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Ökonomen-Prognose: Nur noch wenig Schwung im Aufschwung

·Lesedauer: 4 Min.

Die fünf wichtigsten Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen ab jetzt mit einer zähen Erholung der deutschen Wirtschaft – auch wegen der zweiten Corona-Welle.

Die Verwerfungen, die das Coronavirus und der Lockdown des Frühjahrs in der Wirtschaft angerichtet haben, werden auch in Deutschland noch lange zu spüren sein. Das erwarten die fünf wichtigsten Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrer neuen Gemeinschaftsdiagnose für die Bundesregierung.

Sie prognostizieren nun für das Jahr 2020 einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 5,4 Prozent und für 2021 ein Wachstum von 4,7 Prozent. „Erst Ende 2022 dürfte die deutsche Wirtschaft wieder normal ausgelastet sein“, sagte Stefan Kooths, Konjunkturchef des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel (IfW) bei der Vorstellung der Prognose am Mittwoch. 2022 soll das Wachstum 2,7 Prozent betragen.

Die Rezession 2020 fällt damit, aufs ganze Jahr gesehen, etwas weniger dramatisch aus als nach der Finanzkrise 2009, als das Bruttoinlandsprodukt 5,7 Prozent verloren hatte. Der Unterschied: 2009 zerstörte die Finanzkrise die Strukturen der Wirtschaft, weshalb die Erholung erst langsam in Gang kam. In diesem Jahr wirkten die Lockdowns wie eine Pausetaste, weshalb zunächst im Sommer eine starke Erholung einsetzte, so Kooths.

Allerdings war der Einbruch im März und April so heftig, dass die Langzeitschäden bisher noch nicht wirklich beurteilt werden können – zumal aktuell weltweit die Covid-19-Infektionszahlen wieder enorm zunehmen.

Die Analyse der Institute dient der Bundesregierung als Basis für ihre eigene Konjunkturprognose und die Steuerschätzung im November. Bisher erwartet die Regierung, dass die Wirtschaft in diesem Jahr um 5,8 Prozent schrumpft und im nächsten um 4,4 Prozent wächst. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) wertete die Institutsprognose als Bestätigung seiner Einschätzung: „Der Abschwung dieses Jahr ist weniger dramatisch als ursprünglich befürchtet, im nächsten Jahr können wir einen kräftigen Aufschwung erwarten“, sagte er.

Die Zahlen der Gemeinschaftsdiagnose sind ein Mittelwert aus den Herbstprognosen der einzelnen Institute von Ende September. Im Vergleich zur letzten Gemeinschaftsprognose vom April 2020 ist das eine Verschlechterung – was aber in diesem Fall an den Zeitpunkten der Veröffentlichungen liegt: Im April war die Tiefe der Rezession noch nicht klar sichtbar. Alle beteiligten Forscher hatten zwischenzeitlich eine wesentlich tiefere Rezession zwischen minus sieben und minus zehn Prozent erwartet und dann im Sommer erleichtert aufgeatmet, als ab Ende Mai der zunächst sehr kräftige Wiederaufschwung eingesetzt hatte.

Hohe Investitionstätigkeit und Konsumlust von großer Bedeutung

Diesem Aufschwung geht nun weltweit, wie der Internationale Währungsfonds (IWF) am Dienstag in seinem World Economic Outlook prognostizierte, die Luft aus – auch in Deutschland. Gebremst wird die Erholung vor allem durch jene Branchen, die auf soziale Kontakte angewiesen sind, etwa Gaststätten und Tourismus, das Veranstaltungsgewerbe oder der Luftverkehr. „Dieser Teil der deutschen Wirtschaft wird noch längere Zeit unter der Corona-Pandemie leiden und erst dann am Erholungsprozess teilhaben, wenn Maßnahmen zum Infektionsschutz weitgehend entfallen“, so Kooths. Die Institute rechnen damit erst im nächsten Sommer.

Trotz aller Schwierigkeiten halten die Institute das Risiko eines Rückfalls in die Rezession für eher gering. „Wir alle haben seit dem Frühjahr deutlich mehr gelernt, wie wir das Virus kontrollieren können“, sagt Timo Wollmershäuser, Konjunkturchef des Ifo-Instituts. Es zweiter Lockdown werde daher wohl nicht nötig.

Für den weiteren Aufschwung hängt viel auch davon ab, wann die Unternehmen wieder mehr investieren und die Konsumenten wieder weniger sparen.

Die Coronakrise hinterlässt auch am Arbeitsmarkt deutliche Spuren. Trotz massiver Kurzarbeit gingen bis zur Jahresmitte 820.000 Stellen verloren. Seitdem steigt die Zahl der Erwerbstätigen wieder leicht, das Vorkrisenniveau wird aber erst Mitte 2022 erreicht werden. Die Arbeitslosenquote dürfte dieses und nächstes Jahr bei 5,9 Prozent liegen und erst 2022 leicht auf 5,5 Prozent zurückgehen.

Die Konjunkturprogramme jedenfalls haben nach Ansicht der Wissenschaftler sehr geholfen, dass die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte selbst in der tiefsten Krisenphase insgesamt relativ stabil blieben. Allerdings streiten sich die Konjunkturforscher über den Effekt der bis zum Jahresende befristeten Mehrwertsteuersenkung. Vier der Institute meinen, diese mehr als 20 Milliarden Euro teure Maßnahme hätte sich die Bundesregierung schenken können. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) dagegen findet sie gut, weil es in Zeiten größter Unsicherheit ein sehr notwendiger Konsumimpuls war, sagt DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen.

Einig allerdings sind sich die Institute, dass ab jetzt die Hilfen zielgerichteter auf genau die Beschäftigten und Branchen ausgerichtet werden müssten, die wirklich Einkommenseinbußen erlitten haben. Altmaier reagierte darauf bereits. Am Donnerstag schlug er vor, die Überbrückungshilfen für kleinere Unternehmen zu verlängern und dann auch einen Unternehmerlohn für Kleinselbstständige einzuführen.

Die milliardenschweren Konjunkturprogramme haben den staatlichen Gesamthaushalt tief ins Minus gerückt. Er wird nach dem Gemeinschaftsgutachten 2020 mit einem Rekorddefizit von 183 Milliarden Euro abschließen. Das wäre ein Defizit von 5,5 Prozent des BIP.

Angesichts der Tiefe der Rezession sei es aber richtig gewesen, dass der Staat massiv eingegriffen habe, so die Forscher. Auch in den kommenden beiden Jahren bleiben die Defizite mit 3,3 und 2,5 Prozent des BIP beträchtlich.

Mehr: Die Bundesbank erwartet, dass die aufgeschobene Insolvenzwelle bald ins Rollen kommt.