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Interne Unterlagen enthüllen: Deutsche Bahn erhöht Managern das Grundgehalt um bis zu 14 Prozent und stellt das Bonusprogramm um

 - Copyright: Photo by Carsten Koall/Getty Images
- Copyright: Photo by Carsten Koall/Getty Images

Viel los bei der Deutschen Bahn. Die Anfrage von Business Insider zur Vergütung von Top-Managern wäre fast untergegangen, erklärt eine Bahnsprecherin und verweist auf die hitzigen Tarifverhandlungen. Die Gewerkschaft EVG verlangt zwölf Prozent mehr Lohn für 180.000 Beschäftige – mindestens aber 650 Euro pro Monat. Die Bahn gibt sich angesichts der Milliardenbelastung für den Konzern halb geschockt, halb gesprächsbereit, legte aber bislang kein eigenes Angebot vor. Für die Arbeitnehmervertreter ein Grund, die Verhandlungen bereits nach zwei Stunden wieder abzubrechen – und mit Warnstreiks zu drohen.

Für viel weniger Aufsehen sorgte dagegen die neue Gehaltsstruktur für den oberen Führungskreis (OFK), die der Konzernvorstand Ende des vergangenen Jahres geräuschlos aufpoliert hat. Business Insider liegen interne Unterlagen vor, die "konkrete Verbesserungen" der Bezahlung der 3000 Leitenden Angestellten aufzeigen. Die Vergütung wurde demnach zum 1. Januar "verlässlicher, krisenfester und damit attraktiver". Zudem heißt es in den Bahn-Dokumenten: "Im Mittelpunkt der Weiterentwicklung der Vergütungsstruktur steht der sogenannte 'Pay Mix', also das Verhältnis von Grundvergütung und variabler Vergütung." Kriseneffekte, wie beispielsweise die Pandemie, sollen künftig weniger Einfluss auf die Gesamtvergütung haben.

Bahn-Papier: "Gesamtvergütung erhöht sich"

Wie aus den vertraulichen Bahn-Akten hervorgeht, hat die Bahn die Grundgehälter der Manager um bis zu 14 Prozent angehoben. Daneben modifizierte der Konzern das Bonussystem: Zum einen sinkt der Anteil kurzfristiger Prämien (STI), dafür erweiterte der Vorstand die langfristige variable Vergütung (LTI) für viele Führungskräfte. Auf Anfrage relativiert eine Bahnsprecherin die Veränderungen. Sie spricht von "Zielgehältern", die nicht erhöht worden seien. "Unter dem Strich damit über alles ein Nullsummenspiel", heißt es in einem schriftlichen Statement. Ganz anders klingt das in den internen Schreiben, mit denen die Manager im vergangenen Herbst aufgefordert wurden, Änderungsvereinbarungen zu unterzeichnen. Dort heißt es: "Dadurch wird Ihre Gesamtvergütung deutlich planbarer und erhöht sich."

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Beispiel: Ein Top-Manager der Stufe OFK 1 erhielt im vergangenen Jahr ein Grundgehalt in Höhe von 190.000 Euro. Im Rahmen des neuen Vergütungssystems wurde es um 14 Prozent auf rund 216.000 Euro angehoben. Durch die "außerplanmäßige Erhöhung der Grundvergütung" wächst auch die Versorgungsanwartschaft der Betriebsrente. Dagegen sinkt der kurzfristige Bonus ab 2023 von 50 auf 30 Prozent der Grundvergütung, sollte der Manager die unternehmerischen und individuellen Ziele zu 100 Prozent erfüllen. Dieser Prozentsatz könnte sich theoretisch in einem phänomenalen Jahr auf 200 verdoppeln, in einem ganz schlechten Jahr aber auch auf Null fallen.

Bei Führungskräften der Stufen OFK 2 und 3 wird ähnlich verfahren. Grundgehalt rauf, Prämienanteil runter. Allerdings erhalten diese Führungskräfte nun auch eine langfristige variable Vergütung, die erst nach drei Jahren ausgezahlt wird.

Kein "Knock-Out-Kriterium" mehr für den Manager-Bonus in schlechten Jahren

In einem ordentlichen Geschäftsjahr würde sich die Gesamtvergütung nach der neuen Regelung kaum verändern. "Tatsächlich handelt es sich aber um eine versteckte Gehaltserhöhung", sagt ein Bahn-Vorstand zu Business Insider. "Mit dem neuen System gelangen die Gehälter der Führungskräfte in einen sicheren Hafen." Denn angesichts der bevorstehenden Anstrengungen des Konzerns rechnen Insider für die Zukunft mit eher bescheidenden Geschäftszahlen. Zugespitzt heißt das: Je schlechter das Unternehmensergebnis ausfällt, desto besser kommen die Manager mit dem neuen System weg. Eine Bahnsprecherin spricht von einer "Angleichung an die gängige Systematik im Vergleich zu Wettbewerbern sowie eine Minimierung der Diskussionen um die variable Vergütung".

Bonuszahlungen für Bahn-Manager sorgten in der Vergangenheit tatsächlich immer wieder für Gesprächsstoff. Im Katastrophenjahr 2020 gab die Führungsriege bekannt, angeblich freiwillig auf Prämien zu verzichten. Wie aus Verträgen von Top-Managern hervorgeht, die Business Insider einsehen konnte, enthalten diese allerdings eine ganz besondere Bonus-Klausel. Das sogenannte "Knock-Out-Kriterium" schreibt nämlich den gänzlichen Wegfall der variablen Vergütung vor, falls der Konzern nicht dividendenfähig ist. So war es 2020 zum Beispiel der Fall. Mit der Klausel soll also verhindert werden, dass Führungskräfte trotz Verlusten einen Bonus kassieren.

Noch eine pauschale Erhöhung des Grundgehalts um drei Prozent

Nach Recherchen von Business Insider hat die Bahn mit Einführung der neuen Vergütungssystematik im Januar diese Sicherung aufgehoben. Das "Knock-Out-Kriterium" findet für Führungskräfte, deren Vergütung nicht vom Aufsichtsrat festgelegt wird (OFK 1 bis 3), "keine Berücksichtigung" mehr. Offiziell wollte sich das Unternehmen dazu nicht äußern. In den Unterlagen heißt es, dass auch für Vorstände eine "analoge Regelung angestrebt" werde, die entsprechenden Gremienbeschlüsse aber noch herbeigeführt werden müssen. Im Klartext: Der Vorstand hat den Leitenden Angestellten eine Bonusgarantie ausgesprochen, und erwartet das gleiche von seinem Aufsichtsrat. Auch dazu: kein Kommentar.

"Betrachtet man das ganze Paket werden die Manager in den kommenden Jahren unterm Strich wohl deutlich mehr verdienen, als unter den heutigen Voraussetzungen", sagt ein Insider. Zumal die Bahn gleich noch eine weitere Gehaltserhöhung draufgelegt hat. Nach Informationen von Business Insider wurde das Grundgehalt für Leitende Angestellte pauschal um weitere drei Prozent angehoben – für Führungskräfte sind das gleich mehrere Tausend Euro pro Jahr. Auf Anfrage bestätigte dies das Unternehmen, wollte sich aber nicht weiter dazu äußern.