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Ökonomen-Stimmen zum Ifo-Geschäftsklima

FRANKFURT (dpa-AFX) -Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im November unerwartet deutlich verbessert. Das Ifo-Geschäftsklima stieg zum Vormonat um 1,8 Punkte auf 86,3 Zähler, wie das Ifo-Institut am Donnerstag in München mitteilte. Während sich die Erwartungen der Unternehmen merklich verbesserten, trübte sich die Bewertung der aktuellen Lage ein.

Die Einschätzung von Ökonomen zu der Entwicklung im Überblick:

Jens-Oliver Niklasch, Volkswirt Landesbank Baden-Württemberg (LBBW)

"Wir rücken vor aus der Zone der Untergangsangst in den Bereich normaler Rezessionssorgen. Die Erwartungen waren katastrophal, jetzt sind sie nur noch düster. Dazu haben vermutlich der erfolgreiche Aufbau der Gasspeicher und die fiskalpolitischen Maßnahmen beigetragen. Außerdem scheinen die Lieferketten wieder etwas stabiler. Aber machen wir uns nichts vor: Das sind die Indikatorwerte einer Rezession. Für Erleichterung besteht daher ungeachtet des deutlichen Anstiegs wenig Anlass."

Jörg Krämer, Chefvolkswirt Commerzbank:

"Der deutliche Anstieg des Ifo-Geschäftsklimas zeigt, dass die Unternehmen eine gewisse Verbesserung der konjunkturellen Rahmenbedingungen erkennen. So ist das Risiko einer Gasrationierung in den zurückliegenden Wochen deutlich gesunken, und die Bundesregierung hat ihr Entlastungspaket massiv aufgestockt. Außerdem hat der Schmerz bei den Materialengpässen weiter nachgelassen. Ich erwarte unverändert eine Rezession, mehr denn je aber keinen wirtschaftlichen Kollaps."

Ulrich Kater, Chefvolkswirt Deka-Bank:

"Die Rezession verliert ihren Schrecken. Die Unsicherheit über die Energieversorgung und damit die Produktionsbedingungen in den kommenden Monaten nimmt langsam ab, die Erwartungen der Unternehmen drücken wieder mehr Zuversicht aus. Die Rezession mag mild bleiben, die langfristigen Herausforderungen für die deutschen Unternehmen sind es nicht."

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt VP Bank:

"Hurra, der Weltuntergang bleibt aus! Gasmangellage, Blackout, fehlende Materialien und Finanzmarktkrise waren die Schlagworte der vergangenen Wochen. Doch zum allgemeinen Erstaunen verzeichnete die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal ein besser als erwartetes Wachstum. Die aktuelle Lage ist also weit weniger schlimm als die allgemeine Stimmung. Dies reflektiert auch der Ifo-Geschäftsklimaindex. Es klafft ein großes Loch zwischen der Einschätzung der Unternehmen zur aktuellen Lage und den weiteren Geschäftsaussichten."

Ralf Umlauf, Volkswirt Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba):

"Die Stimmung unter den deutschen Unternehmen verbessert sich unerwartet kräftig und das ist zusammen mit den Anstiegen anderer Konjunkturindikatoren ein positives Signal. Ob damit die Trendwende geschafft ist, muss sich in den nächsten Monaten zeigen. Zudem gilt es zu beachten, dass die niedrigen Niveaus der Stimmungsbarometer zunächst noch für eine schwache konjunkturelle Dynamik im laufenden Quartal sprechen. (...) Die EZB steht weiterhin unter Druck, wegen der hohen Geldentwertungsrate die Zinsen merklich zu erhöhen."

/jsl/jkr/mis