Deutsche Märkte schließen in 6 Stunden 34 Minuten

124 Taten in 14 Jahren: Prozessbeginn im Fall Wermelskirchen

Köln/Wermelskirchen (dpa) - Mit einer Fülle von Vorwürfen beginnt heute in Köln der Prozess im Missbrauchsfall Wermelskirchen. Der heute 45 Jahre alte Angeklagte soll immer wieder Kindern sexuelle Gewalt angetan haben. Eine zentrale Masche soll dabei gewesen sein, dass sich der Mann zuvor online als Babysitter angeboten hatte.

Sein Anwalt kündigte ein Geständnis des 45-Jährigen im Prozess an. Sein Mandant habe sich auch während der Ermittlungen der Polizei kooperativ gezeigt, erklärte er.

Die Liste der Vorwürfe ist dabei lang. Insgesamt geht die Anklage nach Angaben eines Gerichtssprechers von 124 Taten in den Jahren 2005 bis 2019 aus. In 99 Fällen handle es sich dabei um Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs von Kindern. Andere drehten sich unter anderem um Beihilfe zu Missbrauch oder auch um kinderpornografische Schriften. Allein an 13 Kindern im Alter von 11 Monaten bis 13 Jahren soll der Angeklagte selbst Taten begangen haben.

Kinderpornografische Bilder und Videos

Die Aufdeckung des Falls hatte große Wellen geschlagen, weil er zu zahlreichen weiteren Ermittlungsverfahren gegen weitere Beschuldigte führte. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sind es mittlerweile mehr als 130. Bei dem Angeklagten waren große Datenmengen sichergestellt worden. Mit einer Vielzahl von Männern soll er kinderpornografische Bilder und Videos «unvorstellbarer Brutalität» getauscht haben.

Der Fall steht in der öffentlichen Wahrnehmung in einer Reihe mit anderen großen Missbrauchskomplexen der vergangenen Jahre - etwa mit Lügde, Bergisch Gladbach und Münster. Ermittler stießen dabei auf zum Teil weit verzweigte Geflechte aus Missbrauchstaten und Tätern.

In Bergisch Gladbach etwa waren bei einem Familienvater nicht nur große Mengen kinderpornografischen Materials, sondern auch Chats und Kontakte zu anderen Männern gefunden worden, die im Internet Videos und Abbildungen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs austauschten. Das Kölner Landgericht beschrieb die Festnahme bei seinem Urteil gegen den Mann rückblickend als «Erdbeben» für die Szene.

Am eingeschalteten Rechner überwältigt

Den Wermelskirchener hatten Spezialkräfte im vergangenen Dezember festgenommen. Publik gemacht wurde der Fall von den Ermittlern dann im Sommer 2022. Nach damaligen Angaben erfolgte der Zugriff in einer spektakulären Aktion: Um unverschlüsselten Zugriff auf Dateien zu bekommen, sollen Einsatzkräfte den Mann am eingeschalteten Rechner überwältigt haben - während einer Videokonferenz mit Arbeitskollegen. Diese glaubten offenbar zunächst, es handle sich um einen Überfall.

Die mutmaßlichen Taten in dem Komplex und das gefundene Material lösten Fassungslosigkeit aus. «Ein solches Ausmaß an menschenverachtender Brutalität und gefühlloser Gleichgültigkeit gegenüber kleinen Kindern, ihren Schmerzen und ihren Schreien ist mir noch nicht begegnet», erklärte Kölns Polizeipräsident Falk Schnabel damals.