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Indien startet ehrgeizige Impfkampagne

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Bis Juli sollen rund 300 Millionen Menschen geimpft werden

Indien mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern hat eine ehrgeizige Impfkampagne gegen das Coronavirus gestartet. Bereits am ersten Tag erhielten mehr als 190.000 Menschen ihre erste Dosis, wie Gesundheitsminister Harsh Vardhan am Samstagabend mitteilte. Insgesamt sollen bis Juli 300 Millionen Menschen Schutz gegen eine Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus erhalten.

Gesundheitsminister Vardhan sprach trotz der zögerlichen Haltung vieler Impfkandidaten von einem erfolgreichen Start. Niemand der am Samstag Geimpften habe wegen schwerer Nebenwirkungen im Krankenhaus behandelt werden müssen, sagte er. Die Impfungen bezeichnete er als "Lebensretter".

Dass nicht wie ursprünglich vorgesehen 300.000 Menschen am ersten Tag ihre erste Dosis erhielten, erklärte der Minister mit einem Fehler in der Corona-App. Dadurch seien nicht alle potenziellen Teilnehmer rechtzeitig informiert worden.

In einem ersten Schritt sollen 30 Millionen Mitarbeiter im indischen Gesundheitswesen und aus anderen Risikobereichen geimpft werden. Danach folgen bis Juli rund 270 Millionen Menschen, die über 50 Jahre alt sind, sowie Risikopatienten.

Bisher haben die Behörden des südasiatischen Schwellenlands zwei Impfstoffe zugelassen: Covishield vom britisch-schwedischen Pharmakonzern AstraZeneca, der vom Serum Institute in Indien hergestellt wird, und Covaxin des indischen Konzerns Bharat Biotech. Um das einheimische Vakzin gibt es allerdings heftigen Streit, weil dieses schon vor Ende der klinischen Tests eine Notfallzulassung erhielt.

In einem Schreiben an ihre Krankenhausleitung forderte die Ärztevertretung des Hauptstadt-Hospitals Ram Manohar Lohia, mit dem Impfstoff von AstraZeneca immunisiert zu werden. Für das Personal sei es einfacher, Covishield zu akzeptieren, da das Vakzin alle klinischen Studien durchlaufen habe und die Ergebnisse umfassend dokumentiert seien.

Die Impfskepsis im Land erfüllt die indischen Behörden mit Sorge: Laut einer Umfrage wollen sich 69 Prozent nicht sofort impfen lassen. Als vertrauensbildende Maßnahme fordern führende Wissenschaftler und Ärzte deshalb die rasche Veröffentlichung der Daten zur Wirksamkeit des einheimischen Vakzins.

Angesichts maroder Infrastruktur und der weit verbreiteten Skepsis in der Bevölkerung ist die Impfkampagne eine gewaltige Herausforderung. Indien kann bei der Mammutaufgabe allerdings auf Erfahrungen aus den Immunisierungsprogrammen gegen Kinderlähmung und Tuberkulose sowie der aufwändigen Organisation mehrwöchiger Wahlen zurückgreifen.

Rund 150.000 Helfer wurden speziell geschult und es gab landesweit Probeläufe, bei denen der Transport von Impfstoffen und die Impfung mit Attrappen und Statisten geübt wurde. Zu Beginn der Kampagne standen 3000 Impfzentren im ganzen Land bereit.

In Indien starben schon mehr als 152.000 Menschen an Covid-19, über 10,5 Millionen steckten sich bisher mit dem Coronavirus an. Auch die Wirtschaft leidet schwer unter der Pandemie: Millionen Menschen, darunter zahlreiche arme Wanderarbeiter, haben ihren Lebensunterhalt verloren.

ans/gt