Deutsche Märkte öffnen in 3 Stunden 18 Minuten
  • Nikkei 225

    26.601,03
    +53,98 (+0,20%)
     
  • Dow Jones 30

    32.223,42
    +26,76 (+0,08%)
     
  • BTC-EUR

    29.106,30
    -139,88 (-0,48%)
     
  • CMC Crypto 200

    681,27
    +438,59 (+180,73%)
     
  • Nasdaq Compositive

    11.662,79
    -142,21 (-1,20%)
     
  • S&P 500

    4.008,01
    -15,88 (-0,39%)
     

Wie dieser 17-jährige Gründer darauf hinarbeitet, Krebs zu heilen

·Lesedauer: 4 Min.
Für sein erstes Startup 3Dfouryou wurde Felix Kläres beim Hessischen Gründerpreis 2020 als "Jüngster Gründer" ausgezeichnet
Für sein erstes Startup 3Dfouryou wurde Felix Kläres beim Hessischen Gründerpreis 2020 als "Jüngster Gründer" ausgezeichnet

"Ist das im Hintergrund ein Klassenzimmer?" Diese Frage habe Felix Kläres schon häufiger bei einem Online-Meeting mit Geschäftspartnern gehört. Die Antwort: Ja, das ist ein Klassenzimmer. Denn Kläres ist 17 Jahre alt, geht noch zur Schule und muss Kundentermine auch während der Schulzeit stattfinden lassen. Seine Schule störe das nicht, solange der Teenager weiterhin gute Leistungen erbringe, sagt er im Gespräch mit Gründerszene. Nach eigenen Angaben habe der Schüler einen Notenschnitt von 1,2. In Anbetracht der Doppelbelastung ist das beachtlich.

"Häufig muss ich den Klassenlehrer fragen, ob er mir einen Raum aufschließt, weil ich in fünf Minuten ein Meeting habe", so Kläres. Mit seiner Firma ARchitecture (einer Wortzusammensetzung aus AR, dem Akronym für Augmented Reality, und Architecture) baut er eine Software, die virtuelle Modelle von Immobilien in die echte Welt projiziert, begeh- und anpassbar macht. Das kann in Lebensgröße auf dem entsprechenden Grundstück oder in verkleinerter Form auf einem Tisch dargestellt werden. So bekommen Bauherren vor dem Kauf ein besseres Gefühl für das Gebäude, als wenn sie den zweidimensionalen Grundriss oder ein dreidimensionales Modell auf dem Computer vor sich haben. Über einen Fingertipp kann etwa die Textur und Farbe der Wand angepasst werden.

Das Startup von Kläres setzt dabei nicht auf Medien wie moderne VR- oder AR-Brillen – die könnten das zwar darstellen, sind aber nur bei wenigen Menschen in Benutzung –, sondern auf Smartphones und Tablets. Die Software läuft dort als App.

Finanzierungsrunde in diesem Jahr

Derzeit existiert die App als MVP, also als eine Art Minimal-Version, um sie zu testen und an Feedback des Marktes anzupassen. Ab Mitte dieses Jahres soll die Finanzierungsrunde in Höhe von 500.000 Euro für die GmbH folgen und anschließend die Software ausprogrammiert werden, sagt der Teenie-Gründer. Hauptkunden der Proptech-Firma sollen Fertighausanbieter werden, die ihr Portfolio präsentieren wollen. Bis Jahresende sollen es 100 Testkunden sein. Den Fertighausmarkt allein in Deutschland beziffert Kläres auf über drei Milliarden Euro.

Da der Schüler nicht volljährig ist, wird die dahinterstehende Gesellschaft, die 3DNavigator GmbH aus Ober-Ramstadt bei Darmstadt, derzeit noch offiziell von seiner Mutter Beate Brigitte Kläres geleitet. Mit dem 18. Geburtstag wird Felix Kläres die Geschäftsführung übernehmen, derzeit ist er Prokurist und darf somit das Unternehmen vertreten. Neben ihm gehört seit diesem Jahr ein Beirat mit sechs Mitgliedern zum Unternehmen, wie Christian Werthmüller, Rechtsanwalt mit Schwerpunkt Immobilienrecht bei der Kanzlei Taylor Wessing. Die ersten Mitarbeiter sollen mit dem Geld aus der Finanzierungsrunde bezahlt werden.

Das AR-Startup startete Kläres mit 16 Jahren. Die Idee dazu kam dem Schüler bei seinem vorherigen Startup, das er bereits mit 14 Jahren startete. Für sein Modellbau-Hobby erstellte er mit dem 3D-Drucker Teile, um Miniatur-Flugzeuge aufzubessern. Erst privat, später verkaufte er solche Einzelteile, beispielsweise Motoren aus dem Drucker, über die Firma 3Dforyou. "Es war ein Nischenmarkt und damit schwierig, an Kunden zu kommen", gibt der Schüler zu. "Damals kam jemand auf einer Messe auf mich zu und fragte, ob ich ihm ein Angebot für einen 3D-Druck machen könnte. Ich wusste damals nicht, was ein Angebot ist. Das war also seitdem eine steile Lernkurve."

Für einen Auftrag einer 3D-gedruckten Immobilie mit Millionenwert kam Kläres dann auf die Idee, Objekte wie dieser über Augmented Reality darstellen zu können. 2021 begann er mit der Marktforschung, in diesem Jahr gründete er die dazugehörige Firma.

Langfristiges Ziel: Krebs heilen

Dabei sei das langfristige Ziel ein anderes und habe nichts damit zu tun, Geld zu verdienen. Felix Kläres will in einigen Jahren, nach der Schule und dem BWL-Studium, ein Medizintechnik-Startup gründen – und Krebs heilen. Der Grund dafür sei persönlich. "Jemand in meinem Bekanntenkreis ist an Krebs gestorben", so Kläres. Daher denke der Schüler langfristig und möchte die gesammelten Erfahrungen im Unternehmertum auf diese künftige Medtech-Firma anwenden.

Dass es bereits große Medizintechnikfirmen gibt, die ähnliche Ziele verfolgen, sehe er nicht als Problem an. "Das Thema Krebsforschung ist groß und komplex genug, dass es nicht nur ein Unternehmen am Markt geben wird", so Kläres. "Mit Spezialisierungen und Kooperationen kommt man hier weiter."

Er selbst will dabei die Rolle der strategischen Entwicklung übernehmen und sich einen Co-Founder suchen, der die technische Weiterentwicklung des Unternehmens übernimmt.

Was wie der illusorische Wunschtraum eines jungen Menschen wirkt, sollte nicht belächelt werden. Im Interview mit Gründerszene wirkt Felix Kläres professionell, fachlich gut vorbereitet und überzeugend. Fähigkeiten, die es braucht, um im Startup-Umfeld zu bestehen und potenziell Erfolg zu haben. Ob Felix Kläres irgendwann Krebs heilen wird, bleibt natürlich abzuwarten. Das junge Alter allein rechtfertigt keine Vorschusslorbeeren. Aber dass es sich bei diesem 17-Jährigen um einen ernstzunehmenden Unternehmer handelt, darf angenommen werden.

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.