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Warum 2022 der Durchbruch für autonomes Fahren kommt

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Tesla gilt bislang als Pionier beim autonomen Fahren. Der Durchbruch der Technologie wird aber im Taxi-Bereich kommen.
Tesla gilt bislang als Pionier beim autonomen Fahren. Der Durchbruch der Technologie wird aber im Taxi-Bereich kommen.

Eigentlich war man zu Beginn des Jahres 2021 in der Autoindustrie recht zuversichtlich. Man ging davon aus, dass die durch das Virus verursachte Verkaufsflaute sich spätestens gegen Mitte des Jahres abschwächen würde. Es wurden steigende Umsätze prognostiziert und man versprach, die Verluste aus dem Jahr 2020 wieder wettzumachen. Aber so einfach lief es dann doch nicht. Denn zum einen verschwindet das Corona-Virus nicht so schnell, wie sich das alle wünschen, zum anderen verschärfte sich der Chip-Notstand dramatisch. Das führte bei fast allen Herstellern zu dem Problem, dass man die Produktion drosseln musste. Lange Wartezeiten für Kunden von Neuwagen sind die eine Sache, stark sinkende Zulassungszahlen die andere.

Chip-Mangel und China-Geschäft

Der Mangel an verfügbaren Chips wird sich bis Ende des neuen Jahres hinziehen. Das wird die Zulassungszahlen vor allem in Europa weiter drücken. In China sieht die Lage für alle Hersteller dafür etwas besser aus. Auch wenn die chinesische Wirtschaft ebenfalls mit Problemen zu kämpfen hat, sind die Absatzzahlen der Autoindustrie weiter positiv. Mittlerweile machen die deutschen Autobauer bis zu 50 Prozent ihres Umsatzes in China. Die Abhängigkeit vom Markt dort wächst also weiter, was angesichts der sich eintrübenden politischen Stimmung zwischen der EU, den USA und China zumindest nicht ganz ohne Sorge beobachtet wird.

Dass die EU und Deutschland den Wechsel zum Elektroauto beschleunigen, sind gute Nachrichten für die Branche. Es wird zu mehr Neuwagenverkäufen führen, sollte die steuerliche Begünstigung für Dieselfahrzeuge fallen. Für einige Hersteller wird es allerdings problematisch. Knapp 70 Prozent aller Fahrzeuge von BMW werden mit einem Dieselmotor verkauft und brauchbare E-Fahrzeuge in der Golf-Klasse gibt es bei BMW auch nicht. Die Münchner werden hoffen, dass die Förderung für Plugin-Hybride über das Jahr 2022 weitergeführt werden wird.

Autonome Taxis kommen

Auf der Technologieseite wird vor allem die Entwicklung des autonomen Fahrens spannend werden. Nicht wenige Unternehmen hoffen im Jahr 2022 auf einen Durchbruch. Dazu zählt hauptsächlich Mobileye, die in diesem Jahr den ersten autonomen Taxi-Service in München starten wollen. Diesen Versuch wird man weltweit sehr genau beobachten, denn es ist der erste Versuch in Europa von einer Firma, die zu den führenden Entwicklern der Technologie gehört. Wenn das schiefgehen sollte, dann dürfte dies das autonome Fahren weit zurückwerfen.

Überhaupt dürfte das autonome Fahren im Jahr 2022 im Fokus stehen. Mercedes hat gerade die Freigabe für ihr Level 3 System bekommen. Allerdings gibt es weiter enorme Einschränkungen. Es wird nur auf der Autobahn funktionieren und nur bis zu einer Geschwindigkeit von 60 km/h. Für die Beschränkungen kann Mercedes nichts, sie sind vom Gesetzgeber so formuliert. Auch andere Hersteller arbeiten an einem vollautonomen System, vor allem Tesla. Deren Level-4-System ist schon in der Erprobung und wird von einigen ausgewählten Tesla Fahrern genutzt. Elon Musk, nie um große Ansagen verlegen, verspricht, das System 2022 an alle Tesla weltweit auszurollen.

Was macht Tesla?

Wie es mit Tesla weitergeht, dürfte 2022 ebenfalls interessant werden. Im Grunde lebt das Unternehmen nur noch von einem Auto. Der Tesla 3 macht über 80 Prozent der Verkäufe aus. Und die Konkurrenz schläft nicht. War Tesla mit einem brauchbaren E-Auto im Bereich der 40- bis 45.000 Euro Klasse eher allein, hat sich dort mittlerweile Konkurrenz angesammelt. Vor allem die Autos von VW, Hyundai und Kia greifen den Platzhirsch weltweit an und die chinesische Autoindustrie schläft auch nicht. Tesla fehlt primär ein Auto im Premium-Segment, da der Tesla S mittlerweile arg in die Jahre gekommen ist.

Für Mobility-Startups dürfte 2022 ein spannendes Jahr werden. Das gilt zum ersten Mal auch jene Unternehmen, die sich auf die Herstellung von Software-Lösungen spezialisiert haben. Bisher haben vor allem Startups Erfolg gehabt, die Mobility-Services an Endkunden angeboten haben. Für die Verkehrswende braucht es allerdings mehr, als nur E-Scooter und vergleichbare Lösungen. Vor allem die digitale Verkehrsinfrastruktur muss ausgebaut werden und das wird nicht ohne die Hilfe junger Unternehmen gehen, die dafür Lösungen erarbeiten. Schon jetzt suchen Städte für diese Aufgaben Startups.

Die Verkehrswende wird 2022 Fahrt aufnehmen. Das gilt hauptsächlich für die Städte, die in den letzten zwei Jahre enorme viel in Bewegung gebracht haben, um die Verkehrsverhältnisse zu verändern. Weil die Verwaltungen langsam arbeiten und Ausschreibungen für Projekte dauern, wird man die Ergebnisse der Überlegungen erst langsam sehen. Aber spürbar sind die Neuerungen schon jetzt und sie werden im Laufe des Jahres zahlreich werden. Ende 2022 wird man sehen, welche Ideen brauchbar waren und vor allem wo man noch nachsteuern muss. Fest steht: Langweilig wird es in der Mobilitätsbranche in diesem Jahr ganz sicher nicht.

Don Dahlmann ist seit über 25 Jahren Journalist und seit über zehn Jahren in der Automobilbranche unterwegs. Jeden Montag lest Ihr hier seine Kolumne „Drehmoment“, die einen kritischen Blick auf die Mobility-Branche wirft.

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