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2012 war für den Frankfurter Flughafen ein Jahr der Streiks

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Frankfurt/Main (dapd). Lange Schlangen genervter Passagiere, Flugausfälle, Umbuchungen: Für den Frankfurter Flughafen ist 2012 ein Jahr der Streiks gewesen. Die kamen besonders für die Lufthansa (Xetra: 823212 - Nachrichten) zur denkbar unpassenden Zeit, denn der Konzern spart so stark wie nie zuvor und kämpft gegen ein ganzes Bündel an Problemen: Konkurrenz von Billigfliegern und aus dem Nahen Osten, hohe Treibstoffpreise, das Nachtflugverbot und neue Steuern und Abgaben.

Die zahlreichen Streiks unterstrichen, wie hilflos ein Flughafen ist, sobald ein Teil der Mitarbeiter die Arbeit niederlegt. Eine kleine, aber dringend gebrauchte Gruppe von rund 220 Vorfeldmitarbeitern versuchte im Februar, zweistellige Lohnzuwächse durchzudrücken. Der Flughafenbetreiber Fraport konnte die zum Teil bloß angelernten Mitarbeiter teilweise ersetzen, trotzdem fielen an drei Tagen Hunderte Flüge aus. Erst das Arbeitsgericht Frankfurt beendete den Streik, indem es ihn wegen formaler Fehler verbot.

Die Gewerkschaft ver.di machte im Tarifstreit des öffentlichen Dienstes mit Warnstreiks am Flughafen Druck. Das war ein weiterer Beweis, dass ein Flughafen ein guter Streikort für eine Gewerkschaft ist, weil sich mit wenig Aufwand eine große Wirkung erzielen lässt.

Ende August und Anfang September zeigten dann auch die Flugbegleiter der Lufthansa, dass es ohne sie nicht geht. Die Stewardessen und Stewards wollten mehr Geld, bessere Tarifbedingungen und den Verzicht auf Leiharbeit. Am Ende ging die Lufthansa trotz des Sparkurses auf einen Teil der Forderungen der Flugbegleiter ein. Gerade am Anfang verdient das Kabinenpersonal jetzt mehr, dafür steigen die Gehälter im Laufe der Karriere langsamer als bisher.

Doch mit der Beilegung dieses Tarifstreits im November (Xetra: A0Z24E - Nachrichten) ist das Jahr der Tarifauseinandersetzungen am Frankfurter Flughafen noch nicht zu Ende. Lufthansa-Piloten und die Sicherheitsleute verhandeln noch.

Beim bundesweiten Warnstreik des Sicherheitspersonals am Montag kam Frankfurt glimpflich davon, weil die Sicherheitsfirma Frasec einen Haustarifvertrag mit den Angestellten hat - und diese deshalb nicht streiken durften. Aber auch die Kontrolleure haben ihre Macht erkannt: An anderen Flughäfen demonstrierten die Kollegen, dass schon ein recht kurzer Streik zu Dutzenden von Flugausfällen, stundenlangen Verspätungen und endlosen Schlangen vor den Sicherheitskontrollen führen kann.

Experte: Macht der Spartengewerkschaften begrenzt

Derzeit verhandelt noch die Pilotengewerkschaft Cockpit mit der Lufthansa über einen neuen Gehaltstarif. Ausgang ungewiss. Obwohl die Flugkapitäne faktisch eine große Macht haben, rechnet der Sozialwissenschaftler und Tarifexperte Stefan Sell von der Fachhochschule Koblenz nicht mit einem harten Tarifkonflikt. "Die Piloten sind in letzter Zeit wieder ruhiger geworden", sagt er. Ihr Beispiel zeige, dass die schwierige Situation der Fluglinien das Potenzial für Lohnsteigerungen begrenze.

Überhaupt widerlegt der Professor den Eindruck, dass immer mehr spezialisierte Gewerkschaften die Arbeitgeber unter Druck setzen und deren Kunden mit Streiks verschrecken. "Ein Anstieg der Tarifkonflikte von Spartengewerkschaften ist empirisch nicht untermauert", sagt Sell. Sie hätten zwar punktuelle Erfolge gefeiert, aber seien auch stark von der Solidarität der anderen Berufsgruppen im Betrieb abhängig. Als Beispiel nennt er die Krankenhausärzte, die auf die Solidarität des weit schlechter bezahlten Pflegepersonals angewiesen seien.

Auch wenn es für den Frankfurter Flughafen und die Passagiere ein anstrengendes Jahr war, gibt der Experte Entwarnung. Angst vor einem endlosen Hickhack immer kleinerer Spartengewerkschaften sei nicht zu erwarten, sagt Sell. "Ich sehe keinen ausufernden Häuserkampf kommen."

dapd

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