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Ökonomen-Stimmen zur erneuten EZB-Zinsanhebung

FRANKFURT (dpa-AFX) -Die Europäische Zentralbank (EZB) drückt beim Kampf gegen die Rekordinflation im Euroraum aufs Tempo. Der Rat der EZB beschloss am Donnerstag erneut eine Zinsanhebung um 0,75 Prozentpunkte. Damit steigt der Leitzins, zu dem sich Geschäftsbanken frisches Geld bei der EZB leihen können, auf 2,0 Prozent, wie die Notenbank in Frankfurt mitteilte. Mit ihren Zinserhöhungen will die EZB Kredite verteuern, um die Nachfrage zu bremsen und so hohen Teuerungsraten entgegenzuwirken. Der EZB-Rat geht davon aus, dass weitere Zinsanhebungen folgen werden.

Stimmen zu dem erneut verschärften Kurs von Ökonomen:

Ulrich Kater, Chefvolkswirt Dekabank:

"Eine entschlossene Inflationsbekämpfung durch einen großen Zinsschritt ist das einzig richtige Signal, welches die EZB senden musste. Es wird nicht die letzte Zinserhöhung sein. Zwar wird sich die Hälfte der gegenwärtig hohen Inflationsraten mit einer Beruhigung der Energiepreise im kommenden Jahr von selbst zurückbilden. Die andere Hälfte der Inflation wird jedoch über Zweitrundeneffekte noch lange nachwirken. Hier wird die EZB noch lange gegenhalten müssen und das bedeutet, dass die Zinsen in einer Rezession nicht gleich wieder gesenkt werden können."

Thomas Gitzel, Chefökonom VP Bank:

"Die EZB rammt heute einen weiteren Pfeiler ein. Von entscheidender Bedeutung ist nun allerdings, wie es im kommenden Jahr nach der Zinsanhebung im Dezember weitergeht. Da die Inflationsraten aufgrund deutlich gestiegener Energiepreise hoch bleiben werden, muss EZB-Chefin Christin Lagarde im kommenden Jahr wohl weitere Zinsanhebungen verkünden - trotz einer Rezession in der Eurozone. Aus dem zweiprozentigen Hauptrefinanzierungssatz dürfte wohl schon bald ein dreiprozentiger werden."

Jan Holthusen, Bereichsleiter DZ Bank Research

"Zwar können die Notenbanker kurzfristig nur wenig dazu beitragen, die Teuerung zu dämpfen. Ihre entschlossene Haltung demonstriert aber, dass die Institution gewillt ist, die massive Zielverfehlung von zwei Prozent nicht auf Dauer zu tolerieren. Trotzdem ist die EZB mit ihren Zinserhöhungen zu spät dran. Erste Erhöhungen wären schon vor einem Jahr angebracht gewesen. Nun versucht die EZB mit Jumbo-Zinsschritten Schadensbegrenzung zu betreiben. Das Zeitfenster könnte knapp werden, wenn die Eurozone in eine tiefe Rezession rutscht, was wahrscheinlich ist. Weitere Zinserhöhungen wären in einem solchen Umfeld zwar nicht unmöglich, aber deutlich schwerer zu vermitteln."

Carsten Brzeski, Chefvolkswirt ING

"In der gegenwärtigen Situation einer drohenden Rezession und großer Unsicherheit ist es eine Sache, die Geldpolitik zu normalisieren, aber es ist eine andere Sache, sich in einen restriktiven Bereich zu bewegen. Mit der heutigen Zinserhöhung ist die EZB dem Punkt sehr nahe gekommen, an dem aus normal restriktiv werden könnte."

Michael Hünseler, Leiter aktives Anleihemanagement bei der MEAG:

"Die Erläuterung des Zinsentscheids deutet auf eine verhaltenere Geldpolitik hin, als der Markt bisher einpreiste. Es ist unverändert von einem weiteren Zinsschritt in Höhe von 50 Basispunkten bei der nächsten Sitzung im Dezember auszugehen, was den Leitzins auf 2,5 Prozent bringen wird. Dass es danach jedoch im selben Tempo weitergehen könnte, ist nun unwahrscheinlicher geworden. Für die Kapitalmärkte bedeutet dies zunächst einmal ein Aufatmen, da die steigenden Zinsen bereits Rezessionsängste auslösten und auf die Aktienkurse drückten. Auch der Renditeaufschlag italienischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen, der gerne als Barometer für die Risikobereitschaft der Anleger genutzt wird, profitierte von der EZB-Kommunikation und ging spürbar zurück."

Ralf Umlauf, Analyst Landesbank Hessen-Thüringen:

"Die EZB hat die Markterwartungen zinspolitisch nicht enttäuscht und macht deutlich, dass sie sich dem Ziel der Preisniveaustabilität verpflichtet fühlt. So deutet die Zinsguidance auf das Erfordernis weiterer Zinserhöhungen hin, denn der EZB-Rat geht auf Grundlage seiner aktuellen Einschätzung davon aus, dass er die Zinsen in den nächsten Sitzungen weiter erhöhen wird, um die Nachfrage zu dämpfen und dem Risiko einer Aufwärtsverschiebung der Inflationserwartungen vorzubeugen. Wie bisher ist der zukünftige Zinspfad von den eingehenden Daten und den Inflationsperspektiven abhängig. Marktseitig scheint Erleichterung vorzuherrschen, da es keinen QT-Beschluss gegeben hat."