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Am 1. Juni startet der Tankrabatt: Hier findet ihr die Antworten auf die wichtigsten Fragen

Am 1. Juni startet der Tankrabatt: Hier findet ihr die Antworten auf die wichtigsten Fragen
Anselm Stahl, Autofahrer aus Friedrichshafen, betankt einen zusätzlichen Kanister an einer Tankstelle. Nach dem ersten Ansturm ab dem 1. Juni könnte sich das für viele Autofahrer lohnen.
Anselm Stahl, Autofahrer aus Friedrichshafen, betankt einen zusätzlichen Kanister an einer Tankstelle. Nach dem ersten Ansturm ab dem 1. Juni könnte sich das für viele Autofahrer lohnen.

Für Millionen von Autofahrern und dutzende Unternehmen soll der Tankrabatt am Mittwoch Entlastung bringen. Dabei geht es nach Rechnungen des Finanzministeriums um insgesamt 3,15 Milliarden Euro Zuschuss, die über eine gesenkte Energiesteuer auf Sprit zusammenkommen sollen. Der Liter E10 soll demnach um insgesamt 35,2 Cent billiger werden, der Diesel um 16,7 Cent pro Liter.

Doch Politik und Branchenvertreter befürchten, dass es zu langen Warteschlangen und Benzin-Knappheit kommt, – aber vor allem, dass die Entlastung womöglich gar nicht bei den Autofahrern ankommt. Denn die Mineralölkonzerne sind nicht verpflichtet, die Beträge aus eingesparten Steuern an Autofahrer weiterzugeben. Im Gegenteil: Sie können diese auch behalten.

CDU-Verkehrsexperte Thomas Bareiß, 47, warnte deshalb bereits in der "Bild am Sonntag": „Die Gefahr ist groß, dass die längst überfällige Steuerentlastung nicht beim Autofahrer ankommt. Wenn die Bundesregierung zulässt, dass die Mineralölkonzerne auf Kosten der Steuerzahler ihre Bilanzen aufbessern, wäre das ein Skandal.“ Auch ADAC Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand forderte deshalb schon vor einigen Tagen die Mineralölkonzerne auf, "die Spielräume für Entlastungen voll auszuschöpfen und an Verbraucher weiterzugeben".

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Die Grünen) hingegen fürchtet, dass die Spritpreise sogar kurzfristig steigen könnten, „wenn alle am 1. Juni zur Tankstelle fahren“. Dann sei die Nachfrage größer, „und das Benzin wird auf einmal ein noch kostbareres Gut. Dann haben wir den Preis gesenkt, aber in Wahrheit geht er nach oben“, so Habeck im Interview mit "RTL/ntv".

Wir beantworten deshalb die wichtigsten Fragen rund um den Tankrabatt.

Sollte ich lieber vor Mittwoch nochmal tanken gehen?

Ja! Der ADAC empfiehlt das. Denn der Verband erwartet für die ersten Tage im Juni einen Ansturm auf die Zapfsäulen. Viele Autofahrer könnten extra nicht mehr im Mai tanken, um von den niedrigeren Spritpreisen ab Juni zu profitieren. In den Stoßzeiten könnte es deshalb zu langen Schlagen und Wartezeiten an den Tankstellen kommen. Einige Tage nach dem 1. Juni dürfte der Andrang aber wieder abnehmen.

Explizit für grenznahe Gebiete rät der ADAC ähnliches, denn der Ansturm könnte auf diese Tankstellen noch durch Autofahrer aus dem Ausland verstärkt werden. Das Tanken dürfte ab dem 1. Juni in Deutschland deutlich weniger kosten als etwa in den Niederlanden, der Schweiz, Belgien oder Dänemark.

Wie gut sind Tankstellen auf einen möglichen Ansturm ab 1. Juni vorbereitet?

Auf eine Anfrage von "Bild am Sonntag" teilte der Ölkonzern BP mit: „Unsere Tanks an den Tankstellen sind gut gefüllt.“ Das Unternehmen sei „erfahren im Umgang mit schwankender Nachfrage“. Shell schrieb, sie wollten „die Versorgung aller Tankstellen bestmöglich zu gewährleisten“. Und Total antwortete, sie hätten „die Logistik mobilisiert, um die Belieferung der Tankstellen zu gewährleisten“.

Wie lange gilt der Tankrabatt?

Der Tankrabatt gilt für die kommenden drei Monate, also vom 1. Juni bis 31. August. Am 1. September 2022 läuft die Sonderregelung aus, und es wird wieder der bisherige Steuersatz erhoben.

