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Die Ölmärkte stehen vor einem "wahnsinnig schwierigen" Sommer, weil die russische Produktion wegen der EU-Sanktionen stark zurückgeht, so Experten

Die EU will russische Öleinfuhren verbieten. - Copyright: Yuri Smityuk\TASS via Getty Images
Die EU will russische Öleinfuhren verbieten. - Copyright: Yuri Smityuk\TASS via Getty Images

Trotz der harten Sanktionen als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, ist es dem Westen bislang nicht gelungen, seinen verzweifelten Durst nach Energie aus Russland zu stillen. Im Gegenteil: Russland exportiert heute sogar mehr Öl als noch vor dem Ausbruch des Krieges – und nimmt damit monatlich rund 20 Milliarden Dollar durch Auslandserträge ein. Das geplante Ölembargo seitens der EU soll das nun ändern.

So will die EU bis Ende des Jahres ihre russischen Ölimporte um 90 Prozent kappen. Experten gehen davon aus, dass die russische Produktion damit um zehn Prozent zurückgehen wird. Die Ölpreise sind in diesem Jahr auf Rekordhöhe geklettert. Den Fachleuten zufolge steht dem Ölmarkt ein „wahnsinnig schwieriger“ Sommer bevor. Der Rückgang der russischen Produktion werde sich bemerkbar machen, aber die Nachfrage werde hoch bleiben. Das liege unter anderem daran, dass die Menschen aufgrund der post-pandemischen Lockerungen besonders reisefreudig seien.

Indien treibt Russlands Ölexporte nach oben

Während zahlreiche Länder russisches Rohöl gemieden haben, machen sich andere Länder die Sanktionen zunutze. Angelockt durch die hohen Rabatte auf russisches Ural-Öl, sind die Käufe in Indien von beinahe null auf über 800.000 Barrel pro Tag gestiegen. Nach Schätzungen der Internationalen Energieagentur exportierte Russland in den letzten drei Monaten im Durchschnitt 7,8 Millionen Barrel Öl pro Tag. Das ist ein Anstieg gegenüber 7,5 Millionen Barrel täglich im Jahr 2021 – diese Zahlen dürften mit dem künftigen Ölembargo seitens der EU bis zum Ende des Jahres sinken.

Besonders besorgniserregend für den Markt ist, dass die EU Versicherungen für Schiffe mit russischem Erdöl verbieten möchte, so Claudio Galimberti, leitender Analyst beim Beratungsunternehmen Rystad Energy. „Das ist wahrscheinlich die wichtigste Maßnahme“, so Galimberti zu Business Insider. Vor allem, wenn Großbritannien das Verbot durchsetze. „Es gibt im Moment nicht viele Alternativen zu den Londoner Versicherungen“, sagte er.

Sobald die russischen Exporte abnehmen, werden die Anlagen des Landes ihre Produktion drosseln müssen. Nach Schätzungen von Analysten wird die Produktion, die im Mai bei etwas mehr als zehn Millionen Barrel pro Tag lag, um etwa ein bis zwei Millionen Barrel zurückgehen. Die IEA geht sogar von drei Millionen pro Tag aus. Der Produktionsrückgang werde wahrscheinlich gegen Ende 2022 eintreten. „Die unmittelbare Auswirkung wird ein wahnsinnig schwieriger und wahnsinnig knapper Sommer sein“, sagte Viktor Katona, Analyst beim Energieanalyseunternehmen Kpler, zu Business Insider.

Die Nachfrage bleibt konstant

Die Lücke wird nur schwer zu schließen sein. Obwohl sich die OPEC+-Gruppe der Erdöl produzierenden Länder Anfang des Monats auf eine Erhöhung der Fördermenge einigte, konnte die Vereinbarung den Preisanstieg kaum bremsen. Ein Atomabkommen mit dem Iran, das weitere Barrel freisetzen könnte, scheint in weiter Ferne.

Unterdessen hat die Nachfrage kaum nachgelassen. Der Rekordanstieg der Gaspreise hat demnach zwar einige Autofahrer abgeschreckt – aber nicht viele. „Unserer Ansicht nach handelt es sich eher um eine Nachfrageerosion als um eine Nachfragezerstörung“, so Suzanne Danforth, Forschungsdirektorin bei der Energieberatungsfirma Wood Mackenzie, zu Business Insider. „Die Benzinnachfrage zum Beispiel ist im Vergleich zum letzten Jahr um vielleicht ein Prozent gesunken.“

Die Kombination aus dem stagnierenden Angebot aus Russland einerseits und der starken Nachfrage andererseits ist ein Rezept für noch höhere Preise, nehmen die Experten an. Katona geht davon aus, dass die Rohölsorte Brent in diesem Sommer auf etwa 135 Dollar pro Barrel steigen und sich dort monatelang halten wird. Goldman Sachs prognostiziert, dass der Ölpreis auf 140 US-Dollar ansteigen wird und noch weiter in die Höhe schießen könnte.

Es gibt keine einfache Lösung. Da es kaum Hoffnung auf ein Wachstum des Angebots gibt, könnte eine von den Zentralbanken herbeigeführte Rezession das Einzige sein, was die Nachfrage senkt. „Wahnsinnig hohe Zinserhöhungen – das ist im Grunde unsere beste Hoffnung, die Ölpreise zu senken“, so Katona.

Dieser Artikel wurde von Lara Hansen aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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