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Übernahme unter Zahlungsdienstleistern: Worldline schluckt Ingenico

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Worldline will die Entwicklung im europäischen Zahlungsverkehr beschleunigen. Zurzeit leidet der französische Konzern allerdings unter der Coronakrise.

Der französische Zahlungsdienstleister Worldline hat den Wettbewerber Ingenico geschluckt. Worldline-Chef Gilles Grapinet nannte die Übernahme am Freitag einen „sehr spannenden Meilenstein“ für den Konzern. Worldline ist der größte Zahlungsdienstleister in Europa und viertgrößte Anbieter weltweit.

Aus dieser Position heraus nimmt Worldline sich viel vor: Man wolle die Entwicklung im europäischen Zahlungsverkehr beschleunigen „und die Art und Weise mitgestalten, in der wir bezahlen, leben und unseren Geschäften nachgehen“, so Grapinet.

Die beiden französischen Unternehmen hatten die Fusion im Februar angekündigt. Ingenico wurde dabei mit 7,8 Milliarden Euro bewertet. In Deutschland ist Worldline unter anderem durch Payone vertreten, einem Gemeinschaftsunternehmen von Sparkassen und Ingenico.

Die Branche der Zahlungsdienstleister steckt mitten in einer Konsolidierungswelle. In den USA gab es mehrere Megadeals, auch in Europa zeichnen sich weitere Fusionen ab. Anfang Oktober haben die beiden italienischen Zahlungsdienstleister Nexi und Sia ihre Fusionspläne kundgetan. Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge hat Nexi daneben ein unverbindliches Angebot für den dänischen Zahlungsdienstleister Nets gemacht. Zu Nets gehört Concardis, ein Payment-Unternehmen, an dem ehemals eine Gruppe deutscher Banken beteiligt war.

Selbst der Wirecard-Skandal hat das Interesse von Investoren an der Branche nicht gebremst. Der Aktienkurs etwa des niederländischen Zahlungsdienstleisters Adyen ist rasant gestiegen, auch der Worldline-Kurs erholte sich nach einem Einbruch im März deutlich. Andere Firmen, zum Beispiel Klarna, erhielten frisches Geld von Kapitalgebern.

Worldline bietet zusätzlich Zahlungsdienste für Banken

Zahlungsdienstleister wickeln im Auftrag von Händlern Zahlungen ab, online oder auch an der Ladenkasse. Zudem binden sie verschiedene Bezahlarten in Onlineshops ein und übernehmen Zusatzdienstleistungen wie etwa den Schutz vor betrügerischen Transaktionen. Anders als viele Wettbewerber bietet Worldline zudem Zahlungsdienste für Banken an.

In der Coronakrise ging zwar der Umsatz im stationären Einzelhandel zurück, dafür boomt das Onlineshopping. Anders als Adyen hat Worldline vom E-Commerce-Boom aber unterm Strich nicht so stark profitiert. Der Umsatz im dritten Quartal sank um drei Prozent, im zweiten Quartal war er sogar um mehr als zehn Prozent zurückgegangen.

Adyen steigerte Umsatz und Vorsteuergewinn dagegen erneut deutlich. Das Unternehmen, das auf Onlinezahlungen spezialisiert ist, steht sogar noch besser da als gedacht. Der Zahlungsdienstleister revidierte die Zahlen seit 2018 nach oben. Der Grund dafür ist, dass das Unternehmen fälschlicherweise Kosten bestimmter Kreditkartenzahlungen doppelt verbucht hatte.

Allerdings zieht Adyen damit Kritik auf sich. Nach Ansicht der Analysten der DZ Bank wirft die Korrektur vor dem Hintergrund der Wirecard-Insolvenz abermals „Fragen hinsichtlich der Bilanzierung im Sektor auf und ist keineswegs vertrauenserweckend“. Da das Unternehmen jedoch jung sei und sich zuvor schlecht gerechnet hätte, „sehen wir das Restatement aber als einen verzeihlichen Fehler an“, so die Experten.

Adyen erklärte, die Firma arbeite ständig weiter an automatischen Kontrollen, im Zuge dieses Prozesses habe man die Fehlbuchungen bemerkt. Sie hätten keinen Einfluss auf die Liquidität des Unternehmens sowie auf Zahlungen von anderen Firmen oder Auszahlungen an Händler.

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