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Clustering Illusion - Warum wir Gesichter sehen wo keine sind

Kerstin Kubanek
Finanzmarkt-Journalistin
Behavioral Finance

Wer kennt das nicht. Da liegt man im Grünen, schaut in den Himmel und glaubt, Oma Lottis Gesicht in einer Wolkenformation erkennen zu können. Dabei ist sie doch gerade erst vor zwei Wochen beerdigt worden. Ein Wunder? Wohl eher nicht. Was uns hier auf den Leim geführt hat, ist die sogenannte „Clustering Illusion“.

Hinter dem englischen – etwas sperrigen – Begriff verbirgt sich das Phänomen, in allen möglichen Dingen und Handlungsfolgen entweder Gesichter oder Muster zu erkennen. Treten diese „Muster“ häufiger auf, werden sie oft verwendet, um Vorhersagen über die Zukunft zu machen. Und dann kann es zu Denkfehlern und falschen Schlüssen kommen. Die Wolkenformation ist nicht Oma Lotti – es handelt sich dabei nur um verdunstetes Wasser.

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Und es ist gar nicht so einfach, diese zu vermeiden. Unser Gehirn ist nämlich „programmiert“ überall Muster zu erkennen. Das macht uns das Leben leichter, denn diese Fähigkeit vermittelt uns Sicherheit. Wir glauben, alles unter Kontrolle zu haben, denn anhand der vermeintlichen Vorgaben können wir ja die richtigen Entscheidungen für unsere eigene Zukunft treffen. So weit kann „Clustering Illusion“ hilfreich sein.
Problematisch wird die Sache nur, wenn wir uns auf Muster fixieren und unser Handeln vollständig danach ausrichten. Das kann beispielsweise bei Sportwetten der Fall sein. Eine Fußballmannschaft hat in der Saison bereits einige gute Spiele abgeliefert. Dementsprechend kann sie beim nächsten nur gewinnen. Logisch!

Nun kann man an dieser Stelle natürlich argumentieren, dass jemand, der auf ein Spiel wettet, sicherlich etwas Ahnung von Fußball hat. Bestimmt. Wer jedoch einen Großteil seiner Zeit und seines Geldes auf Fußballwetten verwendet, folgt jedoch einem bestimmten Muster, das sein Gehirn meint zu erkennen. Diese Gewohnheit hat dann nichts mehr mit Fachwissen zu tun.

Bei Glücksspielen anderer Art wird das ebenfalls deutlich. Es kann leicht zur Sucht kommen, weil sich der Spieler auf ein „todsicheres“ System verlässt. Ähnliches gilt für den Börsenhandel. Es gibt Marktteilnehmer, die anhand bestimmter Muster in Charts ihren Handel navigieren. Das kann funktionieren – muss es aber nicht.

Es lohnt sich immer, einen zweiten Blick auf die Dinge zu werfen. Als die Raumsonde Viking 1 der NASA im Juli 1976 die Oberfläche des Mars fotografierte, glaubten Viele, ein menschliches Gesicht auf dem Roten Planeten zu erkennen. Die vermeintliche Gesichtserkennung (auch Pareidolie genannt) entpuppte sich als eine Felsformation.

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