ZTE geht auf Einkaufstour

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, Montag, 23. November 2009, um 14:13 CET

Der sechstgrößte Telekomausrüster der Welt, ZTE , strebt in wenigen Jahren den Vorstoß in die Branchenspitze an und plant dazu erstmals Übernahmen. "Wir können unser bisheriges Wachstumstempo nur aufrechterhalten, wenn wir Unternehmen zukaufen", sagte der für das Tagesgeschäft zuständige Vorstand des chinesischen Konzerns, Tian Wenguo, der FTD auf einer Presseveranstaltung in Shenzhen in Südchina. Die Ankündigung Tians dürfte vor allem beim Rivalen Nokia Siemens Networks (NSN) für große Aufmerksamkeit sorgen. Die NSN-Eigner Nokia und Siemens (Xetra: 723610 - Nachrichten) suchten bereits vor geraumer Zeit einen Käufer für ihr rote Zahlen schreibendes Joint Venture. Eine Übernahmeofferte käme in München und Helsinki wohl gelegen. Auch der US-Handyhersteller Motorola erwägt, sich von seinem Netzwerkgeschäft zu trennen und die Sparte zu verkaufen. Tian wollte sich aber nicht zu möglichen Kaufkandidaten für seinen Konzern äußern. "Wir haben noch keine konkreten Übernahmeziele", sagte der ZTE-Vorstand stattdessen.

ZTE und der ebenfalls in Shenzhen ansässige Rivale Huawei setzen den etablierten Netzwerkausrüstern aus Europa und Nordamerika immer mehr zu. Laut der US-Marktforschungsfirma Dell'Oro hatten die beiden chinesischen Konzerne im zweiten Quartal dieses Jahres einen gemeinsamen Weltmarktanteil von rund 25 Prozent bei Mobilfunkausrüstungen erkämpft - auf Kosten der Marktführer Ericsson , NSN sowie Alcatel (Paris: FR0000130007 - Nachrichten) -Lucent . Anders als noch vor wenigen Jahren sind die Chinesen aber längst nicht mehr nur für Netzwerkbetreiber in Schwellenländern die erste Wahl. So hatte Telenor (Oslo: TEL.OL - Nachrichten) am Donnerstag angekündigt, seine künftigen Netze im Heimatmarkt Norwegen gemeinsam mit Huawei aufbauen zu wollen. Auch die Deutsche Telekom (Xetra: 555750 - Nachrichten) arbeitet mit Huawei und ZTE eng zusammen.

Bislang begnügten sich die Chinesen mit Wachstum aus eigener Kraft. Gelänge ihnen die Übernahme eines westlichen Rivalen, würden sich die Branchengewichte auf einen Schlag noch einmal dramatisch in Richtung Asien verschieben. Selbst der mit einem globalen Marktanteil von 32 Prozent unverwundbar erscheinende Branchenprimus Ericsson müsste dann damit rechnen, dass sich chinesische Unternehmen ähnliche Größenvorteile sicherten - bei erheblich günstigeren Kostenstrukturen. An Finanzkraft für eine Einkaufstour fehlt es ZTE nicht. Mit einem Umsatz von umgerechnet rund 4,5 Mrd. Euro in 2008 ist der Konzern zwar noch vergleichsweise klein. Jedoch wachsen die Chinesen schnell. In den ersten neun Monaten legte laut Unternehmensangaben der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 41 Prozent zu. Zudem hat sich ZTE Anfang des Jahres zwei Kreditlinien staatlicher chinesischer Banken in Höhe von 25 Mrd. $ gesichert. Die Gelder sind zweckgebunden für die Auslandsexpansion. Rund die Hälfte aller ZTE-Kunden ließen sich damit inzwischen ihre Netzkäufe vorfinanzieren, hieß es in Shenzhen. Der Jumbokredit dürfte sich aber auch für Übernahmen von Konkurrenten eignen.

Außer durch Zukäufe möchte Tian künftig auch mit einer Ausweitung des Geschäftsmodells für Wachstum sorgen. "Wir werden unseren Kunden künftig auch Dienstleistungen anbieten", sagte der Topmanager, der auch die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen ZTEs leitet. Dazu soll auch der komplette Betrieb von Handynetzen gehören, kündigte Tian an.

Dieses Servicegeschäft ist bisher eine Domäne der großen europäischen und nordamerikanischen Netzwerkhersteller. Ericsson (Stockholm: ERIC-B.ST - Nachrichten) und NSN erzielen inzwischen fast die Hälfte ihrer Umsätze mit dem ausgelagerten Betrieb kompletter Netze. Bislang wähnten sich die Europäer in diesem Bereich vergleichsweise sicher vor ihrer erstarkenden chinesischen Konkurrenz: Schließlich erfordere der Betrieb ganzer Netze in Europa oder Nordamerika auch die Einstellung teuren Personals vor Ort - die Kostenvorteile der Konkurrenz aus Fernost würden damit dahinschmelzen, betonen Manager von NSN und Ericsson immer wieder.

Bei ZTE teilt man diese Meinung nicht. Zwar sei es richtig, dass zusätzliches Personal in Hochlohnländern eingestellt werden müsse, räumte Tian ein. Andererseits könne aber ein Großteil der anfallenden Arbeiten wie Entwicklung und Wartung netzspezifischer Software (Frankfurt: A0XFVC - Nachrichten) sowie das Monitoring auch von China aus geleistet werden. "Wir können so immer noch erheblich preisgünstiger sein als unsere Konkurrenz", behauptet der Manager.