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Ölpreise steigen - Hoffnung auf Anstieg der Nachfrage

NEW YORK/LONDON (dpa-AFX) - Hoffnungen auf eine anziehende Nachfrage haben die Ölpreise am Dienstag gestützt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent wurde zuletzt bei 30,09 US-Dollar gehandelt. Das waren 46 Cent mehr als am Montag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI stieg um 1,46 Dollar auf 25,62 Dollar.

Nach Einschätzung von Marktbeobachtern werden die Ölpreise durch die Hoffnung auf einen baldigen Anstieg der Nachfrage gestützt. Zuletzt haben immer mehr Industriestaaten ihre Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Corona-Pandemie gelockert. Führende Volkswirtschaften fahren damit ihre Produktion wieder hoch und sorgen für einen höheren Energieverbrauch.

Rohstoffexperte Eugen Weinberg von der Commerzbank begründete die aktuell steigenden Ölpreise auch mit der Förderpolitik in der Organisation erdölexportierender Länder (Opec): "Die Opec versucht anscheinend mit aller Macht das Überangebot zu reduzieren." Zu Beginn der Woche hatte Saudi-Arabien als führendes Mitglied des Ölkartells eine zusätzliche Reduzierung der Fördermenge um täglich eine Million Barrel pro Tag im Juni angekündigt. Experte Weinberg verwies auf die Opec-Staaten Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate, die mittlerweile ebenfalls stärker kürzen wollten als vereinbart.

US-Präsident Donald Trump zeigt sich erfreut über die Produktionskürzungen von Saudi-Arabien. Er verwies auf besser Aussichten für US-Ölunternehmen: "Unsere großen Energieunternehmen mit Millionen von Jobs beginnen wieder sehr gut auszusehen." Gleichzeitig würden sich die niedrigen Benzinpreise wie Steuersenkungen wirken. Er sprach von der "Besten aller Welten".

Im weiteren Handelsverlauf dürfte die Entwicklung der Ölreserven wieder stärker in den Fokus am Ölmarkt rücken. Im Tagesverlauf werden Daten des Interessenverbands American Petroleum Institute (API) zu den Lagerbeständen in der vergangenen Woche erwartet.

"Es genügt ein geringfügiger Rückgang der Nachfrage um die Rohöl-Lager gefährlich nahe an die Kapazitätsgrenze zu treiben", warnte Michael McCarthy, Chefstratege beim Broker CMC Markets Asia Pacific. Die Produktionskürzungen dürften mittelfristig zwar wirken, aber die kurzfristige Situation bereite Sorge, sagte der Experte.