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Verträge mit Fitness-Studios: Viele Klauseln sind unwirksam

Vorsicht vor unsportlichen Vertragsfallen! (Bild: thinkstock)Es lebe der Sport! Wer seine Ausdauer verbessern möchte, Muskelmasse zulegen oder einfach diesen fiesen kleinen Speckröllchen am Bauch den Kampf ansagen will, ist in einem Fitness-Studio bestens aufgehoben. Dort ist gezieltes Training möglich und meist kann auch ein Wellness-Bereich mit genutzt werden. Klasse! Nicht ganz so klasse finden viele die Verträge, die man in derartigen Einrichtungen abschließen muss, zum Beispiel mit Vertragslaufzeiten von mindestens einem Jahr und automatischen Verlängerungen von 24 Monaten. Doch nicht alles, was im Kleingedruckten steht, ist auch wirksam - die Verbraucherzentrale klärt auf.

Fitness-Studios bieten ihren Kunden eine Vielzahl an Sportgeräten, individuelle Betreuung und Trainingspläne sowie meist noch Kurse wie Aerobic oder Step, ein Sauna- und Wellness-Bereich ist oft ebenfalls inklusive. Klingt gut, hat aber auch meist einen stolzen Preis. Viele Studios bieten ein kostenloses Probetraining an. Wer danach weiter machen will, muss einen Vertrag unterschreiben. Lange Vertragslaufzeiten und Monatsbeiträge zwischen 50 und 70 Euro schrecken viele Kunden ab. Zudem lauern im Kleingedruckten eine Menge Klauseln. Die Verbraucherzentrale in Berlin macht auf typische Vertragsfallen aufmerksam und klärt auf: „Viele Verträge enthalten immer noch Klauseln, die stark von den gesetzlichen Vorgaben abweichen und unwirksam sind."

Individuelle Verträge
Grundsätzlich weist die Verbraucherzentrale darauf hin, dass die meisten Klauseln auf ihre Wirksamkeit überprüfbar sind. Oft hätten Kunden in Verträgen die Wahl zwischen verschiedenen Vertragslaufzeiten, es gebe Möglichkeiten zum Ankreuzen oder das Studio nenne Alternativen, die dann in das Vertragsformular übertragen würden. Dadurch entsteht bei manchem der Eindruck, dass individuell ausgehandelte Vereinbarungen getroffen wurden, die nicht der gesetzlichen Kontrolle unterliegen. Doch ein Ankreuzsystem ist dafür nicht ausreichend. „Nur wirklich individuell ausgehandelte Vereinbarungen unterliegen nicht der gesetzlichen Kontrolle", so die Experten der Verbraucherzentrale.

Vertragslaufzeiten und Verlängerungen
Immer wieder führen die sehr langen Vertragslaufzeiten mit Fitness-Centern zu Ärgernissen. Und nicht selten landen solche Fälle dann auch vor Gericht. Allerdings seien die Gerichte sich in der Vergangenheit uneins gewesen, wie lang zum Beispiel eine Grundlaufzeit sein dürfe, berichten die Verbraucherexperten. Nach dem jüngsten Urteil des Bundesgerichtshofs  ist die Erstlaufzeit von 24 Monaten in den Geschäftsbedingungen zulässig.

Anders sieht es aus, wenn im Vertrag eine automatische Verlängerung um den gleichen Zeitraum festgelegt wurde. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin: „Im Kleingedruckten steht häufig, dass sich der Vertrag um einen bestimmten Zeitraum verlängert, wenn er nicht gekündigt wird. Eine Verlängerung um sechs Monate bei einem Monatsbeitrag bis zu 50 Euro ist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes zulässig, da dann die finanzielle Belastung noch zumutbar ist. Bei längeren Zeiträumen entscheiden die Gerichte noch sehr unterschiedlich. Als auf jeden Fall unzulässig dürften jedoch Verlängerungsklauseln von mehr als einem Jahr anzusehen sein. Ist die Verlängerungsklausel unwirksam, endet der Vertrag bereits nach der ursprünglich vereinbarten Grundlaufzeit."

Kündigung des Vertrags
Während der Grundlaufzeit haben Kunden kein Anrecht auf Kündigung - es sei denn, die im Vertrag festgelegte Grundlaufzeit, Verlängerungszeit oder Kündigungsfrist sind unwirksam. Unwirksam seien außerdem Verträge, die auf unbestimmte Zeit geschlossen wurden, erklären die Rechtsexperten der Verbraucherzentrale. Tipp: Grundsätzlich sollten Sie eine Kündigung per Einschreiben mit Rückschein versenden. Wer die Kündigung persönlich abgibt, sollte sich den Eingang des Schreibens schriftlich bestätigen lassen.

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Kündigung aus wichtigem Grund
Ändern sich die Lebensumstände grundlegend, besteht in vielen Fällen ein Kündigungsrecht, auch wenn das so nicht im Vertrag nachzulesen ist. Wer zum Beispiel die Wohnung wechselt und dadurch einen viel längeren Anfahrtsweg in Kauf nehmen muss, kann sofort kündigen. „Etwas weitere oder schwierigere Anfahrtswege muss der Kunde aber in Kauf nehmen. Wird eine Kündigung nur bei "Umzug von mindestens 50 km Entfernung" zugelassen, kann man die Klausel ignorieren", so die Rechtsexperten.

Auch ernsthafte Krankheiten berechtigen zur Kündigung. Mit einem entsprechenden Attest vom Arzt sollte der Auflösung des Vertrages nichts mehr im Wege stehen. Eine Schwangerschaft berechtigt ebenfalls zur Kündigung aus wichtigem Grund, entschied das Oberlandesgericht in München. Aber auch in diesen Fällen waren sich die Richter nicht immer einig, entschieden aber zumindest, dass ein Vertrag für die Dauer der Schwangerschaft beitragsfrei ruhen darf und sich danach entsprechend verlängert.

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