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Die Ära Castro in Kuba geht zu Ende

Katell ABIVEN
·Lesedauer: 3 Min.
Raúl Castro (l.) winkt den Delegierten zu

In Kuba geht die Ära Castro zu Ende: Auf einem Parteitag der kommunistischen Einheitspartei, der am Freitag in Havanna begann, scheidet der bisherige Parteichef Raúl Castro aus dem Amt. Neben dem 89-jährigen Bruder des 2016 verstorbenen langjährigen Präsidenten und Revolutionsführers Fidel Castro verabschieden sich auch der 90-jährige José Ramón Machado Ventura und der 88-jährige Ramiro Valdés aus der Führungsriege der Partei.

Mehr als sechs Jahrzehnte standen die Brüder Castro an der Spitze des Karibikstaates, so dass die meisten Einwohner gar keine Erinnerung an die Zeit vor dieser Ära haben. Voraussichtlich am Montag soll Präsident Miguel Díaz-Canel, der mit seinen 60 Jahren schon fast für einen epochalen Umbruch steht, zum neuen Ersten Sekretär der Kommunistischen Partei Kubas (PCC) gewählt werden.

Das Präsidentenamt hatte Díaz-Canel schon 2018 von Raúl Castro übernommen. Es war der erste Generationswechsel an der kubanischen Staatsspitze seit der Revolution. Raúl Castros älterer Bruder Fidel, der in Kuba immer noch als máximo líder verehrt wird, hatte von 1959 bis 2006 Kubas Regierungsgeschäfte geführt. Als der Revolutionsführer erkrankte, übernam Raúl Castro 2006 die Regierungsgeschäfte und wurde 2008 formell zum Staatschef gewählt. Nun legt der 89-Jährige neben dem Präsidentenamt auch das höchste Parteiamt nieder.

"Ein Land erträumen und fortführen: Heute beginnt der 8. Parteitag der PCC", schrieb Díaz-Canel am Freitag im Onlinedienst Twitter. Er kündigte einen "Parteitag der Kontinuität" an. Auch an der Politik Kubas werde sich nichts ändern, versprach der Präsident.

Das Treffen der Parteidelegierten begann exakt 60 Jahre, nachdem Fidel Castro den sozialistischen Charakter der kubanischen Revolution proklamiert hatte. Teile der Debatte aus der im Prinzip nicht öffentlichen Veranstaltung sollten im Fernsehen übertragen werden.

Über den Beginn des Parteitags berichtete das Staatsfernsehen am Freitagmorgen zunächst nicht. Wie das staatliche Nachrichtenportal Cubadebate berichtete, stellte Raúl Castro den Delegierten nach einer Würdigung seines Bruders Fidel den offiziellen Parteitagsbericht vor.

Auf den Straßen Havannas, auf denen wegen der Corona-Pandemie in diesen Tagen kaum Touristen anzutreffen sind, war das Interesse an dem Parteitreffen eher gering. Die Kubaner sind mit ihren alltäglichen Sorgen beschäftigt - bei der Versorgung mit Lebensmitteln, beim Anstehen vor den Geschäften und beim Umgang mit der schwindelerregenden Inflation. "Ich hoffe, dass das mit dem Parteitag besser wird", klagt die 68-jährige Rentnerin María Martínez. "Die Preise sind sehr hoch."

Der Politikwissenschaftler Harold Cárdenas spricht von einem "starken Gefühl der Ermüdung", das sich in der kubanischen Gesellschaft breit gemacht habe. Das hänge einerseits mit der Sanktionspolitik des früheren US-Präsidenten Donald Trump zusammen, andererseits mit dem mangelnden Vertrauen der kubanischen Bevölkerung in die "Projekte und Versprechungen" ihrer eigenen Regierung.

Trumps Sanktionen hatten zur Folge, dass die Kreuzfahrtschiffe mit den US-Touristen ausblieben und schließlich auch die Überweisungen, die die Kubaner von ihren Angehörigen im Ausland erhalten hatten.

Seit einigen Monaten ist in Kuba die soziale Unzufriedenheit ungewöhnlich spürbar - was mit der Verbreitung des mobilen Internets zu tun hat. Es gab Proteste von Künstlern, Dissidenten und Tierschützern. In den Online-Netzwerken kamen Forderungen von jungen Leuten nach politischer Freiheit und mehr Meinungsfreiheit auf.

mid/ck