Wie kann ich möglichst viel mit dem Tankrabatt sparen?

Wenn die Ölkonzerne die Steuersenkung in vollem Umfang an der Zapfsäule weitergeben, können Diesel-Fahrer bei einem 60-Liter-Tank etwa 10 Euro pro Tankfüllung sparen, Fahrer eines Benziners etwa 21 Euro.

Doch Achtung. Neben Habeck warnt auch der ADAC davor, dass der Tankrabatt zu Beginn kaum spürbar sein wird. Der Grund: Die Tanks der Tankstellen werden am 1. Juni noch in unterschiedlichem Umfang mit normal versteuertem Benzin und Diesel gefüllt sein.

Das heißt: Wer Pech hat, muss am 1. Juni noch Benzin zum "normalen" Steuersatz tanken, weil sich die niedrigen Steuersätze erst in der Folgezeit einstellen, nämlich wenn die normal versteuerten Kraftstoffe abverkauft sind und nach und nach die niedrig versteuerten Kraftstoffe angeliefert werden, erklärt der Wirtschaftsverband Fuels und Energie e.V. Je mehr Andrang also in den ersten Juni-Tagen ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit schnell billiger tanken zu können.

Was passiert, wenn die Ölkonzerne die Steuerersparnis nicht an uns weitergeben?

Dann muss das Kartellamt eingreifen, heißt es von Politik- und Expertenseite.

FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai erwartet eine konsequente Kontrolle des von kommender Woche an beschlossenen sogenannten Tankrabatts. "Dazu muss das Bundeswirtschaftsministerium nun seine Schuldigkeit tun und über die Markttransparenzstelle beim Kartellamt sicherstellen, dass die Steuersenkung bis zum Endverbraucher weitergegeben wird und nicht versandet", forderte er am vergangenen Mittwoch im Gespräch mit der "Deutschen Presse Agentur". Er sei sich sicher, dass Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) um diese Notwendigkeit wisse und daran arbeite, "dass das auch so kommt".

Werden die Ölkonzerne trotzdem an unserem Tankrabatt mitverdienen?

Ja, warnt der Tankstellenverband TIV in der "Bild am Sonntag". Die Betreiber erwarten, dass der Tankrabatt den Ölkonzernen mehr hilft als den Autofahrern. „An dem gesamten Krisenszenario verdienen sie sich eine goldene Nase", sagte TIV-Sprecher Herbert Rabl der Zeitung.

Denn Fakt ist: Das Kartellamt hat zwar angekündigt, die Entwicklung der Spritpreise im Auge zu behalten. Aber kurzfristig kann das Amt die Ölkonzerne nicht davon abhalten, Teile des Tankrabatts einzubehalten.

Dirk Engelhardt, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Güterverkehr und Logistik, warnt deshalb in der "Bild am Sonntag" vor der Gefahr, dass der Tank-Rabatt verpuffe. Das würden viele Spediteure nicht überleben: Es drohten Lieferengpässe durch „ein Massensterben in unserer Branche, was die Versorgung in Deutschland akut gefährden würde", sagt Engelhardt. Er glaubt, dass es zu wenig sei, einfach daraufzusetzen, dass die Öl-Multis (Anmerk. d. Red.: Öl-Konzerne) den Dieselkraftstoff günstiger machten.

Hat der Tankrabatt negative Folgen, zum Beispiel für den Ukraine-Krieg?

Ja, sagen Wissenschaftler wie der Wirtschaftsprofessor Jens Südekum von der Universität Düsseldorf. Er hält den Tankrabatt für eine "Katastrophe" und mit Abstand "das schlechteste Instrument im Entlastungspaket der Regierung", sagte er in einem Interview mit der "Funke-Mediengruppe".

Aus Südekums Sicht ist die Idee des Tankrabatts aus zwei Perspektiven falsch. Zum einen, weil er diejenigen am stärksten unterstützt, die es nicht nötig haben, denn die SUVs verbrauchen am meisten Benzin. Zum anderen, so erklärt es Südekum der "Bild am Sonntag", überweise man mit dem Tankrabatt deutsches Tankgeld direkt an Wladimir Putin. "Eine Senkung der Kraftstoffsteuer um 20 Cent je Liter erhöht die russischen Profite aus dem Ölgeschäft um rund elf Millionen Euro pro Tag“, so Südekum.

Video: So sollen Verbraucher bei Energiepreisen entlastet werden

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