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Nike: Das Apple der Sportbranche läuft weiter allen davon

Nils Jacobsen
Wirtschaftsjournalist und Techblogger
The Rise and Fall
Nike-Turnschuhe sind bei Fälschern besonders beliebt (Bild: AP Photo/Mary Altaffer)

Der große Sportsommer geht in die entscheidende Phase: Die Fußball-Europameisterschaft, Wimbledon und natürlich die Olympischen Spiele – in diesen Wochen bekommen Sportfans geboten, wonach sie sich ein ganzes Jahr sehnen. Ganz vorne dabei: Branchenprimus Nike, der weiter unangefochten seine Bahnen zieht.

Die Spannung bei der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich steht vor den Halbfinals unmittelbar vor ihrem Höhepunkt – auch bei den Sportausrüstern. Nike hat dabei im ewigen Duell gegen die Fußballmarke Adidas erstaunlicherweise die Nase vorn – mit Portugal um Nikes großem Aushängeschild Cristano Ronaldo und Gastgeber Frankreich stellt der Branchenprimus gleich zwei Halbfinalisten, Adidas schickt lediglich die deutsche Nationalelf mit drei Streifen ins Titelrennen.

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"Ein Großereignis wie die EM ist eine Plattform, auf der die Hersteller ihre Marken unglaublich gut präsentieren können. Die Branche weiß, dass ein ganzer Kontinent und mehr zuschaut", erklärt Fondsmanager Thomas Jökel von der Union Investment gegenüber der ARD die Bedeutung der Fußball-EM für die großen Sportartikelhersteller.

Dabei ist die EM nur ein Zwischenstopp im großen Sportsommer, in dem Nike mit bester Gewinnermentalität wieder einmal groß abräumen könnte: Mit Serena Williams und Roger Federer in Wimbledon und unzähligen Goldmedaillengewinnern bei den Olympischen Spielen in Rio. Über-Ikone LeBron James, der mit Nike einen Vertrag auf Lebenszeit abgeschlossen hat, der dem besten Basketballer der vergangenen Jahre enorme 500 Millionen Dollar beschert, hat sich und seinem Ausrüster mit dem dramatischen NBA-Titel der Cleveland Cavaliers im Juni gerade erst ein Denkmal gesetzt.  

Das Wachstum bleibt zweistellig

LeBron James

Es sind Meilensteine wie LeBron James’ Triumphzug im siebten Spiel der NBA Finals, die die 52 Jahre alte Erfolgsstory des mit Abstand wertvollen Sportartikelanbieters der Welt mit immer neuen unvergesslichen Jubelbildern aufladen. Wirtschaftlich betrachtet dominiert Nike die Branche selbst so unangefochten wie seine Aushängeschilder, wie die Geschäftsentwicklung des gerade zu Ende gegangenen Fiskaljahres verdeutlicht.

Bei Erlösen von stolzen 32,4 Milliarden Dollar fuhr der US-Sportgigant unterm Strich satte 3,8 Milliarden Dollar ein – ein Zuwachs von immerhin 15 Prozent. Bei den vergangene Woche vorgelegten Geschäftszahlen für das vierte Fiskalquartal konnte sich CEO Mark Parker über ein Umsatzplus von acht Prozent auf 8,2 Milliarden Dollar freuen, die Nettogewinne gaben allerdings wegen gestiegener Marketingaufwendungen und der Wechselkurseffekte leicht um zwei Prozent auf 846 Millionen Dollar nach.

Ein Swoosh, der alles verändert

Das Quartal beendete gleichzeitig eine Ära: Vergangene Woche trat Phil Knight aus dem Aufsichtsrat zurück, der Nike 1964 gründet hat. Als 25-Jähriger startete der MBA-Absolvent zusammen mit dem Lauftrainer Bill Bowerman mit aus Japan importierten Laufschuhen. Was heute wie ein Selbstläufer erscheint, faszinierte seinerzeit nur Sportfreaks: Der Joggingkult der späten 60er-Jahre wurde maßgeblich von Nike, das damals noch Blue Ribbon Sports hieß,  mitgeprägt.

