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Österreichischer Versicherer Uniqa an Osteuropa-Geschäft der Axa interessiert

Die Verhandlungen sind einem Insider zufolge auf der Zielgeraden. Es geht um das Geschäft in drei Ländern im Wert von einer Milliarde Euro.

Der österreichische Versicherungskonzern Uniqa will sein Osteuropa-Geschäft offenbar mit einem Milliardenkauf ausbauen. Die Wiener Gruppe befindet sich der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge mit dem französischen Axa-Konzern „in fortgeschrittenen Gesprächen“ über den Kauf des Versicherungsgeschäfts in Tschechien, der Slowakei und Polen.

Der Wert der Transaktion soll sich auf eine Milliarde Euro belaufen. Die Transaktion soll einem Insider zufolge demnächst über die Bühne gehen. Uniqa wollte sich am Freitag auf Anfrage nicht dazu äußern.

Für Uniqa wäre es der größte Zukauf in Ostereuropa seit Jahren. Uniqa-CEO Andreas Brandstetter sieht seit Langem Osteuropa als Wachstumsmotor seiner österreichischen Versicherungsgruppe. „Osteuropa ist für uns der Wachstumsjoker“, sagte der ÖVP-nahe Vorstandsvorsitzende schon 2018. Der Politikwissenschaftler steht seit neun Jahren an der Spitze der Uniqa mit ihren rund 20.000 Mitarbeitern.

Die Versicherungsgruppe hat für sich zwei Kernmärkte definiert: Österreich, wo Uniqa seit mehr als 200 Jahren aktiv ist, und Osteuropa. „Wir wollen auch anorganisch wachsen und halten daher nach Zukäufen Ausschau“, kündigte der Uniqa-CEO bereits vor eineinhalb Jahren an.

Die Wiener Versicherungsgruppe soll im Bieterkampf um das Axa-Geschäft in Osteuropa zuvor ihre Konkurrenten, die österreichische Vienna Insurance Group sowie die italienische Generali, ausgestochen haben. Eine Bestätigung dafür gab es aber nicht. Die französische Axa hatte im Herbst vergangenen Jahres ihr Versicherungsgeschäft in den wirtschaftlich boomenden EU-Ländern Tschechien, Slowakei und Polen zum Verkauf gestellt.

Die Franzosen wollen sich bei ihrer künftigen Expansion stärker auf Asien statt auf Osteuropa ausrichten. Der Verkaufsprozess wird von der Investmentbank Goldman Sachs begleitet. Axa ist die zweitgrößte Versicherungsgruppe in Europa.

Uniqa wird umgebaut

Der Markt in Österreich bietet für Uniqa kaum noch Wachstumsmöglichkeiten. Das Unternehmen hat sich bis 2023 zum Ziel gesetzt, sich von einem reinen Risikotarifanbieter zu einem integrierten Servicedienstleister vor allem im Bereich der privaten Gesundheitsversicherung in Österreich und Osteuropa entwickeln. Der Versicherungskonzern ist in Österreich, Liechtenstein, der Schweiz und in 15 osteuropäischen Ländern aktiv. Am 20. Februar stellt Uniqa seine Jahresbilanz vor und gibt eine Vorhersage für das laufende Geschäftsjahr.

Die Uniqa befindet sich derzeit in einem Umbauprozess. Der 50-jährige Brandstetter hat mit der Verschlankung und der strategischen Weiterentwicklung bereits begonnen. Der Restrukturierungsprozess mit der beschlossenen Zusammenlegung der drei Tochtergesellschaften in Österreich, dem auch Vorstandsposten zum Opfer fallen, soll bis 2024 abgeschlossen sein.

Die Hauptversammlung im Juni muss die Fusion der österreichischen Tochtergesellschaften noch genehmigen. Das kündigte der Vorstandschef gegenüber der österreichischen Nachrichtenagentur APA an. Der Konzern will damit kostengünstiger wirtschaften und schneller werden, um die digitale Transformation zu beschleunigen.