Sunnyvale/USA (dapd). Der Internet-Konzern Yahoo hat unmittelbar vor der Präsentation jüngster Quartalszahlen einen spektakulären Personal-Coup gelandet: Die langjährige Google (NasdaqGS: GOOG - Nachrichten) -Spitzenmanagerin Marissa Mayer soll das Ruder herumreißen. Die 37-Jährige sollte schon am (heutigen) Dienstag als Vorstandsvorsitzende bei Yahoo (NasdaqGS: YHOO - Nachrichten) anfangen, gab das Unternehmen am Montag bekannt. Mayer war 13 Jahre beim Yahoo-Konkurrenten Google tätig und erlebte mit, wie Yahoo in der Zeit die Marktführerschaft an Google verlor.
Beobachter erwarten, dass Mayer Yahoo wieder innovativer machen soll. Zuletzt musste Yahoo nach Google auch Facebook an sich vorbeiziehen lassen. Mayer ist bereits die fünfte Person auf dem Yahoo-Chefsessel in den letzten fünf Jahren.
"Ich bin unglaublich begeistert, morgen meine neue Rolle bei Yahoo anzutreten", twitterte Mayer am Montagnachmittag (Ortszeit). Lange galt Interimschef Ross Levinsohn als Favorit für den Posten. Der 48-Jährige hatte kommissarisch übernommen, nachdem Scott Thompson wegen falscher Angaben im Lebenslauf den Hut nehmen musste.
Die Konkurrenz zollte Respekt. "Yahoo hat eine großartige Wahl getroffen", erklärte Eric Schmidt, der Verwaltungsratsvorsitzende von Google. Mayer kam 1999 als 20. Mitarbeiter zu Google und galt hinter dem Triumvirat von Schmidt und den Gründern Larry Page und Sergey Brin als starke Kraft bei der rasanten Expansion von Google.
Der Yahoo-Verwaltungsratsvorsitzende Fred Amoroso sagte, die beispiellose Erfolgsgeschichte Mayers bei Technologie, Design und Produktausführung habe das Gremium überzeugt. Mayer ist als Mathematik-Ass bekannt mit einem beeindruckenden Gedächtnis und einem guten Auge für Design. Schmidt lobte ihre Verständnis von Innovation und Perfektion.
Zu ihrer neuen Aufgabe bei Yahoo sagte Mayer im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP: "Ich sehe eine große Chance, (...) der Firma dabei zu helfen, ihre Angebote zu ordnen und besonders talentierte, besonders anregende Menschen zu gewinnen."
Yahoo hatte im April angekündigt, wegen der schlechten Geschäftsentwicklung 2.000 Mitarbeiter zu entlassen. Mayer sollte "in der Lage sein, mehr hoch qualifizierte Talente an Yahoo zu binden", schrieb Doug Anmuth, ein Analyst von J.P. Morgan (KOSDAQ: 019990.KQ - Nachrichten) .
Auch andere Analysten hielten die Abwerbung Mayers für einen bei Yahoo selten gewordenen gelungenen Schachzug. "Sie bringt große Führungsstärke mit und ist sehr beliebt im Silicon Valley", sagte Gartner (NYSE: IT - Nachrichten) -Marktforscher Allen Weiner.
Top-Priorität für Mayer müsse jetzt haben, Levinsohn zu halten, der bereits zum zweiten Mal übergangen wurde. "Wenn er geht, wird es einen Exodus geben", prognostizierte Weiner. Mayer wollte mögliche Absprachen zwischen ihr und Levinsohn nicht kommentieren.
Die studierte Computerwissenschaftlerin erwartet derzeit ein Kind. In einem Interview gab Mayer den 7. Oktober als erwarteten Geburtstermin an. Sie habe den Yahoo-Verwaltungsrat vor der Abstimmung über die Schwangerschaft informiert, sagte sie.
Die Yahoo-Aktie schloss am Montag bei 15,65 Dollar. Mayer sagte, sie werde das nach der Bekanntgabe der Quartalszahlen angesetzte Analystengespräch noch auslassen. Sie wolle die Situation bei Yahoo zunächst besser begreifen lernen. Ihren für August geplanten Urlaub hat Mayer jedenfalls schon wieder abgesagt.
© 2012 AP. All rights reserved



