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Überteuerte Lizenzpreise, schwache Erlöse: Die DFL hat ihren Zenit überschritten

Die Preise für die TV-Übertragung der Bundesliga sinken zum ersten Mal. Mit der Coronakrise hat diese Entwicklung nur bedingt etwas zu tun.

Sky wird wahrscheinlich 200 der Spiele exklusiv zeigen können. Foto: dpa

Alle vier Jahre schaut die Fußball- und Medienwelt darauf, wie teuer es wohl wieder wird, die Bundesliga übertragen zu dürfen. In der Vergangenheit feierte man Rekord auf Rekord. Der Boom schien unendlich, die magische Grenze von fünf Milliarden Euro Umsatz in Reichweite.

Nun, nachdem der aktuelle Medienvertrag der Deutschen Fußball-Liga (DFL) ausgehandelt ist, zeigt sich: Der Zenit ist überschritten. Erstmals meldet die DFL für die Spielzeiten 2021/22 bis 2025/26 einen Erlösrückgang: von insgesamt 4,64 Milliarden auf rund 4,4 Milliarden.

Die Zeitenwende hängt natürlich mit dem Corona-Schock zusammen: Fußball vor leeren Rängen ist auf Dauer attraktiv wie ein Krimi ohne Mord. Die Unsicherheit ist überall groß. Hinzukommt, dass die Medienhäuser, die Käufer der Bundesligarechte, knapsen müssen. Aber jenseits dieser aktuellen Misere zeigt sich auch, dass die Preise im Fußball aufgebläht waren.

In England oder Italien sanken die TV-Erlöse der Ligen lange vor der Pandemie. So gesehen hat DFL-Chef Christan Seifert noch herausgeholt, was herauszuholen war.

Der Markt korrigiert sich selbst. Schließlich müssen all die stolzen Lizenzpreise ja irgendwie verdient werden – beim Fan mit einem Abonnement oder bei Werbekunden mit schönen Aufträgen. Da ist es nur zu logisch, wenn der treue DFL-Partner Sky, der mit Abo-Schwund zu kämpfen hat, nicht mehr ganz so viel sendet. Der Streamingdienst Dazn legt zu.

Die ARD bleibt zwar mit der „Sportschau“ dabei, verzichtet aber – mit Blick auf politische Spardebatten – auf Live-Spiele. Die landen jetzt bei Sat 1. Der desolate Privatsender braucht ein kräftiges Lebenszeichen – immerhin war man von 1992 bis 2003 mit „ran“ mal große Fußball-TV-Heimat.

Die eigentliche Überraschung ist Amazon. Der Onlineriese zeigt künftig zwar Spiele der Champions League und der englischen Premier League, nicht aber die Bundesliga. Offenbar wollen die Amerikaner ihr Kapital lieber woanders investieren.