass ich den Abschluss mache und einen sicheren Job bekomme", so der Gründer und CEO.

Investoren auch zufällig getroffen

Die Kontakte seien zum Großteil über die Investoren wie Teicke und dessen Investment-Vehikel The Delta zustande gekommen. Aber auch der Zufall und das Netzwerk von Meyer hätten eine Rolle gespielt. Den Shutterstock-Gründer etwa hätte er auch auf einem Event kennengelernt, auf das ihn ein WG-Mitbewohner mitnahm. Oringer sei irritiert gewesen, dass der Handwerker-Markt in Deutschland so wenig digitalisiert sei und ließ sich dann von Meyer für ein Investment begeistern. Den Onefootball-Gründer Cranach habe Meyer zufällig an der Kaffee-Maschine in einem Coworking-Space kennengelernt und überzeugt.

Aber natürlich ist es nicht nur Zufall, dass Bastian Meyer nun als Gründer mit bekannten Investoren im Rücken an einem Startup bauen kann. Der 23-Jährige wusste früh, wohin ihn sein Weg führen soll. Und diesen Weg ist er ohne Umwege gegangen.