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12 Euro Mindestlohn: So sieht es im EU-Vergleich aus

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Mit der Ampelkoalition könnte bald der 12-Euro-Mindestlohn eingeführt werden. So sieht es beim Thema Mindestlohn in den anderen EU-Ländern aus.

Eine Hand kippt eine Würfelreihe vom bisherigen Mindestlohn von 9,60 Euro auf 12 Euro.
Kommt mit der Ampel der Mindestlohn von 12 Euro? So steht es zumindest in den Sondierungspapieren. (Symbolbild: Getty)

In Deutschland wird immer wieder über den Mindestlohn verhandelt. Auch in der möglichen Ampelkoalition wird er eine Rolle spielen. Aktuell liegt er bei 9,60 Euro, soll aber schrittweise auf 10,45 bis zum 1. Juli 2022 angehoben werden. Damit würde Deutschland in etwa das Niveau der oberen EU-Länder erreichen, was den festgelegten Mindestlohn angeht. Aus der SPD gibt es schon länger die Forderung nach einem 12-Euro-Mindestlohn, in den Sondierungspapieren zur Ampel mit FDP und Grünen findet sich diese Zahl jetzt wieder. Die Ankündigung ist eindeutig: "Wir werden den gesetzlichen Mindestlohn im ersten Jahr in einer einmaligen Anpassung auf zwölf Euro pro Stunde erhöhen." 

Das wäre ein erheblicher Sprung, der größte seit der Einführung des Mindestlohnes von 8,50 Euro im Jahr 2015. Für etwa acht Millionen Arbeitnehmer könnte die Erhöhung einen besseren Lohn bedeuten. Viele Ökonomen begrüßen den Vorstoß und vermuten, dass die Wirtschaft davon langfristig profitieren würde. Auch die Gewerkschaften schließen sich dem an. Kritik gibt es dagegen aus der Union und von Arbeitgeberverbänden. 

Höchster Mindestlohn in Luxemburg

In der EU wird das Thema Mindestlohn sehr unterschiedlich behandelt. Während manche Länder ähnlich wie Deutschland agieren, haben andere einen extrem niedrigen oder überhaupt keinen Mindestlohn. In Irland, Frankreich und den Niederlanden ist die Zehn-Euro-Grenze bereits überschritten. In Frankreich liegt der Mindestlohn bei 10,25 Euro, in Irland bekommen Arbeitnehmer mindestens 10,20 Euro und in den Niederlanden sogar 10,34 Euro. Höher ist er in Europa nur in Luxemburg, wo mindestens 12,35 Euro gezahlt werden müssen. 

Keine Regelung in Skandinavien

In vielen EU-Ländern ist der Mindestlohn deutlich niedriger. Am unteren Ende der Skala liegt Bulgarien mit nur 2,00 Euro pro Arbeitsstunde. Weitere zehn Länder haben den Mindestlohn auf unter vier Euro festgesetzt. Darunter befinden sich zum Beispiel Tschechien, Polen und Griechenland. Im mittleren Bereich der Lohnskala gibt es nur wenige Länder. In Spanien etwa werden mindestens 5,76 Euro gezahlt, in Slowenien sind es 5,92 Euro. Italien, Dänemark und Österreich haben alle drei keinen Mindestlohn festgesetzt. Gleiches gilt auch für die drei skandinavischen EU-Länder, allerdings gibt es dort fast ausschließlich Arbeitsverträge mit Tarifbindungen. 

Von der Leyen fordert Anpassung

Auch auf europäischer Ebene soll sich nun etwas tun. Zumindest, wenn es nach EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen geht. Diese fordert, dass der Mindestlohn an das Durchschnittseinkommen der Länder gekoppelt wird. So sollen diese sich an Richtwerten von 60 Prozent des Medianlohns und 50 Prozent des Durchschnittslohns orientieren. Für die meisten EU-Länder würde dies bedeuten, den Mindestlohn deutlich anheben zu müssen. Mit dem Entwurf aus dem Sondierungspapier der Ampel-Partner würde Deutschland hier einen Schritt voran gehen. 

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