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Ikea persifliert Apple mit Katalog-Ankündigung

Nils Jacobsen
·Wirtschaftsjournalist und Techblogger


Im Videoclip zum neuen Ikea-Katalog, der in diesen Tagen erschienen ist, persifliert das schwedische Möbelhaus ausgerechnet den wertvollsten Konzern der Welt, mit dem es immer wieder gerne verglichen werden – Apple. Tatsächlich erinnert das Erfolgsprinzip des schwedischen Möbelhauses an den iPhone-Konzern.

„Das ist kein digitales Buch. Auch kein E-Book. Es ist ein Buchbuch“, parodiert Jörgen Eghammer, Ikeas „Chief Design Güru“ (sic!), Apples Video-Ankündigungen, die von Designchef Jony Ive stets in dezenter Optik und klarer Botschaft vorgetragen werden. Ikea hat allerdings kein iPhone, iPad oder eine iWatch zu enthüllen, sondern eben nur seinen neuen Einrichtungskatalog mit der aktuellen Herbst- und Winterkollektion – den (Wohn-)Kult in Papierform.  

So weit ist der 71-jährige schwedische Traditionskonzern inzwischen gekommen: Ikea nimmt Apple auf die Schippe – und wird doch als Apple der Möbelindustrie gefeiert. Tatsächlich erinnert das Erfolgsprinzip an den iPhone-Konzern.

Eine der größten Erfolgsstories der europäischen Wirtschaft der Nachkriegszeit

Seit mittlerweile 71 Jahren stattet das schwedische Möbelhaus Millionen Wohnungen und Häuser rund um die Welt mit skandinavischem Minimalismus aus: zurückgenommen und doch stylisch.

Der Aufschrei war groß: Plötzlich kam Ikea in die Nachbarschaft. Gerade mal 500 Meter entfernt vom Altonaer Bahnhof, dem zweitgrößten Hamburgs, verkauft nun einer der größten Möbelausstatter der Welt seine begehrten Einrichtungskollektionen, aus der Wohnungsträume gemacht sind.

Für viele Anwohner in Altona-Ottensen klang die Vorstellung zunächst wenig verlockend: Billy-Käufer aus ganz Hamburg würden in Scharen zum schwedischen Kult-Kaufhaus pilgern und das Gesicht des Szene-Stadtteil dabei mutmaßlich verändern. Es ist ein Experiment, wieder einmal in der langen Erfolgsgeschichte von Ikea: Das großflächige Möbelhaus kommt direkt zu seinen potenziellen Käufer – in die Stadt.

Vom elterlichen Bauernhof in die große weite Welt

Seit 1943 revolutioniert Gründer Ingvar Kamprad mit seinem Unternehmergeist den Einzelhandel. Begonnen hat alles im elterlichen Bauernhof Elmtaryd im Dorf Agunnaryd, woher auch der Name stammt – Ikea setzt sich aus den Initialen Ingvar Kamprad Elmtaryd Agunnaryd zusammen.

Zunächst verkaufte der gerade 17-jährige nur Alltagswaren wie Kugelschreiber, Streichhölzer oder Bilderrahmen – dann folgte vier Jahre später der Einstieg in den Möbelhandel mittels Versand. Weitere vier Jahre später waren bereits die ersten Konturen des heutigen Möbel-Imperiums erkennbar: Ikea bot den ersten Möbel-Katalog an, der bis heute maßgeblicher Bestandteil der kultigen Images ist, das „einen besseren Alltag für die vielen Menschen schaffen“ verspricht.

1958 eröffnete dann bereits das erste Möbelhaus, dessen Konzept bis heute weitgehend Bestand hat. Ikea-Möbel sind erschwinglich – und der Kauf ein Erlebnis, abgerundet durch den Besuch des Restaurants, das Kunden auch zur Mittagszeit an sich binden sollte. Ganz nebenbei wird auch noch schwedische (Ess-)Kultur vermittelt.

Gründer Ingvar Kamprad: „Der Aktienmarkt war keine Option für Ikea“

Bis heute gilt Ikea als einer der größten Exportartikel der skandinavischen Halbinsel. Dabei entzieht sich Ikea den klassischen Bewertungskriterien von Aktiengesellschaften, denn das Möbelhaus ist nicht börsengelistet, sondern operiert als Stiftung mit Hauptsitz in Leiden, Holland.  

„Ich beschloss, dass der Aktienmarkt keine Option für Ikea war“, erklärt Gründer Kamprad in der Rückschau seine Absage an die Kapitalmärkte. „Ich wusste, dass nur eine langfristige Perspektive unsere Wachstumspläne sichern konnte und wollte verhindern, dass Ikea von Finanzinstituten abhängig würde.“

Bekannt ist die durchaus beachtliche Geschäftsentwicklung trotzdem: Im vergangenen Jahr wurden mit 28,5 Milliarden Euro erneut Rekordumsätze erzielt – höhere Erlöse fährt in Schweden nur Volvo ein. Welche Erfolge dem Konzern gerade in jüngeren Vergangenheit gelungen sind, beweist ein Blick zurück: In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Umsätze fast verdreifacht. Einen maßgeblichen Anteil daran hat der deutsche Markt, auf dem die Schweden inzwischen mit 47 Einrichtungshäusern vertreten sind und bereits 4 Milliarden Euro erlösen.

Erfolgreichster Möbelhändler der Welt

Das Erfolgsgeheimnis liegt laut Ikea im Minimalismus, der sich vom Design bis zum Preis zieht: Ikea-Möbel seien als praktische (und verhältnismäßig günstige) Gebrauchsgegenstände gedacht, die den Alltag verschönern, aber nicht an kommende Generationen vererbt werden sollen: „Benutze es und wirf es weg“, lautete einst das Firmencredo, das inzwischen allerdings mit dem gerade verkündeten lebenslangen Rückgaberecht in Deutschland, Endland und Spanien überholt wird.  

Mit seinem Pragmatismus erzielt Ikea offenbar auch im Internet-Zeitalter Erfolge. Kein Möbelhändler weltweit setzt dort jährlich so viel um wie die Schweden, die in ein bis zwei Jahren das komplette Angebot auch online verfügbar machen wollen.