Deutsche Märkte geschlossen

Die Übernahme der Mailänder Börse ist ein wichtiger Schritt für den Finanzplatz Europa

·Lesedauer: 2 Min.

Mit dem Verkauf der Borsa Italiana an Euronext kann Europa als Finanzplatz global besser mithalten. Dass Deutschland leer ausgegangen ist, ist nur eine Fußnote.

In Italien wird gejubelt über den Verkauf der Mailänder Börse an Euronext. Die Freude in Rom ist groß, weil sich jetzt neue Möglichkeiten auftun, den Unternehmen in der Krise zu helfen und den Investitionsstau des Landes zu beheben. Außerdem bleibt das wertvollste Asset, die Plattform für den Handel von Staatsanleihen MTS, dank der Beteiligung der Förderbank CDP unter italienischer Kontrolle. Und es geht natürlich auch um Prestige: Italien wird der wichtigste Einzelmarkt der Euronext.

Der Deal ging erstaunlich schnell über die Bühne, in weniger als einem Monat. Vermutlich wollten alle Beteiligten den Abschluss so bald wie möglich. Der Preis von 4,3 Milliarden Euro war deutlich höher als von Analysten erwartet. Schon lange war klar, dass die London Stock Exchange (LSE) ihre Tochter abstoßen wollte. Ein Grund: Mitte Dezember entscheidet die EU-Kommission, ob die LSE den US-Datenanbieter Refinitiv übernehmen kann, das Geschäft hat ein Volumen von 27 Milliarden Euro. Dafür ist allerdings grünes Licht der Brüsseler Wettbewerbsbehörde nötig und eine Bedingung ist der Verkauf der italienischen Tochter.

Doch es geht gar nicht um Italien. Es geht um viel mehr, um einen entscheidenden Schritt zu einer Konsolidierung in Europa. Mit der Eingliederung der Borsa Italiana entsteht eine mächtige Gruppe mit mehr als 1800 notierten Unternehmen, ein neuer Champion in Europa. Rund ein Viertel des europäischen Aktienhandels wird künftig über Euronext laufen.

Das bringt die Realisierung der EU-Kapitalmarktunion voran, die bisher nicht verwirklichte Idee, den Finanzmarkt zu stabilisieren und Wachstum zu schaffen. Passend sprach der Euronext-Chef Stéphane Boujnah sogleich davon, die neue Gruppe werde die „Wirbelsäule“ der künftigen Kapitalmarktunion sein.

Das Ziel wird mit dem anstehenden Brexit noch wichtiger, wenn der Finanzmarkt London wegfällt. Wenn Europa künftig global mithalten will gegenüber New York und den asiatischen Handelsplätzen, ist eine große Schlagkraft vonnöten. Man braucht als Parallele nur auf das Gewicht oder vielmehr das Gefälle bei den Banken dies- und jenseits des Atlantiks zu schauen.

Dass die Deutsche Börse beim Bieten um die Borsa Italiana leer ausgegangen ist, ist nur eine Fußnote. Und auch, dass die Marktkapitalisierung der Deutschen Börse mit derzeit rund 28 Milliarden Euro deutlich höher liegt als die von Euronext mit knapp sieben Milliarden Euro. Entscheidend ist die Bewegung in der Branche. Der Euronext-Deal ist sicher nur der Anfang.