Der internationale Durchbruch gelang Knight und Bowerman erst mit der Umfirmierung in Nike – der eingängige Firmenname stammt von der griechischen Siegesgöttin –  und dem Haken-Logo, das alles verändern sollte: Dem sogenannten „Swoosh“. Phil Knight erklärte die Bedeutung so: „Das ist das Geräusch von jemandem, der an dir vorbeizieht“.

Adidas immer weiter distanziert

Der Goldesel unter den Sportrentner ist Michael Jordan.

Mit dem Siegerlogo kam der Siegeszug: Nike konnte sich durch seine Präsenz auf dem US-Markt seit den 80er-Jahren mit dem jahrzehntelangen deutschen Marktführer Adidas messen. Ein neuartiges Schuhkonzept mit einer Luftsohle („Nike Air“)  und die Kooperation mit Basketballstar Michael Jordan, für den Nike die Marke „Air Jordan“ kreierte, brachten den Welterfolg.        

In den 90er-Jahren schließlich gelang Knight und Bowerman der totale Triumph: Nike zog nach Umsätzen am Sportartikel-Pionier Adidas vorbei – und sollte sich nie mehr umdrehen. Im Gegenteil: Der Vorsprung vor den Herzogenaurachern ist in den vergangenen Jahren beständig größer geworden: Im vergangenen Geschäftsjahr fuhr Nike 70 Prozent mehr Umsatz als Adidas ein und verdiente gar fast das Fünffache. Adidas muss seinerseits aufpassen, nicht von Emporkömmling Under Armour, der neuen Nummer zwei in den USA, attackiert zu werden.

Aufstieg in Dow Jones

Der Lohn des Marathon-Erfolgs: Nike stieg 2013 in den US-Eliteindex Dow Jones auf und darf sich als eines der dreißig wichtigsten Unternehmen der USA fühlen – neben Ikonen der amerikanischen Wirtschaft wie Walt Disney, General Electric, Coca Cola und Apple. Tatsächlich erinnert auch bei Nike einiges an den iPhone-Hersteller: Wie die iGadgets aus Cupertino gelten Nike-Produkte als Kultprodukte.  

Nicht zuletzt die enge Verknüpfung des Nike-Erfolges mit Gründer Phil Knight erinnert an die   
Garagen-Gründerstorys aus dem Silicon Valley von Apple (Steve Jobs), Google (Larry Page und Sergey Brin), Facebook (Mark Zuckerberg) oder Amazon (Jeff Bezos), auch wenn Nikes  Headquarter in Beaverton bei Portland im Bundesstaat Oregon und damit 100 km von der Westküste entfernt angesiedelt ist.

Nike, das Apple des Sports

Wie Apple, das 2011 seinen ikonischen Gründer durch Krebs verlor, muss nun auch Nike ohne seinen Gründervater Phil Knight auskommen. Die Parallelen der Stabübergabe sind frappierend: Wie beim Techpionier, der seit fünf Jahren vom langjährigen COO Tim Cook geführt wird, hat bei Nike mit Mark Parker vor zehn Jahren ein Unternehmensveteran den CEO-Posten übernommen.

Den Brückenschlag zu Apple macht Tim Cook unterdessen perfekt: Der Apple-Chef, selbst ein bekennender Marathonfan, sitzt seit 2005 in Nikes Aufsichtsrat und stieg vergangene Woche zum "Lead Independent Director"  auf. Eine engere Kooperation zwischen Nike und Apple, die bis in die Tage des iPods zurückgeht, erscheint nicht zuletzt durch Apples Vorstoß in den Markt der Wearable- und Fitness Tracker naheliegend: Das Potenzial einer tieferen Zusammenarbeit sei „aufregend“, hatte Mark Parker erst vergangenes Jahr betont…

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