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Zu Überraschungen neigende SNB könnte mit Zinssenkung verblüffen

Catherine Bosley
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Zu Überraschungen neigende SNB könnte mit Zinssenkung verblüffen

(Bloomberg) -- Wenn es eine Lektion aus der Vergangenheit gibt, wann mit einer geldpolitischen Lockerung seitens der Schweizerischen Nationalbank zu rechnen ist, so lautet diese: Warten Sie nicht auf eine Sitzung.

Nachdem der Franken ein Zwei-Jahres-Hoch zum Euro erreicht hat und die Europäische Zentralbank eine weitere Stimulusrunde vorbereitet, sehen sich die Schweizer Währungshüter einem wachsenden Marktdruck gegenüber, eine eigene Antwort zu liefern. Offenbar haben sie bereits wieder am Devisenmarkt interveniert. Früher oder später in diesem Jahr müssen sie möglicherweise auf eine Zinssenkung zurückgreifen.

Die nächste geplante Entscheidung der SNB ist erst in sechs Wochen anberaumt, und die Schweizer Notenbanker würden mit einer langjährigen Tradition brechen, wenn sie dann zur Tat schreiten würden. Letztmals hat die SNB im Jahr 2009 auf einer vierteljährlichen Sitzung die Leitzinsen gesenkt - und diese sind seitdem um 150 Basispunkte gefallen.

Stattdessen neigt die SNB zu Überraschungen: Wie eine Bombe schlug es 2015 am Markt ein, als die Notenbank ohne Vorankündigung die Obergrenze für den Franken aufgab, an einem Tag, an dem keine geldpolitische Ankündigung vorgesehen war. Ein solcher Schock traf die Händler umso mehr, als sie es von anderen Zentralbanken gewohnt sind, zunächst geldpolitische Signale zu erhalten.

„Wir haben uns in den letzten zehn Jahren an alle möglichen Arten der Forward Guidance gewöhnt“, sagte Jeremy Stretch, ein Devisenstratege bei der Canadian Imperial Bank of Commerce. “Das macht uns empfindlicher gegenüber geldpolitischen Überraschungen.”

Stretch geht davon aus, dass die SNB von ihrer Undurchsichtigkeit profitiert. Angesichts eines Zinssatzes von -0,75%, dem niedrigsten aller Zentralbanken, und begrenztem Handlungsspielraum, bedeutet das Schweigen der SNB gegenüber dem Markt, dass „sie möglicherweise eine etwas größere Wirkung erzielt“.

Während die globalen Handelsstreitigkeiten zunehmen, strömen die Anleger in den Franken, der als sicherer Hafen gilt. Die Schweizer Währung nahm Anfang dieser Woche die Marke von 1,09 Franken pro Euro und notierte am Donnerstag bei 1,0952 um 15:15 Uhr in Zürich.

SNB-Präsident Thomas Jordan scheint kein Fan von starken geldpolitischen Signalen zu sein. Im Gegensatz zur Bank of England oder zur EZB gibt er keinen Ausblick auf den zukünftigen Zinspfad.

Keine Warnung

Eine derartige Kommunikation “würde immer davon abhängig sein, was die EZB tut oder was an den Finanzmärkten geschieht”, sagte Karsten Junius, Chefökonom bei Bank J. Safra Sarasin. „Also versuchen sie es gar nicht.”

Jordan und seine Schweizer Kollegen halten die Investoren generell gerne in Atem. Zuletzt haben sie bei ihrer Entscheidung im Juni einen neuen Leitzins eingeführt und den alten abgeschafft - wieder ohne Vorwarnung.

Die SNB-Verantwortlichen folgen einer im Laufe der Jahre entwickelten Strategie, die den Spekulanten den Wind aus den Segeln nehmen soll. Deren Handelsaktivitäten haben die realen Kapitalzuflüsse in die Schweiz sowie den Druck auf die Währung verschärft.

Diesmal könnte die Zentralbank beschließen, die Verteidigung des Frankens über Interventionen etwas länger fortzusetzen, bevor sie ihre Reaktion eskalieren lässt. Abgesehen von einer Zinssenkung könnten andere mögliche Instrumente auch die Optimierung von Regeln umfassen, durch die einige Bankeinlagen vom Strafzins ausgenommen sind.

Natürlich könnte die SNB immer wieder überraschen, indem sie mit ihrer Praxis der Überraschungen bricht - und bei der nächsten geplanten Entscheidung eine liefert. Die Entscheidung ist für den 19. September vorgesehen, eine Woche nach der EZB-Sitzung, bei der erwartet wird, dass Mario Draghi die Zinsen senken wird.

--Mit Hilfe von Rita Hagedorn und Ven Ram.

Kontakt Reporter: Catherine Bosley in Zurich cbosley1@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Fergal O'Brien fobrien@bloomberg.net, Rainer Buergin

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