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1 Investor, 2 Kennzahlen und durchschnittlich 23,9 % Rendite. Hier ist seine Strategie!

Christof Welzel, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Wer in Einzelaktien investiert, hat oftmals den Anspruch, langfristig besser als alle Indizes abzuschneiden. Denn, sonst könnte der Investor auch einfach auf ETFs setzen und sich die Mühe sparen. Doch wie kann dies gelingen? Keine leichte Aufgabe, denn selbst die meisten „Profis“ schneiden auf Dauer schlechter ab als die Benchmark.

Ein Analyst und Professor, dem dies schon seit Jahrzehnten mit großem Erfolg gelingt, ist Joel Greenblatt. In seinem Buch „The Little Book That Beats the Market“ beschreibt er seine Strategie, mit der er im Zeitraum 1988 bis 2004 durchschnittlich 30,8 % erzielt hat. Der S&P500-Index legte hingegen nur um 12,4 % zu.

Gut, aber wie ist ihm dies gelungen.

Die Strategie im Detail

Greenblatt schloss zunächst Unternehmen unter 50 Mio. US-Dollar Marktkapitalisierung, Finanz-, Versorger- und ADR-Aktien aus, um eine gewisse Qualität zu gewährleisten und um mit seiner „Magic Formula“ möglichst gute Ergebnisse zu erzielen. War die Vorselektion abgeschlossen, ging es wie folgt weiter.

Des Investors Ursprungsidee war, möglichst gute Unternehmen zu günstigen Bewertungen zu kaufen. Dies klingt logisch, aber woran erkenne ich diese und wann sind sie günstig bewertet? Dazu orientierte sich Greenblatt am EBIT (Gewinn vor Zinsen und Steuern), der auch als operativer Gewinn bezeichnet wird. Er ist meist weniger volatil als der eigentliche Nettogewinn, auf den sich das so oft genutzte Kurs-Gewinn-Verhältnis bezieht.

Nun ermittelte der Investor die Rendite auf das eingesetzte Kapital, indem er das EBIT durch die Summe aus (Sachanlagevermögen und Working Capital (Umlaufvermögen minus kurzfristige Verbindlichkeiten)) teilte. Diese Zahlen findest du auf der Aktivseite der Bilanz. Im Anschluss stellte er eine Rangliste vom höchsten zum niedrigsten Wert auf.

Stell dir einfach zwei Unternehmen vor. Beide sind 1 Mio. Euro Wert, aber das erste erzielt jährlich 150.000 Euro Gewinn und das zweite 75.000 Euro, sodass sich Kapitalrenditen von 15 und 7,5 % ergeben. Das erste Unternehmen ist also deutlich attraktiver. Auch Warren Buffett mag Unternehmen, die bei dieser Kennzahl gut abschneiden.

Im zweiten Schritt ermittelte Grennblatt die Gewinnrendite, die im Grunde nur ein umgedrehtes Kurs-zu-operativem-Gewinn-Verhältnis darstellt. Dazu teilte er das EBIT durch den Enterprise Value (Marktkapitalisierung zuzüglich Schulden, Minderheitsanteilen und Vorzugsaktien abzüglich der gesamten liquiden Mittel und Wertpapiere des Umlaufvermögens). Hieraus ergab sich eine zweite Rangliste, die wieder vom höchsten zum niedrigsten Wert sortiert wurde.

Nun konnte er die Rangnummern der einzelnen Unternehmen beider Listen addieren und die 20 bis 30 ersten Firmen kaufen, ein Jahr lang halten und den Prozess dann von vorn beginnen. Greenblatt gab zudem den Tipp, am besten jedes Quartal nur ein Viertel der Werte zu kaufen, um auch zeitlich zu streuen.

Zwar könnte der Anleger ganz einfach die Kennzahlen Gesamtkapitalrendite (Gewinn durch Bilanzsumme) und Kurs-Gewinn-Verhältnis nutzen, aber dabei ergeben sich nicht die gleichen Qualitätsunternehmen.

Für die Selektion empfiehlt es sich, sogenannte Stock Screener nutzen, weil es unmöglich ist, Tausende Unternehmen per Hand zu analysieren. Joel Greenblatt hat für amerikanische Unternehmen dafür sogar die Seite magicformulainvesting.com zur Verfügung gestellt.

Aber wie hätte die Strategie von 1988 bis 2016 abgeschnitten

Viele Kritiker monieren, dass die Methode vielleicht nur in den Anfangsjahren funktioniert hat und später nicht mehr so gut. Dies stimmt zum Teil, aber sie hat ebenfalls von 2004 bis 2016 den S&P500-Index weit hinter sich gelassen (eigenes Research). Über den gesamten Zeitraum ergibt sich so eine Durchschnittsrendite von 23,9 % gegenüber 11,4 % beim S&P500-Index.

Man muss wissen, dass Strategien nicht immer gleich erfolgreich sind. Vielmehr haben sie starke und schwache Phasen, die sich regelmäßig abwechseln.

Foolisher Tipp zum Schluss

Greenblatt hat die selektierten Aktien selbst nie blind gekauft, sondern im Anschluss noch einmal tiefer analysiert. Dies brachte ihm in den Anfangsjahren noch mehr als 30 % pro Jahr ein und ist sicherlich sehr sinnvoll.

Ein Kritikpunkt könnte die Zeitpunktbetrachtung der Selektion sein. So könnte ein Unternehmen nur in einem Jahr einen hohen Gewinn ausweisen, sonst aber nur Verluste erzielen. Ich würde deshalb eine genauere Analyse der Firmen auf Basis von zehn Jahren empfehlen. Fallen die Kapitalrenditen auch hier hoch aus, hast du ein wirklich gutes Unternehmen zu einem günstigen Preis gefunden.

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